Ein Haus und Grundstück ist über und über mit leuchtenden Lämpli in rot, grün und weiss geschmückt. Zwischen den vollbeleuchteten Bäumen stehen Samichläuse, Rentiere und Schneemänner.
© Getty Images/ Chuck Savage

Leben

Weihnachtsdeko am Haus: Was ist erlaubt?

Sira Huwiler-Flamm

Lichterketten im Vorgarten, blinkende Rentiere an der Fassade, ein singender Samichlaus im Vorgarten – Weihnachten steht vor der Tür. Für viele Hausbesitzer gehört ein geschmückter Garten und Eingangsbereich dazu. Ein Rechtsexperte gibt Tipps.

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Es werde Licht: aber bitte besinnlich

Lichterketten verleihen Vorgärten, Fenstern und Tannenbäumen vielerorts in der Vorweihnachtszeit einen funkelnden Glanz. Aber auch in Schweizer Quartieren wird es immer bunter, heller, amerikanischer. Darf man ein überlebensgrosses blinkendes Rentier aufstellen oder das komplette Gelände über und über mit tausenden Lämpchen verzieren?

«Wenn es so hell ist, dass vorbeifahrende Autofahrer abgelenkt werden oder der Nachbar nicht mehr schlafen kann, geht das zu weit», weiss Thomas Oberle, Rechtsexperte beim schweizerischen Hauseigentümerverband (HEV). Weil Lämpchen, Schmuck und Glitzermeer aber traditionell zur Schweizer Kultur gehören, müssen auch Weihnachtsmuffel die fröhlichste und blinkendste Dekoration zur Adventszeit erdulden.

Ein nicht ganz so erfreulicher Fall machte vor einigen Jahren zur Weihnachtszeit schweizweit die Runde: Im aargauischen Möhlin wurde einer enthusiastischen Familie per Gerichtsbeschluss quasi der Stecker gezogen. Die Hausbesitzer hatten ihr Haus ohnehin schon rund ums Jahr mit Spots und Zierbeleuchtung an Fassade und Bäumen erhellt. Vom Martinstag (11. November) bis Mariä Lichtmess (2. Februar) liessen die Beleuchtungsfans Gebäude und Umgebung zusätzlich in üppiger Weihnachtsbeleuchtung erstrahlen.

Die Nachbarn gegenüber fühlten sich in ihrer nächtlichen Ruhe gestört und forderten eine zeitliche Beschränkung der Beleuchtung. Das Verwaltungsgericht Aargau gab den Nachbarn recht und sprach von einer gewöhnlichen Weihnachtsbeleuchtungszeit zwischen dem ersten Advent und dem 6. Januar – bis jeweils 1 Uhr nachts. Das Bundesgericht in Lausanne fällte daraufhin sogar ein Grundsatzurteil: Jetzt dürfen Hausbesitzer verpflichtet werden, Beleuchtung ab 22 Uhr zur Nachtruhezeit abzuschalten.

Der Experte vom Hauseigentümerverband empfiehlt: «Auch den Stromkosten und der Umwelt zuliebe sollte die Beleuchtung nachts ab 0 oder 1 Uhr abgeknipst werden, etwa mit einer Zeitschaltuhr.» Verpflichtend sei dies aber nur, wenn sich die Nachbarn an der sogenannten Lichtverschmutzung stören.

Kraxelnde Rentiere an der Fassade: Sicherheit geht vor

Ein riesiger Samichlaus, der eine Hausfassade hinaufklettert, ein Rentier, das über das Balkongeländer kraxelt, ein mannsgrosser beleuchteter Schneemann auf dem Dach – das alles ist ungewöhnlich, aber unter gewissen Umständen erlaubt: «Ein Hauseigentümer darf seiner Dekorationsleidenschaft frönen, wie er will», so Rechtsexperte Oberle. Um bei sehr grossen Dekoelementen auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt er aber, sich beim Bauamt der Gemeinde zu erkundigen, ob Bewilligungen notwendig sind.

Ein überlebensgrosser aufblasbarer Samichlaus ziert den Aussenbereich einer Hütte. Im Hintergrund sind schneebedeckte Hügel zu sehen.

Deko in XXL: Unübliche Dekoelemente, wie diesen überlebensgrossen aufblasbaren Samichlaus, gilt es gut gegen Sturmböen zu sichern.

Beim Mieter oder Stockwerkeigentümer in einem Mehrparteienhaus sieht es anders aus: «Hier sollte man sich bereits vor der Planung und Anschaffung beim Vermieter oder der Eigentümergemeinschaft das Einverständnis holen», rät Thomas Oberle.

Egal, ob am eigenen Haus, Mehrfamilienhaus oder Balkon, das Wichtigste ist: «Die Dekoration muss gut gegen Wind und Sturmböen befestigt werden. Wird durch lose Teile ein Auto beschädigt oder sogar ein Velofahrer oder Passant verletzt, kann es richtig teuer werden.»

Wann der singende Samichlaus zu laut ist

Mit «O du fröhliche» kann ganz schnell Schluss sein, wenn die Melodie in der Adventszeit in Dauerbeschallung aus dem Nachbarsgarten schallt. Wann sind Glockenspiel und singende Samichläuse aber tatsächlich zu laut?

«Es gibt keine offiziellen Grenzwerte», sagt der Rechtsexperte, «am Tag ist eine normale Gesprächslautstärke zu dulden, zu den Nachtruhezeiten muss aber auch die schönste Weihnachtsmusik verstummen.» Je nach Kanton gelten die Stunden von 22 oder 23 Uhr bis 6 oder 7 Uhr morgens als Nachtruhezeiten. Aber auch tagsüber verstosse das Dauerabspielen von Musik gegen das Verbot übermässiger Immissionen.

«Sich ständig wiederholende Melodien können nerven – deshalb appellieren wir vom Hauseigentümerverband an den gesunden Menschenverstand, um den Nachbarschaftsfrieden zu wahren», so Oberle, «in Innenräumen hat niemand etwas dagegen, draussen muss es nicht unbedingt sein.»

Ein Samichlaus steht in einem hellauf erleuchteten Garten. Im Hintergrund funkeln Lämpli in Blau- und Goldtönen.

Weihnachtsschmuck hat in der Adventszeit Tradition – bei solch einem Lichtermeer geht vielen Betrachtern das Herz auf.

Deko im Treppenhaus: Brandschutz beachten

Ein Kranz an der Wohnungstür oder herzige Wichtel-Figürchen im Treppenhaus gehören für viele Mieter und Stockwerkeigentümer zur Standard-Dekoration in der Adventszeit. Gibt es etwas zu beachten?

«Der klassische Kranz ist sicher erlaubt. Alles, was im Flur steht, kann aber den Reinigungsservice oder den Hauswart in seiner Arbeit hindern oder sogar feuerpolizeiliche Fluchtwege blockieren», sagt Oberle, «deshalb gilt auch hier speziell in Mehrfamilienhäusern: Mit dem Hauswart oder der Eigentümerversammlung absprechen.» Was sicher in jedem Treppenhaus tabu sein sollte: Brennende Kerzen. «Es muss nur ein Passant daran stossen und schon fängt der Mistelzweig daneben Feuer.»

Manche mögen es üppig: Deko-Beispiele aus der Schweiz

Einer der zur Weihnachtszeit wohl meistfotografierten Bauernhöfe der Schweiz ist der Hof der Familie Grossenbacher in Kärselen im Berner Oberland. Tausende Lämpchen machen das Gebäude und den Stall zum funkelnden Lichtermeer. Bäuerin Ruth Grossenbacher fängt Jahr für Jahr schon Ende September an, die Weihnachtsschachteln vom Staub zu befreien und alles vorzubereiten. Immer wieder halten Autofahrer an, schiessen Fotos und staunen. Weil der Hof aber mitten im Grünen liegt, mit Blick auf weite Wiesen und ein atemberaubendes Bergpanorama, wird niemand gefährdet.

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Gleich mehrere Nachbarn treiben den Weihnachtswahnsinn im Stegmattquartier in Lyss auf die Spitze: Kilometerlange Lichterketten, Leuchtschneemänner, funkelnde Rentiere und überlebensgrosse Samichläuse, Lebkuchenmänner und Engel strahlen hier um die Wette. Für Einheimische und Touristen ist die Strasse zum Sammelplatz im Advent geworden. Beinahe jeder Busch erleuchtet in tausenden roten, gelben und weissen Lichtern. Christbaumkugeln, Leuchtsterne und durch den Garten sausende Modelleisenbahnzüge sorgen für grosse Augen.

Aber der Spass ist ganz schön teuer: Mit rund 800 Franken bezifferte einer der Lämpchenfans am Stegmattweg seine Stromkostenrechnung im Advent. Für Erheiterung sorgt die Lichterpracht allemal: «Die sy wieder mau liecht eskaliert», schreibt eine Betrachterin der Winterwunderwelt auf Instagram.

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Fazit: Besinnlichkeit im Advent

Egal, ob Sie einen berauschend bunten Vorgarten oder ein dezentes Lichtermeer bevorzugen: Schmücken im Advent hat seine Tradition, steigert die Vorfreude auf die besinnlichen Tage und sei jedem gegönnt. Aber: Werden Nachbarn oder Passanten in ihrer Ruhe gestört oder sogar gefährdet, ist der Spass auch rechtlich vorbei.

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Mieter und Stockwerkeigentümer unüblich grossen Weihnachtsschmuck bereits vor der Anschaffung mit der Hausverwaltung absprechen. Hauseigentümer dürfen grundsätzlich zwar fast alles. Doch um den Nachbarschaftsfrieden zu wahren, kann auch hier eine kurze Rücksprache im Vorfeld Konflikten vorbeugen – schliesslich soll der Advent ja besinnlich sein und bleiben.

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