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Trend: Möbel mieten statt kaufen

Sira Huwiler-Flamm

Sofa, Schrank und Küchentisch mieten statt kaufen – ein Trend, der auch in der Schweiz angekommen ist. Nachhaltigkeit und die Möglichkeit, sich immer wieder neu zu erfinden, sind Vorteile. Aber ist das Sharing-Prinzip wirklich für jeden geeignet?

In einem lichtdurchfluteten Wohnzimmer stehen trendige Möbelstücke wie eine Couch und ein Hocker in Dunkelgrün. An der Wand hängt ein grosses Wandgemälde mit geometrischen Formen.
© Getty Images/iStockphoto

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Sharing boomt – auch bei Gebrauchsgegenständen

«Möbel mieten statt kaufen – nachhaltig, kostengünstig, flexibel, stressfrei» – mit diesem Slogan wirbt der Zürcher Möbelvermieter Furniture Rental und das auf Möbel-Sharing spezialisierte Unternehmen ist nicht der einzige Anbieter in der Schweiz. Der Online-Händler für Designermöbel Beliani aus Baar bietet beispielsweise ebenfalls sein gesamtes Sortiment aus über 1000 Sofas, Betten, Gartenmöbeln, Whirlpools, Lampen und Dekoartikeln im Monatsabo ab 99 Franken an – Lieferung, Aufbau und Entsorgung der alten Möbelstücke inklusive. Und sogar bei Einrichtungsriesen wie IKEA und Heimtechnik-Detailhändlern wie Media Markt wurden bereits Vermietungsmodelle in der Schweiz erprobt.

«Die Sharing-Economy, also Angebote, die auf Mieten und Teilen basieren, boomen in allen Bereichen, auch bei Gebrauchsgegenständen», weiss Dr. Dominik Georgi, der als Wirtschaftsprofessor und Experte für Sharing-Economy an der Hochschule Luzern tätig ist.

Der ökosoziale Vorteil: Sharing als Lebenseinstellung

Die finanzielle Ersparnis und der Wunsch, ökologisch, nachhaltig und sozial zu leben, seien die wichtigsten Kriterien, die den Trend «mieten statt kaufen» oder «teilen statt besitzen» beflügeln. «Schweizer Konsumenten legen immer grösseren Wert auf Nachhaltigkeit und sind mit steigendem Angebot auch immer offener für Sharing-Konzepte», so der Experte. Carsharing-Angebote würden zum Beispiel bereits rege genutzt und immer mehr Anbieter strömen auf den Schweizer Markt. Georgi weiss aber auch: «Der Durchschnittsschweizer muss nicht zu sehr aufs Geld schauen und besitzt gerne – speziell so persönliche Dinge wie Möbelstücke, Babykleidung oder festliche Abendkleidung.»

Bei richtig teuren, hochwertigen Möbelstücken und Konsumenten, die sich nur schwer entschieden können, hat die Möbelmiete aber einen klaren Vorteil: Sofas, Betten oder Relaxsessel können während der Mietdauer sozusagen ausprobiert und in einem nächsten Schritt gekauft werden – tschüss unbequeme Kuschelecken und schlaflose Nächte, hallo Entscheidungshilfe!

In einem Schlafzimmer steht ein gemütliches Boxspringbett mit kuscheligen Kissen.

Die Anschaffung eines gemütlichen Boxspringbetts ist teuer – wer es zuerst mietet, kann es ausprobieren.

Der Sparvorteil: die Lösung für Wohnen auf Zeit

Haben Sie in Ihrer ersten Studentenbude auch auf einer Matratze ohne Lattenrost geschlafen und einen Raum mit nur einem Stuhl und einer spärlichen Kleiderstange Ihr Zuhause genannt? Nicht nur für Studenten, Lehrlinge und Berufseinsteiger, sondern auch für Expats mit kurzer Aufenthaltsdauer und Berufspendler mit Zweitwohnsitz scheint die Möbelmiete eine tolle Alternative zu den kargen vier Wänden von einst zu sein.

Wem das Geld oder die Zeit fehlt, sich Möbel zu kaufen, der kann sie risikolos zu einem klar definierten Monatspreis mieten und trotzdem schön wohnen. Die Mietdauer ist bei den meisten Anbietern variabel wählbar.

Der Dynamikvorteil: Abwechslung im Eigenheim

«Ein klarer Vorteil bei allen Sharing-Angeboten: Man bleibt flexibel», sagt Professor Georgi. Das Leben verändert sich bei vielen Menschen stetig. Manchmal passt nach dem Zügeln das Sofa nicht mehr ins Wohnzimmer. Ein anderes Mal muss das Arbeitszimmer dem Kinderzimmer für den jüngsten Familienzuwachs weichen. Und der ein oder andere Eigenheimbesitzer liebt es einfach, das Erscheinungsbild der Räume hin und wieder zu verändern, neue Trends auszuprobieren und der puren Lust am Umgestalten, Umdekorieren und Einrichten zu frönen.

Ein junges Paar trägt ein graues Sofa und platziert es an einer Wand in einem Wohnzimmer.

Nie mehr leere Studentenbuden: Für junge Menschen mit wenig Geld ist die Möbelmiete eine kalkulierbare Alternative.

Wer Möbel mietet statt kauft, kann regelmässig Abwechslung ins Eigenheim bringen, und zwar ohne hohen finanziellen Aufwand und ohne schlechtes Gewissen. Die gemieteten Möbel landen nicht in der Verbrennungsanlage oder auf der Abfalldeponie, sondern werden nach einer speziellen Reinigung weitervermietet. Alternativ kann man gekaufte Möbel natürlich auch auf Online-Marktplätzen und in regionalen Kleinanzeigen verkaufen – doch der Aufwand ist oft hoch und Schnäppchenjäger drücken die Preise.

Fazit: je nach Bedürfnis und Geschmack

Auf einer Couch zu kuscheln, auf der vorher schon andere Familien ihre gemütlichen Sonntage verbracht haben, ist nicht jedermanns Sache. Wer aber gerne nachhaltig und sozial im Sinne der Sharing-Economy mit anderen teilt, für den ist die Möbelmiete eine echte Alternative zum direkten Kauf.

Besonders bei zeitlich beschränkter Nutzungsdauer oder sehr teuren Anschaffungen, wie einem grossen Echtledersofa, einem Whirlpool oder einem Designerstück, kann sich mieten statt kaufen lohnen. Haben Sie ein Abo-Einzelteil oder die komplette Einrichtung so liebgewonnen, dass Sie sich nicht mehr davon trennen wollen? Kein Problem: Die meisten Vermieter bieten die Option, das Lieblingsteil doch noch zu kaufen.

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