Sandra und Stéphane stehen vor ihrer umgebauten Holzscheune.
© Natascha Vavrina

Bauen und Kaufen

Tradition trifft Moderne: Von der Scheune zum Wohntraum

Cécile Maurer

Sandra und Stéphane sind 41 respektive 47 Jahre alt. Die leidenschaftlichen Bergsportler leben im sonnigen Wallis mit Blick auf Weinreben, Alpen und viel Natur.

„Es war Liebe auf den ersten Blick“

Als Sandra in das schmucke Dorf im Zentralwallis zog, in dem Stéphane schon immer lebte, wusste sie: Sie war gekommen, um zu bleiben. Als Immobilienmaklerin war für sie immer klar, dass sie irgendwann selbst Hausbesitzerin sein möchte. Über ihren Beruf kam sie schliesslich auch zu dieser Liegenschaft. Denn ihr damaliger Nachbar wollte seine Scheune im Dorfzentrum verkaufen und bat sie, ihm dabei zu helfen.

Als sie die Scheune für eine erste Bestandsaufnahme besuchte, verliebte sie sich auf den ersten Blick in sie. Die Liegenschaft verkörperte alles, was Sandra sich immer gewünscht hatte. Im Herzen des Dorfes gelegen, war die Scheune eine einzigartige Immobilie: Sie war nicht zu gross, nicht zu klein, und der Umbau würde genau das richtige Mass an Herausforderung mit sich bringen. Jetzt musste Sandra nur noch ihren Partner mit ins Boot holen. Tatsächlich war nicht viel Überzeugungsarbeit nötig, bis auch Stéphane, gelernter Plattenleger mit eigener Firma, an Bord war. Beide hatten sich zum Ziel gesetzt, aus der alten Scheune ihr neues Zuhause zu schaffen.

Obwohl es vom Kauf über die Planung bis hin zur Fertigstellung Jahre dauern sollte, war für die beiden von Anfang an klar, dass ihr Projekt eine Herzensangelegenheit war. Auf die Frage, was es braucht, wenn man ein Haus kauft und umbaut, antwortet Sandra: „Resilienz, Flexibilität und Vertrauen.“

Blick aus der Vogelperspektive auf die renovierte Scheune von Sandra und Stéphane und auf die angrenzende Nachbarscheune im Vordergrund.

Doppelhaushälften auf die romantische Art: In der angrenzenden Nachbarscheune wollen Sandra und Stéphane Gästezimmer einrichten.

Das Unmögliche möglich machen

Denn trotz vieler entmutigender Stimmen im Umfeld – die Scheune sei doch zu klein und das Umbauvorhaben zu kompliziert – liessen sie sich nicht von ihrem Plan abbringen. Mit viel Motivation und Elan machten sie sich an die Arbeit. Es dauerte fast ein Jahr, bis sie alle Bewilligungen erhalten hatten. Im Endeffekt sollte es wohl so sein. Denn im selben Jahr ereilte Sandra ein schwerer Schicksalsschlag, der sie emotional sehr aufwühlte. Damals hätte sie nicht die positive Energie aufbringen können, die es brauchte, um ihr neues Zuhause zu schaffen: „Das Leben geht schon immer den richtigen Weg. Diese Wartezeit war nötig für einen positiven Neustart.“

Denn nicht nur die alte Scheune erlebte einen Neuanfang, auch Sandra und Stéphane entschieden sich, ihr Leben völlig neu zu gestalten. Inspiriert von der wunderschönen Natur, den Alpen und dem sonnigen Wallis wagten Sie den Sprung in ein neues Abenteuer: die Gründung eines eigenen Unternehmens.

Das sportbegeisterte Paar gründete „Beeheidi“: ein Unternehmen, das Besucherinnen und Besuchern einzigartige Erlebnisse in den Alpen bietet. Von Trail Runs über Wandertouren und Yoga-Stunden mit spektakulärem Panorama bis hin zu kulinarischen Entdeckungsreisen – so erleben ihre Kundinnen und Kunden die Walliser Landschaft, Lebensfreude und Gastfreundschaft hautnah. Wieso Heidi? Die Antwort: Sandra, Enkelin eines Bergsteigers, trug bereits als Kind diesen Spitznamen.

Im Vordergrund liegt eine grüne Wiese, auf der Sandra und Stéphane beim Trail-Running zu sehen sind; im Hintergrund ein Tal und Berge.

Die Alpen hautnah erleben: Sandra und Stéphane bieten Touristen Trail Runs und Touren in ihrer Heimat.

Die Sportbegeisterung wird zur Berufung

Bereits vor der Gründung des Unternehmens zog es Sandra und Stéphane für Trail Runs oder Wandertouren immer wieder in die Berge. Wenn sie nicht mit der Renovation ihrer Scheune beschäftigt waren, dann nutzten sie ihre freie Zeit meist, um die wunderbare Bergluft bei schweisstreibenden Runs zu geniessen. Die Idee lag nah, die eigene Sportbegeisterung zum Beruf zu machen.

Auch die Leidenschaft für die regionale und gesunde Küche verbinden die beiden auf diese Weise mit ihrem Beruf. Denn Sandra und Stéphane nehmen ihre Besucher immer wieder mit auf kulinarische Entdeckungstouren in der Region. In Zukunft soll dieser Aspekt noch zentraler werden, denn nach dem Ausbau der Nachbarscheune, die Sandra und Stéphane ebenfalls gekauft haben, entstehen dort Gästezimmer für ein Bed & Breakfast.

Dann kann Sandra bald wohl noch häufiger ihren Lieblingsort im Haus nutzen: die Küche. Hell und elegant begrüsst diese die Besucher beim Betreten des schmucken Häuschens. Sandra entwarf die Küche nach ihren Bedürfnissen und Gewohnheiten und wusste genau, wie sie eingerichtet sein sollte.

Hier kocht sie nun am Liebsten ausgewogene Mahlzeiten ­– für ihren Mann und sich selbst, aber auch für ihre Tour-Gäste. Und wo liesse sich die gesunde regionale Küche besser geniessen als im Wohn- und Esszimmer der beiden, das einen Blick auf die Weinberge und die Walliser Alpen freigibt?

Die umgebaute Scheune von Sandra und Stéphane von der Strasse aus gesehen.

Aus dem Dornröschen-Schlaf erwacht: Die ehemalige Scheune präsentiert sich jetzt als modernes Wohnhaus.

Blick in die Küche von Sandra und Stéphane, im Mittelpunkt steht ein Tisch mit einer Holzplatte und Beinen aus Metall.

Hell und modern: Die Küche von Sandra und Stéphane.

Blick auf den Arbeitsbereich in der umgebauten Scheune; im Vordergrund sind Regale zu sehen, vor einem Fenster stehen ein Schreibtisch und ein Bürostuhl.

Im oberen Bereich der Scheune liegt der offene Arbeitsbereich von Sandra und Stéphane.

Blick ins Wohnzimmer der umgebauten Scheune. Im Mittelpunkt ein Ecksofa, darüber ein Spiegel.

Der grosse Spiegel im Wohnzimmer verteilt das durch die Fenster hereinfallende Licht noch besser im Raum.

Sandra hat aus den Treppenstufen zwei Schubladen herausgezogen, Stéphane steht daneben.

Clevere Idee: Die Treppenstufen in der umgebauten Scheune sind gleichzeitig Schubladen.

Den Raum optimal nutzen

Weil das Haus relativ klein ist, galt es, jeden Raum optimal auszunutzen. Ein platzschaffendes Wunder ist die Treppe. Hier haben Sandra und Stéphane tatsächlich jeden Kubikmillimeter ausgenutzt: Die Treppenstufen fungieren auch als Schubladen, eine Nische neben der Treppe bietet Platz für Bücher, und auf der anderen Seite sind Abstellkammer und Garderobe untergebracht.

Sandra und Stéphane blicken gemeinsam auf einen Bauplan.

Gute Planung ist der halbe Umbau: Mit Sandras Erfahrung als Immobilienmaklerin und Stéphanes handwerklicher Kompetenz besass das Paar gute Voraussetzungen für das Projekt.

Im ersten Stock befindet sich ein grosser, offener Raum, der Sandra und Stéphane als Arbeitsbereich dient – und in dem auch Katze Ulysse eine eigene Ecke hat. Durch eine Schiebetür gelangt man ins Schlafzimmer mit direkt daran angrenzendem „En-Suite“-Bad und einem kleinem „Walk-In“-Kleiderschrank.

Wie im Erdgeschoss vermittelt auch hier das offene Raumkonzept ein Gefühl der Grosszügigkeit. Die Einrichtung ist schlicht und elegant. Die Farben sind hell und freundlich. Alles wirkt unaufgeregt und gemütlich. „Wir wollten die alten Strukturen aufrechterhalten und ihnen neues Leben einhauchen.“ Nichts hat Sandra deshalb dem Zufall überlassen – und nur eine Kleinigkeit würde sie gerne im Nachhinein ändern: die Platzierung einer einzelnen Steckdose.

Sandra und Stéphane sitzen an einem kleinen Gartentisch, links ist eine Holzbank, rechts eine Hauswand; im Hintergrund sind die Weinberge zu sehen.

Eine kleine Terrasse mit spektakulärem Blick auf die Weinberge – hier geniessen Sandra und Stéphane ihre freien Sommerabende.

Das Projekt geht weiter

Es ist aber noch lange nicht alles getan. Denn mit dem Erwerb der angrenzenden Scheune entstand ein völlig neues Bauprojekt. Für das oben bereits erwähnte Bed & Breakfast wollen Sandra und Stéphane die Wand zwischen ihrer alten und der neu erworbenen Scheune durchbrechen und so eine direkte Verbindung zwischen den beiden Häusern schaffen. Zusätzlich soll eine grosse Terrasse mit Pergola die Aussenbereiche miteinander verbinden.

Sandra und Stéphane sind sehr stolz darauf, dass sie der alten Scheune neues Leben einhauchen konnten, ohne dabei auf ihren ursprünglichen Charme verzichten zu müssen. Oft halten Touristen an und bewundern die heimelig wirkende und dabei architektonisch so interessante Scheune.

Auch bei dem Ausbau der neuen Scheune wollen Sandra und Stéphane den urchigen Charme mit modernen Elementen kombinieren. Das Projekt „Heidis Scheune“ ist noch nicht zu Ende.

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