Eine junge Frau steht mit einem Fächer Farbmuster vor einer weissen Wand; im Hintergrund sind Regale und ein Bett zu sehen.
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Renovieren

Streichen, Boden verlegen, täfern: DIY-Projekte für Hobbyhandwerker

Susanne Loacker

Wer schon einmal ein Zimmer betreten hat, das er selber gestrichen oder bei dem er den Boden selber verlegt hat, weiss: Kaum etwas macht so stolz wie der selber gemachte Teil des Hauses. Deshalb: do it yourself. Wer ein wenig Hilfe bei den Selbstbau-Projekten benötigt, für den haben wir ausserdem einige Anlaufstellen für Heimwerkerkurse zusammengestellt.

Do it yourself: Freude am Handwerken

Eine Umfrage des Handwerkerportals Ofri im Jahr 2018 hat ergeben, dass rund 70 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer gewisse handwerkliche Tätigkeiten selber verrichten. Der meistgenannte Grund für die Do-it-yourself-Methode ist dabei nicht die Absicht, Geld zu sparen, sondern der Spass an der handwerklichen Arbeit.

Natürlich ist „handwerkliche Tätigkeit“ ein sehr weiter Begriff. Eine Glühbirne zu ersetzen, ist deutlich einfacher, als den Boiler selber zu entkalken. Wir verraten Ihnen, was Sie ruhig selber angehen können ­– und wofür Sie sich besser Tipps oder sogar Hilfe holen.

1. Die alte Küche herausreissen

Je mehr man sich auf die neue Küche freut, desto toller wird das Herausreissen der alten. Man kann sich, bevor der Profi die neue einbaut, gut und gern ein paar hundert Franken sparen. Alles, was Sie brauchen, ist ein starker elektrischer Spitzhammer. Damit lassen sich auch alte Plättli von den Wänden – oder auch aus Dusche und Bad – entfernen. Aber Vorsicht in der Nähe von Wasser- oder Stromleitungen. Sehr hilfreich ist hier ein sogenannter Leitungssucher. Die qualitativ hochwertigen erkennen nicht nur Strom, sondern auch Metall. Das ist hilfreich, weil Wasserleitungen meistens aus Metall sind.

Finden Sie hier Tipps, wie Sie nach dem Abriss die neue Küche gestalten können.

2. Wände oder Küchenfronten streichen

Der Klassiker, bei dem aber oft zwei Punkte unterschätzt werden: die Vorarbeiten und das Material. Profis rechnen einen guten Teil der Arbeitszeit für Abdeckarbeiten ein. Günstiger ist es deshalb, wenn Sie alle Arbeiten gleich selbst erledigen. Für Vorbereitungen wie Abkleben, Abschleifen oder etwa die Schrankgriffe abmontieren benötigen Sie keine oder nur geringe Vorkenntnisse. Dann geht es ans Streichen.

Tipp: Lassen Sie sich bei der Farbauswahl von einem Profi beraten und nehmen Sie sich Zeit für einen Probeanstrich auf einer kleinen Fläche. Dies gilt besonders, wenn Sie Lasur auftragen. Denn hier sieht man oft, wenn ein Laie am Werk war. Natürlich lassen sich viele Farben auch spritzen – aber gestrichen sieht meist einfach schöner aus. Auch Küchenfronten kann man, wenn sie aus Kunstharz oder Holz sind und sich die Griffe abmontieren lassen, anschleifen und selber streichen.

Grundsätzlich gilt: Immer von oben nach unten streichen. Und malen, bevor man den neuen Boden verlegt. Dann kann man sich das Abdecken des Bodens sparen.

3. Boden verlegen

Auch ein Klassiker, bei dem relativ wenig schiefgehen kann – vorausgesetzt, das Haus hat rechte Winkel. Sonst ist das Berechnen sehr anspruchsvoll. Linoleum oder Vinyl kauft man am einfachsten in Klickausführung. Tipp: Um den Boden auf die richtige Länge zu kürzen, ist eine Stichsäge sehr hilfreich. Viele Baumärkte verleihen diese Geräte; Sie müssen sich für dieses Projekt also nicht gleich neues Werkzeug zulegen.

Haben Sie bereits einen Fliesenboden, können Sie auf den alten Boden problemlos neue Fliesen legen. Unter dem Boden benötigen Sie aber unbedingt eine Dampfsperre, die den Boden vor Feuchtigkeit schützt, und eine Trittschallisolation – falls sie noch nicht vorhanden sind. Beides gibt es auch in Kombination zu kaufen. Damit die Plättli Platz zum „Arbeiten“ haben, unbedingt am Rand 5 Millimeter (mit Distanzklötzchen arbeiten) frei lassen. Das erleichtert auch das Anbringen einer Staubleiste.

Tipp: Ob Klickböden oder Fliesen, Sie sollten keinen neuen Bodenbelag auf Teppich legen, denn dieser ist zu instabil. So verbiegen sich etwa die Klickverbindungen oder die Fliesen sacken ab.

Eine junge Frau verlegt fertig gekaufte Klick-Platten am Boden.

Klickparkett verlegen ist keine Hexerei – und so wird der Boden zum eigenen Projekt.

4. Täfern: Dachstock selber ausbauen

Der Ausbau eines Dachstockes ist machbar, aber schon etwas komplizierter. Ausserdem müssen Sie mindestens zu zweit sein. Die Vorarbeiten, die mit Isolation (Dampfsperre) zu tun haben, sollte ein Profi machen, weil Fehler hier ein undichtes Dach bedeuten und es so zu schweren Wasserschäden kommen kann, die kostspielige Reparaturen nach sich ziehen.

Nach der Isolation kommt die Verkleidung – die Holztäfelung. Diese Arbeiten können Sie selbst erledigen, Sie brauchen aber gutes Werkzeug: Ein Elektrotacker und ein Kompressor, um den Tacker mit Pressluft zu versorgen, eine Stich- und eine Kappsäge sowie eine Wasserwaage sind dringend zu empfehlen. Die meisten Werkzeuge können Sie in einem Baumarkt mieten. Ausserdem ist eine Art Podest empfehlenswert, weil eine Leiter auf Dauer mühsam und unter Umständen gefährlich ist.

Tipp: Stellen Sie mithilfe einer Wasserwaage sicher, dass der Rost, also das Vorgestell, auf dem die Täfer angenagelt werden, präzise hängt. Passieren hier Fehler, sind sie schwer wieder auszumerzen. Mit Geduld und etwas Erfahrung bei der Holzverarbeitung lässt sich so der Dachstock zumindest teilweise selbst ausbauen.

5. Regale selber bauen

Aufbewahrungsmöbel lassen sich problemlos selber zimmern. Wer noch unsicher ist, beginnt vorzugsweise mit dem Regal für die Abstellkammer, dort fällt das erste Projekt nicht so ins Auge. Auch kleinere offene Regale wie ein Schuhgestell für den Keller kann man ohne viel Aufwand selber bauen.

Für die Regale verwenden Sie am besten bereits zugeschnittenes Holz – machen Sie sich also bereits vor Baubeginn einen Plan von Menge und Grösse der Holzlatten. Grössere Baumärkte (z.B. Coop) bieten einen Holzzuschneideservice an. Wenn Sie vorhaben, das Möbel in Ihrer Wunschfarbe zu streichen, kaufen Sie unbeschichtetes Holz.

Lieber kein DIY: Arbeiten für den Profi

Wenn Sie selber keine Fachperson sind, sollten Sie gewisse Arbeiten nicht in Eigenregie durchführen. Im Folgenden finden Sie eine Liste von Tätigkeiten, bei denen ein Profi zumindest helfen sollte:

  • Wenn Sie Innenwände durchbrechen wollten, fragen Sie zuerst einen Baustatiker um Rat. Das Gleiche gilt für Aussenwände.
  • Auch bei sanitären Arbeiten ist Vorsicht geboten: Eine winzige undichte Stelle kann über Jahre hinweg Schaden anrichten, bevor man ihn bemerkt.
  • Arbeiten am Dach, die über das Ersetzen von kaputten Ziegeln hinausgehen, sind Profiaufgaben.
  • Elektrische Installationen sollte man ebenfalls nur durchführen, wenn man eine Ahnung von der Materie und vor allem professionelles Werkzeug hat.
Ein junger Mann mit Pamir und Mundschutz verlegt Bodenkeramik.

Bei allen lärmigen und staubigen Arbeiten empfehlen sich entsprechende Schutzmassnahmen.

Rat und Hilfe: Hier finden Sie DIY-Unterstützung

Wenn Sie Rat benötigen, gibt es viele Möglichkeiten – vom einfachen Youtube-Video bis zum mehrtägigen Profikurs. Lehrreich sind alle.

1. Hilfe via YouTube

Nicht unterschätzen: Youtube ist eine grossartige und kostenlose Informationsquelle, wenn es darum geht, sich Ratschläge und praktische Anleitungen zu holen. Es lohnt sich, mehrere Videos zum selben Thema anzusehen, um einen Überblick zu bekommen. So erkennen Sie, wenn Arbeitsschritte sinnlos oder nicht korrekt sind, weil alle anderen Videos eine andere und hoffentlich identische Version präsentieren.

Tipp: Suchen Sie unbedingt auch nach Videos aus Deutschland und den USA. Diese beiden Ländern haben eine höhere Affinität zu DIY als die Schweiz. Und auch einfach mehr Heimwerker.

2. Migros Klubschule

Lampen korrekt anschliessen, ein verstopftes Siphon säubern, in gemauerte Wände dübeln: Das alles können Sie am eintägigen Kurs der Migros Klubschule lernen. Der Kurs findet in verschiedenen Schweizer Städten statt und kostet je nach Gruppengrösse 180 bis 240 Franken.

3. Kurse in Baumärkten

Viele grössere Baumärkte bieten regelmässig Do-it-yourself-Kurse zu diversen Themen an. Bei Obi gibt es auch Kurse speziell für Frauen.

4. Hausinfo.ch

Das Teamwork der Berner Gebäudeversicherung BGV und des Hauseigentümerverbands HEV heisst hausinfo.ch. In diversen Anleitungen erfahren Sie viel Nützliches für die Arbeit am und im Haus.

Im Zweifel den Handwerker rufen

Internetportale wie Houzy bringen Handwerker und Auftraggeberinnen zusammen: Sie geben eine Anfrage ein und erhalten mehrere unabhängige Offerten für alles, was Sie nicht selber angehen möchten. Mit etwas Glück finden Sie auch auf dem Portal Rent a Rentner einen pensionierten Profi, der Ihnen für vergleichsweise wenig Geld hilft – so können Sie mitarbeiten, sind aber nicht allein.

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