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Schimmel: vorbeugen, bekämpfen, Expertentipps

Susanne Loacker

Schimmel im Haus oder in der Wohnung ist gefährlich. Warum das so ist, wie er entsteht, wie Sie vorbeugen und was Sie gegen die Ausbreitung tun können, erfahren Sie hier.

Das Bild zeigt eine Wand, die sehr stark von Schimmel befallen ist.
© Getty Images / Ekspansio

In diesem Artikel

Was macht Schimmel so gefährlich?

Schimmelsporen im Haus sind giftig und gefährlich für uns Menschen. Sie können zu Atemwegserkrankungen und Allergien beim Menschen führen, bei Kleinkindern erhöht er laut einer finnischen Studie das Risiko, an Asthma und Allergien zu erkranken, um das Dreifache. Aber was macht Schimmel so gefährlich? Und was sind die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Arten?

Bei Schimmel gilt: Die Menge macht das Gift. Schimmelsporen begegnen uns überall – etwa im verrottenden Laub oder in Müllcontainern. Gefährlich werden sie erst in erhöhter Konzentration und bei mangelnder Luftzirkulation. Denn einige Schimmelsporen können sich in der Lunge ansetzen und dort zu schweren Atemwegserkrankungen führen. Deshalb sollten Sie bei den ersten Anzeichen nicht lange warten, sondern den Schimmel sofort entfernen.

Welche Arten von Schimmel gibt es im Wohnraum?

Laut Experten gibt es weit über 250 000 Arten von Schimmel – in der Wohnung finden wir aber meist grünen oder schwarzen Schimmel. Beide Arten sind gefährlich für den Menschen, lassen sich aber schnell identifizieren. Schwarzer Schimmel hinterlässt die typischen schwarzen Schimmelpunkte an den Wänden, grüner Schimmel bildet sich meist in Feuchträumen, etwa in Fugen von Badezimmerfliesen. Gelber Schimmel in Polstermöbeln und roter Schimmel in Papiertapete treten hierzulande eher selten auf. Weisser Schimmel kommt ebenfalls in Wohnräumen vor. Das Tückische: Er wird meist erst recht spät entdeckt. Ein Indiz für weissen Schimmel ist der typische Modergeruch von feuchten Kellern. Aber wie entsteht Schimmel im Haus eigentlich?

Schimmelsporen im Haus: Wie und wo entsteht Schimmel?

Da Schimmelsporen durch die Luft weitertransportiert werden, sind sie auch in Gebäuden praktisch allgegenwärtig. Wie bei jeder grundsätzlich ungesunden Substanz macht auch beim Schimmel die Menge das Gift.

Ob Schimmel in einem Haus oder einer Wohnung wächst, hängt stark vom Verhalten der Bewohner ab – aber auch von den baulichen Gegebenheiten. Die häufigsten Ursachen für Schimmel im Haus sind:

  • falsches Lüften oder Heizen
  • Baumängel
  • Risse im Mauerwerk
  • aus dem Keller aufsteigende Feuchtigkeit
  • Schäden an Wasserleitungen

Bei Neubauten kann sich Schimmel dann bilden, wenn die Trocknungszeit der Baustoffe nicht eingehalten wird und nachträglich Feuchtigkeit frei wird. Deshalb ist es bei Neubauten ratsam, mit einem Gutachter immer wieder die einzelnen Bauabschnitte zu kontrollieren.

Auch Kondenswasser begünstigt Schimmel. Deshalb sind auch Badezimmer sehr häufig von dem schädlichen Pilz befallen, denn beim Duschen entsteht sehr viel Wasserdampf. Ebenfalls häufig befallen sind Schlafzimmer, da die Körperausdünstungen in der Nacht eine hohe Luftfeuchtigkeit im Raum bewirken.

Erstes Indiz für einen Schimmelbefall ist ein muffiger, feuchter Geruch. Ein stärkerer Befall zeigt sich in den typischen dunklen Flecken an den Wänden. Aber wie werde ich den Pilz wieder los? Oder noch besser: Wie beuge ich dem Befall rechtzeitig vor? Die wichtigsten Massnahmen erfahren Sie im Folgenden.

Das Bild zeigt erste Schimmelflecken an einer Badzimmerdecke.

Von Anfang an richtig behandeln: Sogenannte Stockflecken im Bad lassen sich noch selber entfernen.

Schimmel vorbeugen: richtig lüften und heizen

Die einfachste Methode, die eigenen vier Wände schimmelfrei zu halten, ist das richtige Heiz- und Lüftverhalten. Denn allein durch unseren Atem reichern wir die Luft in Haus und Wohnung mit Feuchtigkeit an. Kommen dann noch Kochdämpfe aus der Küche oder Wasserdampf aus dem Badezimmer hinzu, übersteigt die Luft in den Räumen schnell die ideale Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent. Dann ist ein Luftaustausch nötig: Übersättigte feuchte Luft muss raus, frische, trockenere Luft muss rein.

Im Sommer können Sie gerne auch öfter und länger lüften, im Winter sollten Sie sich aufs Stosslüften beschränken: also Fenster ganz auf und fünf bis zehn Minuten kalte Luft hereinlassen. Idealerweise können Sie gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnen, um einen Durchzug zu erzeugen, der die Luft noch schneller austauscht. Diesen Vorgang wiederholen Sie drei- bis viermal am Tag. Wichtig ist, dass Sie nicht zu lange lüften, damit das Mauerwerk nicht auskühlt. Denn auch dann droht Schimmelbefall.

Dass die Heizung beim Lüften ausgeschaltet sein sollte, erklärt sich von selbst. Davor und danach sollte sie im Winter jedoch zumindest auf niedriger Stufe eingeschaltet sein. Im Winter empfiehlt es sich auch nachts, den Wohnraum auf mindestens 16 Grad zu heizen – das entspricht Stufe 2 des Heizungsreglers.

Im Badezimmer und im Hauswirtschaftsraum kann sich zusätzlich ein Luftentfeuchter lohnen. Dieser entzieht der Luft zusätzlich Feuchtigkeit, wenn regelmässiges Lüften nicht ausreicht. Noch mehr Informationen zum richtigen Heizen und Lüften des Badezimmers finden Sie in unserem Beitrag «Badezimmer heizen».

Auch der Keller sollte im Winter regelmässig gelüftet werden. Ist Ihr Keller gedämmt, lohnt es sich auch, über eine Heizung darin nachzudenken. So vermeiden Sie die Auskühlung des Kellers – und der darüber liegenden Räume. Wie Sie Ihren Keller richtig heizen und lüften, lesen Sie in unserem Beitrag «Keller heizen».

Tipp: Im Sommer sollten Sie die Kellerfenster geschlossen halten, da sich sonst an den Wänden Kondenswasser bildet, das noch zur Schimmelbildung beiträgt.

Schimmel bekämpfen

Wer regelmässig wiederkehrenden Schimmel vorfindet oder grossflächigen Befall feststellt, sollte sich an eine Fachfirma wenden. Diese beseitigt nicht nur den Schimmel, sondern prüft auch, ob bauliche Mängel zur Schimmelbildung führen. Gegen lokalen Befall und sogenannten Oberflächenschimmel, etwa in Badezimmerfugen, helfen Mittel aus der Apotheke oder dem Baumarkt – oder Hausmittel, die sowieso jeder zu Hause hat.

Alkohol

Oberflächenschimmel, etwa auf Wänden oder Fenstern, entfernen Sie mit einem feuchten Tuch. Anschliessend wischen Sie die Stelle mit Brennsprit (Ethylalkohol) oder mit Isopropylalkohol ab. Das Aufsprühen des Alkohols ist nicht sinnvoll, denn so verdunstet er, bevor er auf der Wand ankommt. Der Alkohol desinfiziert den Bereich und tötet so alle Organismen ab – inklusive des Schimmelpilzes. Alkohol ist übrigens auch das Mittel der Wahl für den Schimmelexperten Elian Bertschi (siehe unten).

Chlor oder Wasserstoffperoxid

Eine ähnliche Wirkung erzielen Sie mit Reinigern, die Chlor oder Wasserstoffperoxid enthalten. Diese Mittel sollten Sie aber nur mit Atemschutzmaske und in Räumen verwenden, die Sie gut lüften können. Denn die Dämpfe der Mittel sind giftig. Ausserdem hinterlassen sie unschöne Bleichflecken auf Stoffen, deshalb sollten Sie Schutzkleidung tragen und Möbelstücke schützen. Zudem sind die Mittel schlecht für die Umwelt. Es bleibt also fraglich, ob diese Substanzen Ihre Mittel der Wahl sind – der Experte rät übrigens davon ab (siehe unten).

Teebaumöl

Teebaumöl aus der Drogerie ist ebenfalls wirksam gegen Schimmel. Hierzu mischen Sie das Teebaumöl mit Wasser (40 Milliliter Teebaumöl auf einen Liter Wasser). Ein Esslöffel Flüssigseife in der Mischung hilft dem Öl dabei, sich mit dem Wasser zu verbinden. Mit einem Schwamm oder einer Sprühflasche tragen Sie die Mischung auf den befallenen Stellen auf. Das Hausmittel ist sehr wirksam im Kampf gegen Schimmel und die Schimmelsporen, hat aber einen sehr starken Geruch, der erst nach einigen Tagen langsam verfliegt.

Natronpulver

Auch Natronpulver, das man mit Wasser zu einer dicken Paste anrührt, ist ein bewährtes und günstiges Mittel gegen Schimmel. Aufstreichen, über Nacht einwirken lassen, abwischen. Die antibakterielle Wirkung von Natron tötet den Schimmel und dessen Sporen zuverlässig ab. Vorsichtig sollten Sie jedoch bei Marmorfliesen sein, denn Natron greift das Material an. Auch bei Steinzeugfliesen, die nicht lackiert und deshalb offenporig sind, lieber nicht mit Natron arbeiten.

Föhn

Schimmel ist ein Lebewesen. Deshalb hat er Mühe mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und mit grosser Hitze. Eine Wand über Nacht ins Gefrierfach legen geht schlecht, aber ein Föhn lässt sich im Kampf gegen Schimmel einsetzen – je heisser, desto besser. Also lieber einen Heissluftföhn aus dem Baumarkt verwenden und nicht den kleinen Reise-Haarföhn. Die Behandlung regelmässig und mindestens 4 bis 5 Minuten lang wiederholen, auch wenn an der Stelle noch kein neuer Schimmel sichtbar ist.

Minerale und saure Farben

Längerfristig hilft entweder eine Borax-Lösung (aus dem Mineral, das man auch als Tinkal kennt), oder eine alkalische, also basische Farbe. Das kann eine Silikatfarbe, eine Kalkfarbe oder eine Mineralfarbe sein. Achten Sie aber beim Kauf darauf, dass keine organischen Harze enthalten sind. Solche Harze werden oft als Bindemittel in Dispersionsfarben eingesetzt; deshalb eignet sich Dispersion nicht für Stellen, die zu Schimmelbefall neigen. Besteht der bisherige Anstrich aus Dispersion, schleifen Sie die Oberfläche vor dem Neuanstrich an.

Das Bild zeigt einen Mann, der mit einem Schimmel-Spray zugange ist. Er trägt eine Schutzmaske.

Wenn Sie Schimmel selber mit chemischen Mitteln bekämpfen, müssen Sie Ihre Atemwege schützen.

Vier Fragen an den Profi

Elian Bertschi ist stellvertretender Geschäftsführer der Firma Dobler-Bautenschutz, die auf Schimmelschutz spezialisiert ist. Der Patron der Firma, Franz Dobler, ist gerichtlich zugelassener Gutachter für Schimmelpilz.

Wie häufig ist Schimmel in Schweizer Häusern und Wohnungen?

«Sehr häufig.»

Welches sind die häufigsten Ursachen?

«Oft wird zu schnell gebaut, sodass die Materialien nicht richtig trocknen können. Recht häufig sind aber auch nachträgliche Wasserschäden und falsches Einrichten – wenn Leute zum Beispiel grosse Möbel zu nah an den Aussenwänden aufstellen.»

Gibt es eine Faustregel, bis zu welcher Grösse man Schimmel selber bekämpfen kann, bevor der Profi ran muss?

«Ich würde sagen: bis zu einer Handfläche.»

Welches ist für solche kleineren Flächen Ihr Mittel der Wahl?

«Hochprozentiges Ethanol. Viele Leute verwenden Javelwasser (also Chlor, Anm. d. Red) – und sind sich nicht bewusst, dass sie damit noch mehr Gift in ihre Wohnung oder ihr Haus holen.»

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