Bauen und Kaufen

Ruhe und Aussicht in den Hügeln des Malcantone

Adrian Bosshard

Vor 26 Jahren verliess die heute 55 Jahre alte Nora ihr idyllisches Tessiner Heimatdorf am Lago di Lugano, wo sie aufgewachsen ist. Vor einigen Jahren kehrte sie zurück – und lebt heute mit Trüffelhündin Lola in ihrem eigenen restaurierten Tessinerhaus.

Nora sitzt auf ihrer Terrasse mit Blick auf die Berghänge des Malcantone. Unter Ihrem Stuhl liegt ihre Hundedame Lola.
© Natascha Vavrina

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Zurück zu den Wurzeln

Der Liebe wegen zog Nora mit 29 Jahren auf die andere Seite des Gotthards. Vier Jahre später kam Töchterchen Sara zur Welt und die Familie fand ein Zuhause am Vierwaldstättersee im Kanton Nidwalden. 2008 trennte sich das Ehepaar – und obwohl Nora das Leben in Nidwalden und in der Deutschschweiz im Allgemeinen gut gefiel, entschied sie dennoch, mit ihrer Tochter an den Lago di Lugano und die sanften Hügel des Malcantone zurückzukehren.

Im Dörfchen Vernate, unweit von ihrem heutigen Wohnort im Alto Malcantone, ist Nora aufgewachsen. Der Malcantone im Hinterland von Lugano ist eine sanft geschwungene und dicht bewachsene Hügellandschaft, die sich von Agno am Luganer See bis zum Monte Lema hinaufzieht. Es heisst, der Name «Mal Cantone» – «Schlechter Kanton» – käme daher, dass hier früher häufig Verbrechen geschahen und die abgelegene Gegend den Räubern und Schmugglern als Versteck diente.

Heute ist der Malcantone vor allem bekannt für seine malerischen Dörfer, die prächtigen Aussichten auf den Luganer See und die dichten Kastanienwälder. Hier sucht Nora mit ihrer fünfjährigen Hundedame liebend gerne Trüffel. So richtig ergiebig ist Lolas Trüffelsuche allerdings selten – es gibt im Tessin schlichtweg zu wenige der kostbaren Pilze. Trotzdem streifen die beiden gerne durch die Wälder, die Dörfer und über die Hügel ihrer Heimat.

Nora und Hund Lola spazieren durch eine Gasse eines Tessiner Dörfchens mit alten Mauern und Rundbögen.

Sanfte Hügel und malerischer Dörfer prägen den Malcantone bei Lugano.

Von der Bauruine zum Bijou

Zurück im Malcantone begann Nora, sich nach einem für sie bezahlbaren Häuschen umzuschauen. Sie brauchte etwas Geduld, bis es 2015 endlich soweit war. Ein guter Freund war bereit, ihr ein Haus im Alto Malcantone mit Blick über den Luganer See zu verkaufen. «Es war eine Bruchbude, in der man unmöglich wohnen konnte», erzählt Nora lachend. Dafür verfügte das Haus über einen kleinen Garten und eine wunderbare Aussicht, deren grosses Potenzial Nora sofort erkannte.

Von dem heruntergekommenen Haus von damals ist heute nichts mehr zu sehen. Nora lebt in einem wahren Bijou auf 170 Quadratmetern, die auf drei Stockwerken verteilt sind. Im ersten Stock – über dem Eingang und dem grossen Kellergewölbe im Erdgeschoss – befindet sich ein wunderschönes, 60 Quadratmeter grosses Zimmer inklusive Bad und einem Balkon mit prächtiger Aussicht.

Ein grosses Wohnzimmer mit altem Kamin und eine moderne Küche nehmen den gesamten zweiten Stock ein. Nora liebt es, am Abend auf dem Balkon davor ein Glas Wein zu trinken und über die ins goldene Abendlicht getauchte Landschaft zu blicken. Zuoberst befindet sich eine helle Mansarde mit kleinem Bad und grossen Panoramafenstern. Es ist immer noch das Zimmer von Tochter Sara, die heute in Zürich studiert und lebt – aber Mama Nora oft im Malcantone besucht.

Ein Bett steht in einem grossen Zimmer mit bodentiefen Fenstern, durch die man den Wald und den See sieht.

Noras Schlafzimmer bietet einen Panoramablick auf den See – eine unbezahlbare Aussicht.

Im Vordergrund steht eine helle Wohnlandschaft, im Hintergrund sind ein Essbereich und bodentiefe Fenster zu sehen.

Warme Farben, Holzboden und viel natürliches Licht: Der Wohn- und Essbereich des Hauses lädt zum Verweilen ein.

Ursprüngliches sichtbar machen

Der besondere Charme, den Noras Zuhause ausstrahlt, ergibt sich vor allem durch die gelungene Verbindung von Alt und Neu. Nach dem Kauf strukturierte Nora den Grundriss des Hauses völlig um. Wo es möglich war, erhielt Nora die bestehende Substanz. Gut erkennbar wird dies am historischen Mauerwerk, das an einer Wand im ganzen Haus sichtbar ist. Die Arbeiten dazu waren nicht ganz einfach. Die sichtbaren Mauersteine mussten zuerst freigelegt, vom alten Putz befreit und mit einem speziellen Restaurationsmörtel komplett neu verfugt werden.

Nora sitzt mit ihrem Hund auf der offenen Treppe, die vor einer unverputzten historischen Mauer ins obere Stockwerk führt.

Bei einer Wand liess Nora das historische Mauerwerk freilegen, was dem Haus einen besonderen Charme verleiht.

Bei der Inneneinrichtung setzt sich die Mischung von historischen und modernen Elementen harmonisch fort. Nora kombiniert geschickt alte Holzmöbel mit zeitgemässen, qualitativ hochwertigen Einrichtungselementen aus hauptsächlich Schweizer Fabrikation. Auch den historischen Kamin konnte sie erhalten, obwohl die Instandsetzung wegen der strengen Brandschutzauflagen eine ordentliche Summe Geld kostete. Eine Investition, die sich aber mehr als gelohnt hat in Anbetracht der unzähligen schönen Stunden, die Nora vor dem Kaminfeuer geniesst.

Wohnzimmer mit Sofaecke und historischem Kamin im Hintergrund

Harmonische Verbindung von alt und neu im Wohnzimmer mit dem historischen Kamin.

Selbst ist die Frau

Als Nora im September 2015 ihr Haus beziehen konnte, war alles genau so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Das kam aber nicht von ungefähr. «Wenn ich auf die Architekten gehört hätte, weiss ich nicht, was aus dem Haus geworden wäre», erzählt Nora kopfschüttelnd. «Immer hiess es, das gehe nicht.» So wurde ihr davon abgeraten, die Mauern unverputzt sichtbar werden zu lassen, und ursprüngliche Materialien wie Holz und Stein sollten komplett verschwinden.

«Am Schluss habe ich dann einfach alles selber entschieden.» Nora nahm das Heft in die Hand und bestimmte mit dem Bauleiter und den Handwerkern den gesamten Ausbau selber – von der Raumaufteilung bis zur Materialauswahl. Es hat sich gelohnt, wenn man sieht, wie gelungen die harmonische Kombination zwischen alten, authentischen Elementen und moderner Architektur ist, die dem Haus seinen ganz besonderen Charme verleiht.

Moderne weisse Küche mit sichtbar altem Mauerwerk über dem Spülbecken

Die gelungene Kombination von historischen und modernen Elementen sorgen auch in der Küche für viel Charme.

«Als ich das Haus das erste Mal fertig erlebt habe, war ich erleichtert», erinnert sich Nora. «Restaurierungsarbeiten sind oft sehr schwierig und aufwendig bei Häusern wie diesem, die mehrere Hundert Jahre alt sind.» Denn trotz des umfassenden Umbaus blieben die Kosten im geplanten Rahmen.

Vor dem Hauskauf hätte Nora nie gedacht, dass sie sich ein Haus würde leisten können. Erst als sie sich näher mit dem Thema zu befassen begann, stellte sie fest, dass ihr Traum vom eigenen Haus am See doch real werden könnte. Denn sie schloss eine Hypothek ab, die sehr viel unkomplizierter und günstiger war, als sie gedacht hatte. So konnte sie an den Ort zurückkehren, an dem sie aufgewachsen ist.

Im Garten bückt sich Nora zu ihrer Hündin Lola hinunter.

Nora und Hündin Lola im verwunschenen Garten des Tessinerhauses.

Treffpunkt Gartensitzplatz

Ein Haus voller Charme mit wunderbarer Aussicht, ausgezeichnete Luft und eine herrliche Ruhe: Nora geniesst ihr Leben im Alto Malcantone. Das Wichtigste sind ihr aber die sehr guten Freunde, die sie hier hat. Manche kennt sie schon ihr Leben lang. Sie spielte bereits mit ihnen, als sie im Kindesalter viel Zeit bei ihren Grosseltern verbrachte, die damals hier im Dorf lebten. Sie schätzt aber auch neue Bekanntschaften wie ihre Basler Nachbarn, mit denen sie den gemeinsamen Garten teilt.

In den warmen Jahreszeiten wird der Gartensitzplatz, wo schon viele gemeinsame Sommerfeste gefeiert wurden, zum Treffpunkt von Noras Freundeskreis. Ganz sicher wird Nora in ihrem Bijou im Alto Malcantone noch zahlreiche schöne Stunden verbringen – gemeinsam mit der treuen Lola, ihrer Tochter Sara oder den guten Freunden, die sie hier im Dorf hat.

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