Hinter einem Vertikutierer ist die angeritzte Grasnarbe deutlich zu sehen.
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Garten

Rasen vertikutieren: So machen Sie es richtig

Arne Schätzle

„Vertikutieren, Ja oder Nein?“ Vor dieser Frage stehen alljährlich viele Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner. Und wie oft muss der Vertikutierer eingesetzt werden? Wir verraten Ihnen, wie das Vertikutieren funktioniert, wie Ihr Rasen davon profitiert, wenn Sie ihn ein- bis zweimal im Jahr vertikutieren – und was eventuell dagegenspricht.

In diesem Artikel

Wie funktioniert das Vertikutieren?

Der Vertikutierer ritzt die Grasnarbe der Rasenfläche an und lockert so Mulch, Rasenfilz und Moos. Diese entfernen Sie anschliessend mit dem Rechen. So bleiben die Graswurzeln verschont, Sie fördern die Belüftung des Rasens und regen sein Wachstum an. Im Handel erhalten Sie Vertikutierer in verschiedenen Ausführungen, sei es elektrisch, mit Benzin oder per Hand betrieben (siehe unten). Alternativ lässt sich ein Vertikutierer auch im Fachhandel oder im Baumarkt ausleihen.

Ihre Checkliste: Das brauchen Sie zum Vertikutieren

  • Vertikutierer
  • Dünger (spätestens zwei Wochen vor dem Vertikutieren)
  • Rechen, um Rasenfilz und andere Rückstände von der Fläche zu entfernen
  • Rasensaat, um kahle Stellen nachzusäen
  • Bausand, um den Boden aufzulockern (bei schweren, lehmhaltigen Böden)

Die Vorteile des Vertikutierens

Das Vertikutieren des Rasens hat einige positive Aspekte:

  • befreit den Boden von Moos und Rasenfilz
  • lockert den Boden auf
  • fördert so die Belüftung des Bodens
  • macht den Rasen belastbarer
  • sorgt dafür, dass das Regenwasser gut abfliessen kann

Die Nachteile des Vertikutierens

Daneben sind auch einige Nachteile zu bedenken:

  • vertikutierte Flächen brauchen viel Wasser, sonst trocknen sie schnell aus
  • das Einritzen der Grasnarbe stresst den Rasen
  • der Rasen benötigt Zeit, um sich vom Eingriff zu erholen
  • beim Vertikutieren entstehen kahle Stellen, die häufig von Unkräutern besiedelt werden
  • Vertikutieren beeinträchtigt das Bodenleben unter der Grasnarbe, da es den Filz komplett entfernt, von dem sich Bakterien, Pilze, Tausendfüssler und Regenwürmer ernähren

Rasen vertikutieren: So pflegen Sie Ihren Rasen richtig

Warum soll man seine Grünfläche überhaupt vertikutieren? Klee, Rasenfilz oder Staunässe – so lässt sich der Rasen richtig pflegen:

1. Gräser, Klee und Kräuter

Die oberste Bodenschicht, Grasnarbe genannt, ist von Gräsern, Klee und verschiedenen Kräuterarten durchzogen. Je stärker dies passiert, desto weniger Nährstoffe, weniger Licht und weniger Sauerstoff kommen bei den Rasenwurzeln an.

2. Rasenfilz

Bedingt durch den Vegetationszyklus von Pflanzen bleiben abgestorbene Teile auf dem Rasen liegen – das kann zum sogenannten Rasenfilz führen. Am anfälligsten für Rasenfilz sind schwere, lehmige Böden und schattige Rasenflächen.

3. Rasenschnitt

Beim Mähen landet nicht immer aller Rasenschnitt im Rasenmäher. So mancher Halm bleibt auf dem Rasen liegen und schluckt Licht und Sauerstoff – beides fehlt dem Gras anschliessend.

4. Staunässe

Ist die Grasnarbe in Ihrem Garten zugesetzt, gelangt auch weniger Wasser in den Boden und an die Graswurzeln – es entsteht Staunässe. Auch das können Sie durch das Vertikutieren beheben, sodass überschüssiges Wasser wieder ungehindert in die Erde sickert.

5. Atemnot

Mit einem Vertikutierer ritzen Sie die Grasnarbe mit vertikalen Schnitten an und lockern so den Rasen auf. Dadurch wird der Boden besser gelüftet und die Gräser werden bis in die Wurzeln besser mit Sauerstoff versorgt.

Rasenfläche nach dem Vertikutieren mit eingeritzter Grasnarbe.

Beim Vertikutieren bewegen Sie das Gerät in Längs- und in Querbahnen über die Rasenfläche, sodass ein Schachbrettmuster entsteht.

Rasen vertikutieren: Mit welchem Gerät gelingt es am besten?

Es gibt Vertikutierer in verschiedenen Ausführungen: elektrisch, mit Benzin oder per Hand betrieben. Aber welcher Vertikutierer ist für Sie am besten geeignet?

Elektrovertikutierer haben den Nachteil, dass das Stromkabel bei der Rasenpflege immer mal wieder im Weg herumliegt. Bei kleinen Gärten fällt dieses Handicap nicht allzu sehr ins Gewicht, da der Vertikutierer höchstens zweimal im Jahr zum Einsatz kommt. Dennoch: Abhilfe schafft hier ein Akkuvertikutierer, der Sie von der lästigen Leitung befreit.

Manche Elektrovertikutierer sind sehr leicht und bringen auf hartem Gelände nicht den nötigen Druck auf, damit die Messer in die Grasnarbe eindringen können. In diesem Fall beschweren Sie das Gerät beispielsweise mit einem Sack Blumenerde.

Benzinvertikutierer bringen schon aufgrund des Motors mehr Gewicht auf die Waage, daher müssen Sie diese Modelle nicht extra beschweren, um die Messer ausreichend tief in die Grasnarbe schneiden zu lassen.

Auch auf das Stromkabel müssen Sie nicht achten. Dafür sind Benzinvertikutierer aber deutlich teurer: Ab circa 400 Franken erhalten Sie im Handel ein gutes Exemplar. Einen Elektrovertikutierer mit Stromkabel bekommen Sie bereits ab 100 Franken, Akkumodelle liegen preislich ungefähr in der Mitte (circa 200 Franken).

Und dann gibt es noch die günstigen Handvertikutierer für rund 60 Franken. Diese Modelle eignen sich nur für kleine Rasenflächen, die nicht allzu sehr von Moos und Rasenfilz durchdrungen sind. Denn für die Arbeit mit dem Handvertikutierer müssen Sie viel Kraft aufwenden – insbesondere auf harten Böden kann das sehr anstrengend werden.

Rasen vertikutieren: So geht es

Schritt 1: den richtigen Zeitpunkt finden

Beim Vertikutieren gilt es einiges zu beachten, damit die Methode auch wirklich Früchte trägt. Vor allem der richtige Zeitpunkt ist wichtig, denn wer sich zu früh im Jahr an die Arbeit macht, riskiert, dass der Rasen vom Winter noch zu sehr geschwächt ist.

Daher sollten die Temperaturen nachts möglichst nicht unter 5 Grad liegen. Viele Sonnenstunden und Temperaturen über 15 Grad am Tag helfen dem Rasen beim Wachstum. Viele Gärtnerinnen und Gärtner beginnen spätestens im Mai mit dem Vertikutieren, dann sollten die idealen Voraussetzungen gegeben sein.

Aber auch später im Jahr liefert das Wetter alle nötigen Voraussetzungen. Und wenn Sie den Rasen vor dem Winter noch einmal von Moos und Rasenfilz befreien, hat er es in der mageren Jahreszeit etwas leichter, Nährstoffe aufzunehmen. Am besten eignet sich der Oktober zum Vertikutieren, danach ist die Gefahr zu gross ist, dass der Rasen sich vor Wintereinbruch nicht mehr erholt. Nur den Hochsommer sollten Sie meiden, denn dann ist der Rasen bereits strapaziert genug.

Zweimal im Jahr zu vertikutieren kann dann sinnvoll sein, wenn Boden und Rasen über einen längeren Zeitraum vernachlässigt wurden. Beispielsweise, wenn eine Immobilie samt Garten vor einem Verkauf länger leer gestanden hat. Dann brauchen Sie wahrscheinlich mehrere Durchgänge, um abgestorbene Gräser, altes Laub, alten Rückschnitt und Moos zu entfernen.

Vor einem Rechen liegt ein Haufen Rasenfilz.

Nach dem Vertikutieren entfernen Sie mit einem Rechen den gelockerten Rasenfilz.

Schritt 2: Rasen befreien

Zur Vorbereitung machen Sie den Rasen erst einmal richtig frei: Blätter, Zweige, Tannenzapfen – sammeln Sie alles auf. Auch von Deko-Gegenständen oder Gartenmöbeln befreien Sie Ihren Rasen vor dem Vertikutieren. So gewährleisten Sie, dass Sie später ohne weiteren Aufwand die komplette Rasenfläche bearbeiten können.

Schritt 3: Rasen düngen

Wenn der Rasen nach dem Winter noch geschwächt ist, gibt eine Düngung der Rasenfläche dem Boden wichtige Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium zurück. So versorgen Sie die Rasenpflanzen optimal mit den Nährstoffen, die nötig sind, damit Ihr Rasen nach dem Vertikutieren stark genug ist, um zu wachsen und sich wieder auszubreiten. Idealerweise düngen Sie im Februar oder März, spätestens aber zwei Wochen vor dem Vertikutieren.

Schritt 4: Rasen mähen

Kurz vor dem Vertikutieren mähen Sie Ihren Rasen und kürzen ihn auf zwei Zentimeter Höhe – so erhalten die Gräser einen Wachstumsanreiz.

Schritt 5: Rasen vertikutieren

Zum Vertikutieren sollte der Rasen trocken sein. Stellen Sie die Vertikutierhöhe am Gerät so ein, dass die Messer die Grasnarbe rund zwei bis drei Millimeter tief einritzen. Fahren Sie mit dem Gerät zügig über die Fläche und bleiben Sie nicht zu lange an einer Stelle stehen, sonst wird die Grasnarbe zu stark bearbeitet und so geschädigt. Bewegen Sie das Gerät in Längs- und dann in Querbahnen über die Fläche, sodass ein Schachbrettmuster entsteht.

An einer Spindel sieht man mehrere Messer, die beim Vertikutieren den Boden einritzen.

Der Vertikutierer ritzt mit seinen Messern die Grasnarbe zwei bis drei Millimeter ein, um Rasenfilz und Unkraut zu entfernen.

Schritt 6: Vertikutieren nachbereiten

Rechen Sie den gelockerten Rasenfilz gründlich von der Rasenfläche ab. In der Regel entstehen beim Vertikutieren kahle Stellen. Diese säen Sie am besten gleich nach dem Vertikutieren mit frischen Rasensamen nach.

Bei schweren, lehmhaltigen Böden hilft Sand nach dem Vertikutieren: Bestreuen Sie die Rasenfläche in Ihrem Garten nach dem Vertikutieren mit einer etwa zwei Zentimeter dicken Schicht Bausand. Der Sand verbessert die Durchlüftung und die Wasserdurchlässigkeit des Bodens.

Weitere Tipps

  • Einigen Hobbygärtnern genügt Düngen und regelmässiges Mähen, um den Rasen in Schuss zu halten. Ist der Boden locker und bekommt die Fläche genügend Sonnenlicht und Wasser, kann es sein, dass Sie ohne Vertikutieren auskommen.
  • ·Wässern weicht die obere Bodenschicht auf und gibt die darin verwurzelten Moose leichter frei. Beim Vertikutieren selbst sollte der Boden aber wieder trocken sein.
  • Bei jungem Rasen sollten Sie erst einmal nicht zum Vertikutierer greifen. Sind die Pflanzen nicht ausreichend fest verwurzelt, ziehen Sie nämlich nicht nur Filz und Moos aus dem Boden, sondern auch die Rasenpflanzen.
  • Sie können den Rasen unmittelbar nach dem Vertikutieren zwar wieder betreten. Um dem gestressten Rasen etwas Zeit zum Erholen zu bieten, verzichten Sie jedoch am besten einige Tage auf eine starke Beanspruchung des Rasens.
  • Auch Rollrasen ist nicht immun gegen Moos und Rasenfilz. Zwar kommt er perfekt aus der Anzucht, aber ab dem zweiten Jahr ist der Einsatz eines Vertikutierers zweckdienlich. Solange sollten Sie allerdings warten, damit die Rasensoden fest verwurzelt sind.
  • In der Regel reichen Vertikutierer nicht direkt bis an Einfassungen und Mauern heran. So bleibt ein circa zehn Zentimeter breiter Streifen Rasen zurück, den Sie mit der Hand bearbeiten müssen.

Fazit: Vertikutieren für einen vitalen und dichten Rasenteppich

Ob und wie oft Sie Ihren Rasen vertikutieren, hängt von vielen Faktoren ab: Wie steht es um den Nährstoffgehalt des Bodens? Bekommt er viel Sonne oder mehr Schatten? Ist der Boden eventuell übersäuert? Oder schwer und lehmhaltig?

Vertikutieren ist eine Stellschraube im Rahmen Ihres ganzjährigen Programms zur Rasenpflege, zu dem regelmässiges Wässern ebenso gehört wie gezieltes Düngen. Behalten Sie Ihren Rasen stets im Auge, um festzustellen, welche Pflege er gerade braucht. Dann steht einem prächtigen, satt-grünen Rasen nichts mehr im Weg.

Weitere wertvolle Hinweise erhalten Sie in unserem grossen Überblicksartikel zum Thema Rasen.

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