Rose-Marie steht am Geländer einer Terrasse, im Hintergrund ist ein terrakottafarbenes Haus mit blauen Fensterläden zu sehen.
© Natascha Vavrina

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Modern und voller Licht: das Winzerhaus von Rose-Marie

Cécile Maurer

Rose-Marie ist 66 Jahre alt. Obwohl sie seit einigen Jahren in Rente ist, hilft sie immer noch als Schulkrankenschwester aus. Auch in ihrem Zuhause am Genfersee ist sie selten allein und geniesst den Trubel: Nebst ihren Kindern und Enkelkindern übernachten Touristen aus der ganzen Welt bei „Mamma“.

Ein typisches Winzerhaus – Liebe auf den zweiten Blick

Von unten, von der Strasse aus, erscheinen die Häuser wenig besonders. Doch nimmt man die Mühe auf sich, die vielen Treppen zu den ehemaligen Winzerhäusern hinaufzusteigen, entdeckt man eine atemberaubende Aussicht und versteckte Gärten. In einem dieser für die Region so typischen Häuser lebt Rose-Marie.

Hier, in einem pittoresken Dorf am Genfersee, sind Rose-Maries Kinder aufgewachsen und hier spielen heute ihre Enkel Brettspiele oder Fangen auf den grosszügigen Terrassen. Es hat allerdings seine Zeit gedauert, bis Rose-Marie sich in das Anwesen verliebte: „Als ich das Haus zum ersten Mal sah, dachte ich ’naja’. Es war düster. Überall dunkle Holzbalken und die kleinen Fenster liessen fast kein Tageslicht durch.“

Die Immobilie gehörte seit Generationen der Familie, doch Rose-Marie, die Licht und offene Räume liebt, war mit dem kleinen dunklen Häuschen unzufrieden. Für sie war klar: Es muss erst einmal grundlegend umgebaut werden. So entstand aus dem alten Winzerhaus ein helles freundliches Familienhaus, wie sie es sich immer gewünscht hatte.

Rose-Marie liest an einem grossen Esstisch auf dem überdachten Teil der Terrasse; im Hintergrund ist ihr Haus zu sehen, im Vordergrund stehen Blumentöpfe und ein Dreirad.

Eine einladende Atmosphäre, freundliche, offene Räume – Rose-Marie liess das Haus der Grossmutter umgestalten.

Ein dunkles Haus verwandelt sich in ein helles Zuhause

Im Erdgeschoss rissen Handwerker die Wände zur Terrasse auf, an deren Stelle wurden grosse Fensterfronten eingebaut. Sie entfernten den grossen, einnehmenden Kamin im Wohnzimmer und verwandelten den Bereich in eine Essecke. „Wir sagen immer, dass wir heute im Kamin zu Abend essen“, sagt Rose-Marie mit einem Schmunzeln.

Blick in das Wohnzimmer von Rose-Marie.

Weisse Wände, weisse Balken: Das Wohnzimmer von Rose-Marie, von der Terrasse aus gesehen.

Auch im ersten Stock wurden die Fenster vergrössert, um die Räume heller zu gestalten. Zusätzlich hat Rose-Marie den gesamten Grundriss verändert: Die Wände der kleinen Zimmer wurden durchbrochen und es entstanden zwei helle Schlafzimmer und ein Badezimmer.

Die Einrichtung ist schlicht und puristisch. „Zu viele Gegenstände machen mich nervös. Ich war schon immer jemand, der lieber spartanisch lebt.“ Aber auf ein Möbelstück wollte sie nicht verzichten: einen moderner Sessel, auf den sie lange gespart hat. Er steht in ihrem Schlafzimmer und bereitet ihr jeden Tag aufs Neue Freude.

In einem weiss gestrichenen Raum steht ein grosses Bett mit einem weiss-blauen Bezug.

Bewusst reduziert gestaltet: Eines der beiden Schlafzimmer im ersten Stock.

Aus dem Kinderzimmer ihres Sohnes ist ein Gästezimmer für Touristen und Durchreisende geworden. Und weil es in den 1970er-Jahren nicht üblich war, mehrere Bäder in einem Einfamilienhaus zu bauen, teilt Rose-Marie ihr Bad heute mit ihren Gästen. Das soll aber nicht immer so bleiben: „Mein nächstes Projekt ist, endlich ein zweites Bad mit Dusche zu bauen.“

Im Gästezimmer stehen zwei Betten nebeneinander, an den beiden Fussenden liegen frische Handtücher.

Zimmer frei: Im Gästezimmer beherbergt Rose-Marie Touristen und Durchreisende.

Ein zusätzliches Dachgeschoss für das alte Haus

Das grösste Bauprojekt war jedoch die Aufstockung des Gebäudes um ein zusätzliches Stockwerk. Hier im Dachgeschoss befand sich zunächst das Schlafzimmer von Rose-Maries Tochter und die Spiel- und TV-Ecke ihrer Kinder. Heute ist dieser helle Bereich mit hohen Decken einer der Lieblingsorte von Rose-Marie.

Hier ist alles weiss – sogar der Boden. Durch die grossen Fenster scheint fast den ganzen Tag die Sonne herein und taucht den Raum so in natürliches Licht. Vor allem in der kalten Jahreszeit hält sich Rose-Marie besonders gerne hier oben auf. Hier liest und schreibt sie oder hört Radio.

Aber das Dachgeschoss ist nicht ihr einziger Lieblingsort im Haus. Im Sommer liebt sie es, in ihrer Küche zu sitzen. Wenn die grossen Türen zur Terrasse offen sind, fühlt es sich an, als lebe sie am Mittelmeer.

Blick auf die Terrasse mit viel Platz für Gäste. Im Mittelpunkt steht ein grosser weisser Sonnenschirm, links steht ein Tisch mit Bank und zwei Stühlen, rechts ist eine Liege zu sehen.

Ein Hauch von Mittelmeer: Die grosse Terrasse von Rose-Marie.

Vintage-Qualität, die Jahrzehnte überlebt

Hier liegt auch der Eingang des Hauses. Und obwohl sich im Winzerhaus von Rose-Maries Familie so viel verändert hat, ist in der Küche, direkt hinter der Terrassentür, seit 1975 alles gleich geblieben: „Damals war alles von so hoher Qualität, dass die Geräte und Möbel Trends und Jahrzehnte überlebt haben.“

Mit einem Lächeln beschreibt Rose-Marie ihre Küche als „vintage“ – alles ist noch original – auch die braunen Plättli. Aber solange es funktioniert, wieso sollte man es auswechseln? Getreu diesem Motto hat Rose-Marie auch das Bad im Vintage-Look aus den 70ern belassen. Damit bilden die alten Nutzräume einen krassen Kontrast zum Wohnbereich, der puristisch und in Weiss erstrahlt.

Von der Küche aus erreicht man über einen langen Gang das Wohnzimmer – mit Essecke statt Kamin. Dahinter gelangt man auf die zweite Terrasse mit Blick auf den Genfersee und das Dorfzentrum.

Rose-Marie steht auf einem Bootssteg, der auf den Genfersee führt.

Nur wenige Gehminuten von Rose-Maries Haus entfernt befindet sich der Genfersee. Ein eigenes Boot ist ihr grosser Traum.

Der Traum vom eigenen Boot

Tagein, tagaus kann Rose-Marie auf den wunderschönen Genfersee blicken – und so wuchs auch ihr Wunsch nach einem eigenen kleinen Boot auf dem See. „Meine neue Hypothek spart mir jeden Monat Geld“, sagt Rose-Marie, „das spare ich für meinen Traum. Ich möchte gerne ein Segelboot kaufen und mit meinen Freunden den See geniessen.“

Ein Projekt über mehrere Jahrzehnte

Daneben sammelte Rose-Marie viele Inspirationen, so beispielsweise von einer bürgerlichen Wohnung in Lausanne, in der sie vor einigen Jahren vorrübergehend wohnte. Die hohen Räume, die grosszügigen Grundrisse und eleganten Stuckaturen begeisterten sie. Als sie heimkehrte, wollte sie zuerst alles erneuern und renovieren. Es dauerte aber nicht lange, und sie verliebte sich erneut in ihre Küche und das Bad aus den 70ern. Dennoch liess sie alles weiss streichen – Holzbalken inklusive.

Das Haus hat sich also immer wieder gewandelt. Was aber nebst dem Bad und der Küche aus den 70ern gleich geblieben ist, ist Rose-Maries Liebe für klare, moderne Linien, für helle Räume und moderne Möbel. Puristisch und schlicht ist das ganze Haus aufs Wesentliche reduziert. Und auch in Zukunft wird Rose-Marie in ihrem Winzerhaus sicherlich noch einige Projekte verwirklichen, so wie sie es in den vergangenen Jahren immer wieder getan hat.

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