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Minergie: der Schweizer Standard für energieeffizientes Bauen

Thomas Bott

Nach dem Minergie-Standard geplante Neubauten oder Modernisierungen bieten eine zertifiziert hohe Energieeffizienz. Dafür verantwortlich sind etwa eine gute Dämmung oder die Eigenproduktion von Strom über eine Photovoltaikanlage. Dabei bietet Minergie Standards in drei Stufen an: Minergie, Minergie-P und Minergie-A. So können Sie sich sicher sein, dass Ihr Haus effizient und nachhaltig ist sowie hohen Komfort bietet. Bei einem möglichen Verkauf des Gebäudes wirkt sich das Zertifikat zudem positiv auf den Verkaufswert aus. Was genau hinter den Standards steckt und was zusätzlich möglich ist, erfahren Sie hier.

Ein modernes Haus in einer bergigen Landschaft.
© Getty Images / Alexandre Zveiger

In diesem Artikel

Minergie: So schlüsselt sich der Standard auf

Nach dem Minergie-Prinzip gebaute Häuser setzen auf eine gute Wärmedämmung und ein ausgeklügeltes Belüftungskonzept. Genauer muss dieses «luftdicht» verschlossen sein. Frische Luft kommt über ein Belüftungssystem ins Gebäude. Die Temperatur ist dabei an den Bedarf angepasst und Filter sorgen für eine durchgängig hohe Luftqualität. Ebenfalls wichtig: Nach Minergie müssen alle Gebäude ohne fossile Energieträger auskommen, was für mehr Nachhaltigkeit sorgt. Die Unterteilung des Standards erfolgt in drei Stufen. Heizung, Dämmung und Lüftung sind dabei immer die zentralen Bestandteile.

Minergie

Das einfache Minergie-Zertifikat stellt die Qualität der Bausubstanz und die Effizienz des Gebäudes sicher. Zudem bringt es diese in Einklang mit hohem Wohnkomfort. Die Hauptanforderung für eine Zertifizierung ist dabei die Minergie-Kennzahl. Diese deckelt den Wert der Gesamtenergiebilanz eines Gebäudes. Sie errechnet sich aus dem Bedarf minus den Einsparungen. Angegeben ist sie in der etwas unhandlich wirkenden Einheit kWh/m²a, also Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Beim Standard Minergie beträgt die Kennzahl für Ein- und Mehrfamilienhäuser 55 kWh/m²a.

Weitere Anforderungen sind:

  • Der Heizwärmebedarf von Neubauten muss den aktuellen Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014) entsprechen.
  • Die Eigenstromproduktion muss nach MuKEn 2014 erfolgen.
  • Ein Luftdichtheitskonzept muss vorliegen, eine Messung entfällt jedoch.
  • Eine kontrollierte Lufterneuerung und ein Wärmeschutz im Sommer müssen gegeben sein.
  • Es dürfen keine fossilen Energieträger zum Einsatz kommen.
  • Am Gebäude sind einfache Massnahmen für die E-Mobilitäts-Tauglichkeit vorzunehmen.

Minergie-P

Eine zusätzliche Steigerung von Komfort und Energieeffizienz soll der Standard nach Minergie-P bieten. Der Grenzwert für die Gesamtenergiebilanz sinkt dafür auf 50 kWh/m²a. Der Heizwärmebedarf ist bei Neubauten auf 70 Prozent nach den unter MuKEn 2014 vorgeschriebenen Werten beziffert (Basiswert EFH 16 kWh/m²a). Hier reicht es nicht, die Luftdichtheit sicherzustellen – sie muss auch gemessen werden. Die übrigen Anforderungen unterscheiden sich nicht von denen des einfachen Minergie-Standards.

Minergie-A

Bei Minergie-A stehen grosse Photovoltaikanlagen im Fokus. Durch diese sollen die Gebäude energetisch möglichst unabhängig vom Netz sein. Entsprechend sinkt die Minergie-Kennzahl bei dieser Zertifizierung deutlich auf 35 kWh/m²a. Ausserdem ist es notwendig, dass die Photovoltaikanlage den Energiebedarf des Gebäudes durch den Jahresertrag bilanziell abdeckt. Das Luftdichtigkeitskonzept mit Messung entspricht dem von Minergie-P. Der Heizwärmebedarf liegt hier auf dem Niveau des Minergie-Standards, genau wie die restlichen Anforderungen.

Ein Haus mit Schrägdach, auf dem zahlreiche Photovoltaik-Module angebracht sind.

Grosse Photovoltaik-Anlagen sorgen für mehr Unabhängigkeit vom Stromnetz. Sie sind für den Standard Minergie-A sehr wichtig.

ECO

ECO ist kein eigenständiges Zertifikat, sondern eine Ergänzung zu den bestehenden Minergie-Standards. Mit dieser Erweiterung heissen sie also Minergie-ECO, Minergie-P-ECO und Minergie-A-ECO. Der Zusatz ECO deckt sechs Themenfelder unter den Gesichtspunkten Gesundheit und Bauökologie ab:

  • Tageslicht
  • Schallschutz
  • Innenraumklima
  • Nachhaltiges Gebäudekonzept
  • Verwendete Materialien (Materialisierung) und Prozesse
  • Gesamtmenge der eingesetzten nicht erneuerbaren Energie vom Rohstoffabbau über die Produktion bis zum Recycling (graue Energie)

Je nach Nutzung ist der Vorgabenkatalog für ECO sehr lang und beinhaltet 80 Zusatzkriterien für Neubauten.

MQS Bau und Betrieb: Qualitätssicherung als Zusatz

Als Zusätze zu den beschriebenen Standards bietet Minergie auch das Minergie-Qualitätssystem Bau (MQS Bau) und das Minergie-Qualitätssystem Betrieb (MQS Betrieb) an. Ersteres garantiert eine gesicherte Umsetzung der Massnahmen nach den Standards, eine strukturierte Dokumentation des Bauprozesses und die Auszeichnung «MQS Bau geprüft». Das Gegenstück für die Betriebsphase des Gebäudes belegt die optimale Nutzung der haustechnischen Anlagen, stellt eine regelmässige Wartung sicher und erhält die Auszeichnung «MQS Betrieb».

Minergie-Systemerneuerung: Zertifikat für die Modernisierung

Auch ein bereits bestehendes Gebäude lässt sich zum Minergie-Haus umwandeln. Eine Auswahl aus fünf Systemen steht dafür zur Verfügung. Je nach Alter und vorhandener Dämmung der Immobilie kommt ein anderes System infrage. Ziel ist, die Bestimmungen des Gebäudeenergieausweises der Kantone (GEAK) zu erfüllen. Es erfolgt eine individuelle Wahl des Systems, die auf das jeweilige Gebäude abgestimmt ist:

  • System 1 eignet sich für ungedämmte Bauten und setzt ausschliesslich an der Gebäudehülle, also deren Dämmung an.
  • Die Systeme 2, 3 und 4 beinhalten neben unterschiedlichen Dämmungen auch eine erneuerbare Wärmeerzeugung.
  • System 5 ist auf Altbauten und Gebäudereihen zugeschnitten. Die Fassaden bleiben dabei unberührt, die Arbeiten setzen innen und an der Wärmeerzeugung an.

Im Anschluss an die Modernisierung nach dem Minergie-Standard erfolgt noch die Zertifizierung. Diese ist in der Regel schnell und einfach erledigt.

Ein Mann sitzt vor mehreren Stapeln Papier und Büchern.

Um eine Zertifizierung nach dem Minergie-Standard zu erhalten, benötigen Sie eine entsprechende Bauplanung und einen Antrag.

So bekommen Sie ein Minergie-Zertifikat

Der Weg zum Zertifikat beginnt bereits bei der Planung des Hauses. Zu diesem Zeitpunkt entscheidet sich, auf welchen Standard man hinarbeitet. Im Projektplan sind dementsprechend alle notwendigen Arbeiten an Heizsystem, Dämmung und Stromerzeugung festgelegt. Damit ist ein Antrag bei der Zertifizierungsstelle möglich – per Post oder über die Online-Plattform von Minergie.

Im nächsten Schritt prüft die Stelle den Antrag und kommt gegebenenfalls mit Rückfragen auf Sie zu. Sollten die Anforderungen erfüllt sein, stellt die Zertifizierungsstelle ein Vorzertifikat für das Bauvorhaben aus. Ist das Gebäude fertig, reichen Sie die Baubestätigung ein. Nach einer erneuten Prüfung erhalten Sie das Zertifikat, das bestätigt, dass Ihr Haus nach dem Minergie-Standard gebaut ist. In manchen Fällen kann zuvor auch eine Stichprobe vor Ort erfolgen.

Fazit: Energiesparen mit Minergie – lohnt sich das für Bauherren?

Wer Energie spart, spart auf lange Sicht auch Geld. Die Betriebskosten sinken, gerade wenn Sie viel eigenen Strom und eigene Heizenergie erzeugen. Ein nach Minergie zertifiziertes Haus stellt sicher, dass dies in hohem Masse gegeben ist. Auch auf den Werterhalt des Hauses kann sich das Zertifikat positiv auswirken. Das Minergie-Zertifikat selbst kostet bei einer Energiebezugsfläche (die gesamte beheizte Fläche im Haus) von bis zu 250 Quadratmetern 1200 Franken. Beim Minergie-P-Standard liegt der Preis bei 2400 Franken und bei Minergie-A sind es 2600 Franken.

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