Ein kleines Kind macht im Kinderzimmer einen halben Purzelbaum.
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Leben

Kinderzimmer heizen und lüften: So geht es richtig

Torben Schröder

Wenn es zu kalt ist, ziehen wir Erwachsenen uns einfach dickere Socken an oder drehen die Heizung auf. Wenn uns zu warm ist, lassen wir etwas Frischluft ins Haus. Ein Kind hingegen versteht den Zusammenhang zwischen warmer Kleidung und warmem Körpergefühl noch nicht. Deshalb sind Sie als Eltern umso mehr gefragt, dafür zu sorgen, dass sich Ihre Kinder bei der Raumtemperatur wohlfühlen. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, wie Sie das Kinderzimmer richtig heizen und lüften.

In diesem Artikel

Das richtige Raumklima im Kinderzimmer

Das Immunsystem von Kindern und Babys ist im Gegensatz zu dem von Erwachsenen noch sehr anfällig. Sie als Eltern wissen, dass sich Ihr Nachwuchs vor allem unterwegs ansteckt – in der Kita, in der Schule, bei Freunden. Bis zu zwölf Infekte im Jahr sind durchaus nicht ungewöhnlich, so die Kinderarztpraxis «Praxis am Bahnhof» in Rüti ZH. Bei Kita-Kindern, so heisst es im offiziellen Blog der Praxis, können es sogar noch mehr sein. Es ist also ratsam, zumindest in den eigenen vier Wänden das Erkältungsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren – durch richtiges Heizen und Lüften.

Die Raumtemperatur

Bei uns Erwachsenen herrscht im Schlafzimmer häufig eine kältere Temperatur vor – im Wohnzimmer mögen wir es dagegen behaglich warm. Dementsprechend sind auch die Heizungen unterschiedlich eingestellt.

Das Kinderzimmer ist Schlaf- und Wohnzimmer zugleich. Aber auch für Ihren Nachwuchs ist eine der Tageszeit und Körperaktivität angepasste Temperatur im Raum wichtig. Von daher ist eine Regulierung vonnöten – die natürlich nur Sie übernehmen können.

Temperatur in der Nacht

Für einen erholsamen Kinderschlaf sollte die Temperatur 16 bis 18 Grad Celsius betragen.

Exkurs: die richtige Nachtwäsche

Damit Kinder während des Schlafens nicht frieren, sollten Sie unabhängig vom Alter mit dem Zwiebelprinzip arbeiten. Generell gilt: Je dicker der Schlafsack, desto dünner die Unterbekleidung. Eine gute Orientierung bietet der sogenannte Tog-Wert. Dieser gibt die Dicke des Schlafsacks an. Bei vielen Händlern finden Sie ausserdem eine Tabelle zur passenden Unterbekleidung je nach Raumtemperatur. Denn auch wenn die empfohlene Temperatur bei 16 bis 18 Grad liegt, ist diese im Sommer meistens nicht umsetzbar.

Gut zu wissen: Babys und Kleinkinder quengeln, wenn ihnen kalt ist. Wenn ihnen jedoch zu warm ist, beschweren sie sich nicht unbedingt. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich nicht allein auf die Norm-Angaben von Herstellern verlassen. Besonders bei Neugeborenen und Babys sollten Sie deshalb regelmässig den Nacken des Kindes befühlen. Denn ist der Nacken kalt, dann ist auch dem Kind kalt. Ist der Nacken verschwitzt, dann ist dem Kind zu warm. Fühlt sich der Nacken angenehm warm an, dann ist die Schlafmontur genau richtig.

Wichtig: Kaufen Sie immer einen in der Grösse passenden Schlafsack, auch wenn das bedeutet, dass Sie häufiger einen neuen kaufen müssen. Denn in einen zu grossen Schlafsack kann Ihr Kind mit dem Kopf hineinrutschen. Es besteht Erstickungsgefahr! Und verzichten Sie zumindest in den ersten sechs Lebensmonaten auf jeden Fall auf eine Decke. Diese kann auf das Gesicht des Kindes rutschen und so zum plötzlichen Kindstod führen.

Auch ältere Kinder profitieren vom Zwiebelprinzip – Schlafanzug und Decke halten auch bei niedrigen Temperaturen schön warm.

Temperatur am Tag

Tagsüber ist eine Temperatur von 20 bis 21 Grad Celsius optimal – so ist Ihren Kindern nicht kalt, wenn sie sich ausruhen, und sie schwitzen nicht, wenn sie sich austoben.

Die Luftfeuchtigkeit

Im Gegensatz zur Temperatur ist die Luftfeuchtigkeit nicht wirklich spürbar – weder von uns noch von Ihrem Kind. Für das Erreichen eines gesunden Raumklimas ist sie aber genauso entscheidend. Am besten schaffen Sie sich ein Hygrometer an, mit dem Sie die Luftfeuchtigkeit im Auge behalten. Sie sollte im Idealfall zwischen 40 und 60 Prozent liegen – dieser Wert gilt übrigens auch für unser Schlaf- und Wohnzimmer. Wenn Sie kein Hygrometer besitzen, hilft es auch, Ihr Kind oder Baby zu beobachten. Wenn es zum Beispiel während des Schlafs oder am Morgen verstärkt hustet, kann das ein Hinweis auf eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit sein.

In diesem Fall sollten Sie versuchen, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Wenn es sich um einen besonders heissen und damit trocknen Sommertag handelte, reicht wahrscheinlich ein einmaliges Aufhängen von nassen Baumwolltüchern. Wollen Sie dauerhaft mehr Feuchtigkeit ins Kinderzimmer bringen, sollten Sie über die Anschaffung eines Raumbefeuchters nachdenken – es gibt spezielle Geräte für Kleinkinder und Babys.

Während des Schlafens geben Ihre Kinder über den Atem Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Diese ist wie oben beschrieben nachts etwas kühler und kann daher weniger Feuchtigkeit aufnehmen. Der Wert von 60 Prozent ist im Nu erreicht. Wenn Ihr Kind in der Nacht zusätzlich stark schwitzt, ist die Luft noch schneller gesättigt. Ein untrügliches Indiz für eine zu hohe Raumluftfeuchtigkeit sind beschlagene Fenster am Morgen.

Auch für diesen Fall können Sie Massnahmen ergreifen. Entfernen Sie zunächst sämtliche Feuchtigkeitsquellen wie nasse Kleidung, Pflanzen oder ein Aquarium. Wirksame Abhilfe schaffen auch kindgerechte Luftentfeuchter aus dem Handel. Stellen Sie auf gar keinen Fall Schalen mit Salz oder Katzenstreu auf – diese würden Ihrem Kind schaden. Die einfachste Möglichkeit ist korrektes Lüften, das wir Ihnen im folgenden Abschnitt erklären.

Nahaufnahme eines schlafenden Kindes im Bett.

Nicht frieren, nicht schwitzen, nicht husten – ein erholsamer Schlaf ist für Kinder extrem wichtig.

Kinderzimmer korrekt lüften

Das korrekte Lüften ist beinahe genauso wichtig wie das richtige Heizen. Denn ein stetiger Luftaustausch hilft sowohl bei der Temperatur- als auch bei der Luftfeuchtigkeitsregulierung und fördert damit letztendlich das Wohlbefinden Ihres Nachwuchses. Dabei gibt es Unterschiede zwischen dem Lüften im Winter und dem Lüften im Sommer.

Lüften im Winter

Natürlich öffnen wir das Fenster in den Wintermonaten nur ungern, denn draussen ist es kalt. Ein Luftaustausch im Kinderzimmer ist trotzdem notwendig.

Um die Räumlichkeiten nicht zu stark auskühlen zu lassen, sollten Sie in der kalten Jahreszeit dreimal oder öfter am Tag für fünf Minuten stosslüften. Am effektivsten ist dies, wenn Sie einen Durchzug mit gegenüberliegenden Fenstern in anderen Räumen schaffen. Dieser Zug zieht die sauerstoffarme, feuchte Luft sehr schnell nach draussen und schafft Platz für sauerstoffreiche trockene Luft, die von aussen nach innen strömen kann.

Der Nachwuchs sollte während dieser Zeit natürlich nicht im Zimmer sein. Und auch die Heizung sollten Sie ausschalten, um nicht unnötig zusätzliche Heizkosten zu verursachen. Vor dem Zubettgehen des Kindes sollten Sie ebenfalls das Zimmer kurz lüften, damit die Luft nachts möglichst sauerstoffreich und frei von überschüssiger Feuchtigkeit ist.

Viele Erwachsene schlafen nachts bei gekipptem Fenster – sogar im Winter. Das sollten Sie im Kinderzimmer vermeiden, damit Ihr Kind nicht zu stark auskühlt und keine Zugluft abbekommt.

Lüften im Sommer

Auch in den warmen Monaten füllt sich die Luft im Raum durch unseren Atem mit Feuchtigkeit, die am Morgen abgeführt werden sollte. Da es draussen im Sommer wärmer ist, ist beim Lüften keine Eile geboten. Nutzen Sie wie auch im Winter die Gelegenheit zum Lüften, wenn das Kind nicht anwesend ist. Öffnen Sie das Kinderzimmerfenster einfach 20 bis 30 Minuten. Die Luft zirkuliert in diesem Fall auch ohne Durchzug.

Wenn die Aussentemperaturen im Sommer extrem hoch sind, sollten Sie zumindest tagsüber auf das Lüften verzichten. Stattdessen lüften Sie morgens sehr früh – die meisten Kinder sind dann sowieso bereits wach – und am Abend vor dem Zubettgehen. Um zusätzlich für einen Luftaustausch, zum Beispiel vor dem Mittagsschlaf, zu sorgen, öffnen Sie einfach die Tür zum Flur. Auch das hilft schon. Um den Vorgang zu beschleunigen, können Sie einen Ventilator verwenden, der die warme Luft nach draussen befördert.

Heizungen für das Kinderzimmer

Viele in Haushalten verbaute Heizkörper bergen gewisse Gefahren. Für Kleinkinder können die Heizstäbe schon auf mittlerer Betriebstemperatur zu heiss sein. Verbergen Sie diese deshalb unbedingt mit Rohrabdeckleisten oder anderen Rohrverkleidungen. Ältere Kinder, die im Zimmer herumtoben, können sich an den scharfen Kanten verletzen. Im Idealfall ist die Heizung für den Nachwuchs nicht zugänglich.

Im Folgenden stellen wir Ihnen Alternativen beziehungsweise Ergänzungen zu den herkömmlichen mit Öl oder Wasser betriebenen Konvektorheizungen vor.

Ein Kleinkind steht auf einem Heizkörper und schaut aus einem Fenster.

Gefährliches Klettermanöver: Passen Sie gut auf, dass sich Ihr Kind an der Heizung weder verbrennt noch schneidet.

Infrarotheizung: Wärme von oben

Eine Infrarotheizung erwärmt nicht direkt die Luft, sondern in der Nähe befindliche Gegenstände und Flächen. Von diesen wird die wärmende Strahlung wiederum reflektiert und erwärmt so den ganzen Raum. In einem Kinderzimmer befindet sich in der Regel viel Mobiliar, was den Betrieb einer Infrarotheizung begünstigt.

Wärme steigt bekanntlich nach oben. Kinder halten sich jedoch eher im unteren Drittel eines Raums auf. Entsprechend werden sie von der Wärme, die ein herkömmlicher Heizkörper abgibt, auf dem Weg nach oben praktisch nur gestreift. Eine Infrarotheizung können und sollten Sie an der Decke anbringen. So kommen Ihre Kinder erstens nicht an die Heizplatte heran und zweitens verteilt sich die Wärme gleichmässiger und ausfüllender im Raum.

Für eine Kinderzimmergrundfläche von 15 Quadratmetern benötigen Sie eine Heizplatte mit Abmessungen von rund 120 x 60 Zentimetern und einer Leistung von 800 Watt. Die Kosten liegen bei etwa 500 Franken.

Aber Achtung: Die Oberfläche der Heizplatte kann sich auf bis zu 90 Grad Celsius erwärmen. Deswegen sollten Sie die Infrarotheizung lieber an der Decke anstatt an einer Wand anbringen.

Motivheizung: mit der Heizung das Zimmer gestalten

Eine ganz besondere Art, das Kinderzimmer zu erwärmen, bietet die Firma Heatwell aus Bünzen an: Die Infrarotheizungen zur Montage an der Wand sind mit einem speziellen Sicherheitsglas überzogen, auf das Sie Ihr Wunschmotiv drucken lassen können. So erfreut sich Ihr Kind zum Beispiel an den Figuren seiner Lieblingssendung. Andere Varianten dieser Heizung nehmen die Optik eines Spiegels oder einer beschreibbaren Schultafel an und sind daher eher etwas für ältere Kinder.

Fussbodenheizung: eher ungeeignet

Wir Erwachsenen lieben die Fussbodenheizung: Sie erzeugt eine gleichmässige Wärme, sorgt für ein wohlig-warmes Trittgefühl und das Zimmer ist frei von störenden Heizkörpern. Demnach müsste eine Fussbodenheizung doch auch optimal für das Kinderzimmer sein, oder? Nur bedingt.

Wie oben beschrieben, sollte die Raumtemperatur für Kinder nachts etwas tiefer sein als tagsüber. Eine Fussbodenheizung reagiert nur sehr träge oder nicht ausreichend auf Regulierungen. Gerade eine tageszeitbedarfsgerechte Einstellung ist praktisch nicht möglich. Ausserdem bedient eine Fussbodenheizung in der Regel viele Räume in einem Haushalt gleichzeitig. Wenn Sie die Temperatur regulieren, werden Sie die Auswirkungen auch in Ihrem Wohnzimmer spüren.

Eine Lösung ist zum Beispiel der Betrieb eines separaten Heizkreises für das Kinderzimmer mit niedrigerer Grundtemperatur. Dafür müssten Sie allerdings weitere Anschaffungen tätigen, zum Beispiel eine weitere Heizkreislaufpumpe. Bei Interesse an einer solchen Lösung, wenden Sie sich am besten an eine Fachfirma, die für Sie ein individuelles Konzept erarbeitet. Entsprechende Firmen finden Sie etwa bei houzy.ch.

Fazit: Seien Sie immer wachsam

Beim Heizen des Kinderzimmers sind einige Regeln zu beachten: Es sollte tagsüber eher warm und nachts gern kühl sein. Achten Sie darauf, dass das Heizgerät keine Gefahr für die Kleinen darstellt. Genauso wichtig wie das korrekte Heizen ist das regelmässige Lüften. Haben Sie Ihren Nachwuchs und die Umgebung einfach immer gut im Blick: Wenn Ihr Kind friert oder schwitzt, läuft etwas falsch. Wenn die Fenster morgens stark beschlagen sind, dann ebenso.

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