Leben

Indoor-Dschungel: Zimmerpflanzen für Körper und Geist

Sira Huwiler-Flamm

Lebendig-grüne Topfpflanzen sind nicht nur dekorativ – sie tun auch unserer Gesundheit gut, lindern Stress und verbessern die Raumluft. Worauf es ankommt, damit Zimmerpflanzen nicht zum Gesundheitsrisiko werden.

Eine Frau trägt eine üppige Topfpflanze durch ein Wohnzimmer, in dem in jeder Ecke Zimmerpflanzen stehen.
© Getty Images/Maskot

In diesem Artikel

Drei positive Effekte von Zimmerpflanzen

1. Sie heben die Stimmung

Besonders in der kalten Jahreszeit, wenn es draussen dunkel und grau ist, tut das satte Grün von Zimmerpflanzen der Seele gut. Zahlreiche Studien zeigen sogar, dass es unsere Stimmung hebt und Stressgefühle mindert, wenn wir von Raumgrün umgeben sind. «Den längsten Teil der Menschheitsgeschichte haben wir Menschen in und mit der Natur gelebt – diese alte Verbundenheit ist tief in unseren Genen verankert», weiss Christian Kaiser, Präsident der Fachvereinigung Gesundes Wohnen Schweiz und Experte für Baubiologie. «Bei einem Waldspaziergang spüren wir sehr direkt, wie gut uns die Natur tut. Mit Zimmerpflanzen holen wir uns diesen belebenden und wohltuenden Effekt ins Haus.»

Auch Wissenschaftler der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft haben in einem Forschungsprojekt in Schweizer Altersheimen gezeigt, dass durch Zimmerpflanzen sowohl die Arbeitszufriedenheit der Angestellten als auch die Stimmung der mit der Pflanzenpflege beauftragten Bewohner merklich steigen kann. Besonders wenn wir uns selbst um die Pflanzen kümmern, sie giessen, hegen und pflegen, können wir unser Gefühlsleben positiv beeinflussen: Jede Orchideenblüte macht stolz, bei jedem neuen Trieb am Zimmer-Jasmin freut sich unser innerer Grüner Daumen!

2. Sie verbessern das Raumklima

«Menschen brauchen Sauerstoff und atmen CO2 aus, bei Pflanzen ist es umgekehrt – eine tolle Symbiose, die wir nutzen sollten», sagt Christian Kaiser. Pflanzen können dadurch nachweislich zu einem besseren Raumklima beitragen, die Sauerstoffkonzentration hochhalten und sogar Schadstoffe absorbieren. Jedes Möbelstück, jeder Teppich und jedes Bauteil gibt auch noch nach Jahrzehnten Mikropartikel aus Lacken, Klebstoffen und Pflegemitteln wie Formaldehyd, Benzol oder Xylen an die Luft ab. «Diese Stoffe können die Schleimhäute belasten und unser Immunsystem schwächen», weiss der Experte. Die gute Nachricht: Zimmerpflanzen wie die Mexikanische Bergpalme (Chamaedorea elegans) und die Efeutute (Epipremnum aureum) sind in der Lage, Teile dieser Mikropartikel aus der Luft zu filtern.

Ein Start-up aus Zürich hat sogar ein Geschäftsmodell aus den Vorzügen von Zimmerpflanzen entwickelt: Oxygen at Work begrünt Büroräume, um Raumklima und -atmosphäre zu verbessern – und so die Gesundheit und Produktivität der Mitarbeitenden zu steigern. Was im professionellen Office klappt, funktioniert auch daheim – also: Auf jeden Fall das Arbeitszimmer mit Pflanzen bestücken. «Pro Person sollte eine mittelgrosse Pflanze, idealerweise robust, ohne Allergene und mit viel Blattmasse, installiert werden, um für eine optimale Luftqualität zu sorgen», rät die Gärtnerin und Mitgründerin des Start-ups Rita Salathé.

Eine Efeutute mit grossen grünen Blättern steht in einem grauen Topf auf einem Beistelltischchen.

Die Efeutute gehört mit ihren grossen Blättern zu den Zimmerpflanzen, die sehr viele Schadstoffe aus der Luft filtern.

3. Sie senken den Blutdruck und halten uns wach

Selbst an medizinischen Messwerten sind positive Effekte von Pflanzen auf unsere Gesundheit ablesbar: Japanische Forscher zeigten in einer Studie, dass der Anblick von Zimmerpflanzen messbar den Blutdruck senkt – ähnlich wie bei einer Meditation gelangt unser Nervensystem dadurch in einen Entspannungszustand. Durch den höheren Sauerstoffgehalt in Räumen fühlen wir uns umgeben von Zimmerpflanzen ausserdem weniger schnell müde, können uns besser konzentrieren und später besser an das Erlebte erinnern – das zeigt eine Studie der Harvard Universität.

Drei Tipps: So werden die Pflanzen nicht zum Gesundheitsrisiko

1. Schimmel vorbeugen

Nicht nur den Sauerstoffgehalt der Luft beeinflussen Topfpflanzen, sondern auch die Luftfeuchtigkeit. Besonders im Winter, wenn trockene Heizungsluft unserer Haut und unseren Schleimhäuten zusetzt, können grüne Pflanzen Wunder wirken. Aber der Experte warnt: «Zu viel Feuchte im Raum kann auch schnell Schimmelpilze begünstigen.» Deshalb rät Kaiser, bewusst auf einzelne Bauteile oder Wandbeläge aus Lehm oder Kalk zu achten. «Diese Materialien wirken als Feuchtepuffer im Raum, die Feuchtigkeit je nach Bedarf aufnehmen und wieder abgeben.»

2. Gute Pflege gegen Allergene

Wenn Pflanzen nicht ordnungsgemäss gepflegt werden, können sie auch schnell zum Gesundheitsrisiko werden: Durch Staunässe und abgefallenes Laub bilden sich Bakterien, Hefe- und Schimmelpilze, die das Raumklima verschlechtern. Häufig sind Pilze an einer weissen Schicht auf der Erde zu erkennen, der Befall kann aber auch im unsichtbaren Wurzelbereich liegen. «Im schlimmsten Fall ist die Luft voller Allergene, die das Immunsystem schwächen und Allergien wie Asthma oder chronischen Schnupfen auslösen – deshalb rate ich: lieber keine Zimmerpflanze als eine ungepflegte», sagt Baubiologie-Experte Kaiser. Er empfiehlt: mässig giessen, regelmässig die Blätter von Staub befreien und ab und zu die Erde austauschen. Wenn es die Pflanze verträgt, sollten Sie ausserdem besser Pflanz- oder Blähtonkügelchen statt Erde verwenden.

«In Räumen, in denen geschlafen wird, wie im Schlaf- oder Kinderzimmer, rate ich generell von Pflanzen ab», sagt Kaiser, «im Schlaf fährt unser Organismus runter, das Immunsystem ist anfälliger – deshalb sollte man kein Risiko eingehen.» Für alle, die aber auf den Anblick von frischem Grün auch im Schlafzimmer nicht verzichten wollen, gibt es eine gute Nachricht: Studien belegen, dass sogar der Anblick von Naturbildern Stress und Ärger vertreibt und zu unserem Wohlbefinden beiträgt.

3. Die richtige Pflanze wählen

Auch bei der Pflanzenwahl gilt es, genauer hinzuschauen: Manche Pflanzen lösen selbst allergische Reaktionen aus, wie die beliebte Birkenfeige (Ficus benjamina), der Gummibaum (Ficus elastica), der Christusdorn (Euphorbia milii) oder der Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima). Weil das enthaltene Allergen dem Latexallergen ähnelt, sollten besonders Menschen mit Latexallergie diese Pflanzen strikt meiden.

Ein Gummibaum steht in einem Topf auf einem hölzernen Parkettboden.

Der Gummibaum ist nichts für Allergiker – sein Saft kann allergische Reaktionen auf der Haut und den Schleimhäuten hervorrufen.

Pflanzen mit einem niedrigen Wasserbedarf, wie Kakteen und Sukkulenten, sind speziell für Allergiker und faule Pflanzenbesitzer unbedenklicher. Sie sind pflegeleicht und Schimmelpilzbildung ist unwahrscheinlicher. Generell gilt: «Je grösser die Fläche der Blätter, desto besser werden CO2 und Schadstoffe aufgenommen und gefiltert.» Selbst Kakteen würden über ihre Oberfläche zu einer besseren Luftqualität beitragen. Einen noch grösseren Effekt haben begrünte Wände, die sich in den vergangenen Jahren zunehmender Beliebtheit erfreuen. Je nach Vorlieben der Eigenheimbesitzer lassen sich die lebendigen Gemälde mit Pflanzen, Moosen, Gräsern und Bodendeckern bestücken – im DIY-Verfahren oder mit der Hilfe einer Fachperson.

Fazit: Pflanzen machen das Zuhause gesünder und schöner

Topfpflanzen sind bei bewusster Wahl und richtiger Pflege echte Gesundheitshelfer für Körper, Geist und Seele. Aber nicht nur das: Mit ihren natürlichen Formen und Farben – und teils üppigen Blüten – machen sie ein Daheim auch gemütlicher und schöner. Und das Beste: Sie passen zu jedem Einrichtungsstil. Ob ein Fensterbrett voller bunter Orchideen für Blütenliebhaber, eine Palme für Menschen mit chronischem Fernweh oder ein dezenter Kaktus für Minimalisten – für jeden Geschmack gibt es das richtige Pflänzli.

Eine echte Zimmerpflanzen-Liebhaberin, von der man richtig viel lernen kann, ist «Plantlady» Miriam Schmid aus Luzern. Auf Instagram zeigt sie in sattgrünen Bildern, wie schön ein Leben im Wohnzimmer-Dschungel sein kann, postet eifrig tropische Topfpflanzen wie Fensterblatt (Monstera deliciosa), Friedenslilien (Spathiphyllum), Dieffenbachien (Dieffenbachia seguine oder maculata) und kletternde Efeututen (Epipremnum aureum) – und gibt dazu jede Menge Tipps zu Standortvorlieben, Pflege, Kletterhilfen sowie Vor- und Nachteilen. Ihr Fazit zum Leben umgeben von unzähligen Topfpflanzen: «Never feel stressed at home. Never dry skin. Always good air. Always relaxed. Always happy» (Deutsch: Nie mehr daheim gestresst fühlen. Nie mehr trockene Haut. Immer gute Luft. Immer entspannt. Immer glücklich).

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