Viele Kissen mit buntem Muster zieren ein Sofa im Aussenbereich. In der Mitte steht ein Tisch mit Tellertablett aus Metall.
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In der Welt daheim: 8 internationale Deko-Stile

Sira Huwiler-Flamm

Ob Bella Italia, das raue Skandinavien oder ein Hauch von Orient in Marrakesch – viele Schweizerinnen und Schweizer lieben es zu reisen. Wie Sie mit Einrichtungsakzenten Ferienstimmung in die eigenen vier Wände bringen, haben wir für Sie zusammengestellt.

In diesem Artikel

1. Marokko – orientalische Farbexplosion

Leuchtende Orange- und Rottöne, die an Gewürze wie Safran, Curry und Chili erinnern, prägen die Gassen von Marrakesch ebenso wie Türen in tiefen Grün- und Blautönen. Orientalische Einrichtung bedeutet vor allem eine Explosion der Farben. Kissen, Decken, Vorhänge, handgeknüpfte Wandteppiche – alles ist erlaubt und darf kombiniert werden.

Auch bei der Materialauswahl müssen Sie sich nicht zurückhalten. Ob gemusterter Brokat, aufwendig bestickte Baumwolle, fliessende Seide oder Organza – mehr ist im Orient mehr. Oft sind Tische, Stühle, Kommoden und Paravents aus Baumnuss- oder Zedernholz aus dem Atlasgebirge gefertigt. Möbelstücke, Türen und Truhen bestechen durch handgeschnitzte Ornamente und verzierte Messingbeschläge.

Mosaike aus Glas, Fliesen und Keramik in den buntesten und aufwendigsten Mustern aus Marokko sind echte Hingucker. Doch auch Edelmetalle prägen die Deko-Elemente im marokkanischen Stil: Beistelltischchen mit verzierten Silbertellern, Teekannen und -tabletts aus Messing oder Kupfer und traditionelle marokkanische Lampen: In Handarbeit werden Tausende winzige Löcher in Messing geschlagen, die an der Wand für ein filigranes Schattenspiel und orientalischen Zauber sorgen.

2. USA – Country-Style mit Holzfäller-Flair

Amerika ist ein riesiger Kontinent – alleine die USA sind mehr als 230-mal so gross wie die Schweiz und haben rund 38-mal so viele Einwohner. Kein Wunder also, dass es unzählige verschiedene Einrichtungsstile gibt. Eines haben alle gemeinsam: Die Möbel sind Platzwunder im XXL-Format. Der American Way of Life ist oft von einem offenen Ess-Wohn-Bereich mit Kücheninsel oder Barelement geprägt – so bleibt viel Platz, um den Wohnbereich zu personalisieren.

Manche mögen es extra-pompös mit zentralem Kamin samt Gemälde, Kronleuchter und wuchtigen Vorhängen. Im gemütlichen Country-Style sind viele selbstgemachte und liebevoll arrangierte Einzelteile stilprägend: Patchworkdecken, floral bestickte oder in Streifen- oder Holzfäller-Karo-Muster drapierte Kissen sorgen ebenso für ein gemütliches Zuhause wie Retro-Blechschilder und -Aufbewahrungsdosen, die samt Kochbuch vom Grossmami vererbt wurden.

Lamm- und Kuhfelle als Teppiche oder Sitzauflagen machen die Kuschelstimmung im Country-Style perfekt. Die Möbel sind oft aus dunklen robusten Hartholzsorten oder aus einheimischem hellerem Holz wie Ahorn, Pinie oder Nussbaum. Häufige Einrichtungsgegenstände, die für viele als typisch amerikanisch gelten, sind das klassische Chesterfield-Sofa aus Leder und der Schaukelstuhl mit einer Kuscheldecke oder einem Lammfell als Auflage. Im Garten darf eine knarrende Hollywoodschaukel nicht fehlen.

In der Mitte steht ein Kamin, drum herum sind zwei Ledersessel aufgestellt. Auf dem einen liegt eine Patchwork-Decke.

Amerikanischer Country-Style mit viel Holz, Ledersesseln und einer handgemachten Patchworkdecke.

3. Schweiz – Chalet-Chic im Alpen-Stil

Den typischen Schweizer Einrichtungsstil gibt es vermutlich nicht. Beim Anblick einer urchigen Berghütte in den Alpen werden aber sicher Heimatgefühle wach. Dies hat sogar das Einrichtungshaus IKEA erkannt und führt deshalb exklusiv in der Schweiz eine Chalet-Kollektion. Der Trend, der sich dahinter verbirgt, heisst Alpin-Chic.

Rustikale Holzmöbel mit Maserung und kuschelige Naturmaterialien wie Wolle, Leinen, Filz und Naturfelle sorgen für das richtige Ambiente. Auch eine Sitzecke mit vielen Kissen oder einzelne Sitzmöbel wie Ohrensessel sorgen für Behaglichkeit. Ein grosser Esstisch ist der zentrale Ort in der Stube. Salatschüsseln und -besteck aus Echtholz oder Natursteinplatten aus Speckstein und Schiefer als Untersetzer sind authentische Alltagshelfer aus den Bergen.

Echte Hirschgeweihe sind der Alpendeko-Klassiker schlechthin. Wer es moderner mag, greift auf Kissen, Vorhänge und Decken mit Wildtier-Prints zurück. Ein offener Kamin oder indirekte Beleuchtung mit Kerzen tauchen die Räume in warmes Licht. Ein Kaminholzstapel in der Ecke ist nicht nur praktisch, sondern auch ein authentischer Blickfang, der Chalet-Stimmung verbreitet. Und natürlich darf auch ein selbstgepflückter Wildblumenstrauss nicht fehlen. Auch Trockensträusse oder Türkränze aus trockenen Strohblumen sind das ganze Jahr hindurch eine beliebte Deko-Alternative.

Eine Küche in Alpin Chic: Ein hölzerner Küchentresen steht vor einer hölzernen Wand, daneben ist eine ebenfalls hölzerne Treppe.

Der moderne Alpin Chic besticht durch Altholz, das sowohl bei den Möbeln als auch bei den Wänden Verwendung findet.

4. Italien – mediterrane Akzente

Bella Italia gehört zu den beliebtesten Reisezielen der Schweizerinnen und Schweizer. Bereits im Tessin sind die Wände von Patina in Pastelltönen geprägt und die Gärten von Palmen und Zitronenbäumen gesäumt.

Terrakotta ist die Farbe des Mittelmeerlandes. Ob Blumentöpfe, Gefässe, Hausfassaden oder Terrassenfliesen – alles erstrahlt im Farbton „gekochte Erde“, was Terrakotta aus dem Italienischen übersetzt bedeutet. Der Charme der oft unglasierten keramischen Deko-Elemente erinnert an historische Bauten, die in der Toskana, in Rom und in Mailand optisch den Ton angeben.

Italienische Möbel sind oft aus Oliven-, Pinien- oder Baumnussholz gefertigt und überdauern Generationen. Noch robuster, aber ebenso beliebt sind Möbelstücke wie Tische oder Sitzecken für drinnen und draussen aus Marmor. Der Grund: Das Gestein wird im Mittelmeerraum abgebaut und trotzt auch den heftigsten Sonnenstrahlen. Weniger wuchtig, aber ebenso beliebt sind geflochtene Sessel, Betten und Tische aus Rattan oder Hyazinthenfasern sowie schmiedeeiserne Möbelstücke.

Neben all den natürlichen Materialien mag man es in Italien aber auch auffällig – besonders, was die Dekoration angeht: Mosaike mit floralen Mustern und Marmor-Kunstobjekte mit aufwendigen Verzierungen gehören ebenso in ein italienisches Wohnzimmer wie opulente Deckenleuchten.

Ein runder Tisch aus Marmor steht vor einem Korbstuhl. Auf dem Stuhl liegen bunte Kissen.

Marmor ist das Gestein des Mittelmeers. In Kombination mit schlichten Sesseln weckt die Terrasse so Erinnerungen an Italien.

5. New York – Industrial-Look

Zugegeben, nicht jeder kann ein Fabrikloft mit meterhohen Decken und freigelegten Rohren sein Zuhause nennen. Der in New York entstandene Industrial-Look kann aber mit ein paar Tipps auch ins Schweizer Eigenheim gebracht werden.

Unvollkommen, roh, oft rostig und extrem stabil – so lässt sich der Industrie-Stil beschreiben. Grobe Holz- und Metallmöbel, die gewollt Kratzer und Schrammen haben, sind dabei ebenso beliebt wie kahle Stahllampen, blanke Glühbirnen, offene Ziegelsteinwände und grobe Textilien mit offensichtlichen Gebrauchsspuren und Nieten.

Der aktuelle Upcycling-Trend schafft zahlreiche DIY-Ideen, die ideal in den Industrial-Look passen: selbstgebaute Palettenmöbel, Deko-Elemente wie Blumentöpfe und Kerzenhalter aus Beton oder alte Obstkisten, die zu Regalen oder Beistelltischen umgebaut werden.

Ein Raum mit unverputzten Wänden. Das Regal rechts sowie der Sessel und das Sofa haben Metall-Elemente.

Auch einzelne Räume können im Industrial-Look eingerichtet werden: Hier verbreiten unverputzte Wände und viel Metall eine Loft-Stimmung.

6. Skandinavien – hyggelige Gemütlichkeit

Ob Hygge, Lagom oder skandinavischer Landhausstil – über kaum eine Region wird in den letzten Jahren mehr gesprochen, wenn es um das Thema „gemütlich einrichten“ geht. Ein Grund dafür: Die Einwohner der skandinavischen Länder zählen laut dem World Happiness Index jedes Jahr zu den glücklichsten und unbeschwertesten Menschen der Welt.

Was wir aus den Lebensphilosophien Hygge (Dänemark und Norwegen) und Lagom (Schweden) für ein heimeliges Zuhause lernen können: Geselligkeit, Gemütlichkeit und Geborgenheit sind das Wichtigste. Vermutlich, weil im Norden Europas die Winter lang und dunkel sind, ist das Eigenheim der ständige Ort des Geschehens – und eine echte Wohlfühloase.

Schlichte, helle Möbel und weisse vertäfelte Wände schaffen auch an düsteren Wintertagen eine behagliche Atmosphäre. Einheimische Hölzer wie Fichte, Birke und Kiefer sind dabei stilprägend. Der grosse Esstisch steht an zentraler Stelle und lädt zu geselligen Abenden mit Freunden, Familie und Nachbarn ein.

Viele im ganzen Raum verteilte Kissen, Kerzen, gläserne Laternen und Windlichter aus Porzellan erzeugen ein Gefühl von Geborgenheit. Neben Accessoires in Naturmaterialien wie Wolle, Schaffell, Baumwolle, Filz und Leinen kommen Naturfarben wie Sand-, Rosé- und Blautöne zum Einsatz. Akzente setzen die Skandinavier mit extravaganten, grossformatigen Mustern auf Kissen, Decken und Vorhängen.

Blick in zwei Räume mit weissen Wänden, hier sorgen erdige Naturtöne für Gemütlichkeit.

Hell, aufgeräumt und trotzdem gemütlich: Eine Wohnstube mit skandinavischem Flair.

7. Japan – Minimalismus aus Fernost

Wabi-Sabi heisst der Einrichtungsstil aus Japan. „Wabi“ steht dabei für verlassen und „sabi“ für alt. Was traurig klingt, besinnt sich ganz dem Zen-Buddhismus getreu auf das Wesentliche, nämlich, die Schönheit in alten und traditionellen Dingen zu erkennen.

Der japanische Stil ist minimalistisch. Im Wabi-Sabi besinnen sich die Menschen auf liebgewonnene und geerbte Dinge. Kitsch ist erlaubt, wenn er für sie Bedeutung hat. Ansonsten gilt: weniger knallige Farben und kein unnötiger Krimskrams.

Hochwertige Naturmaterialien wie Bambus, Korbgeflecht, Wolle und Treibholz prägen diesen puristischen Stil ebenso wie Kissen und Decken in natürlichen Erd- und Sandtönen. Ja, ein paar Elemente aus dem Wabi-Sabi erinnern sogar an den skandinavischen Einrichtungsstil. Und für diesen japanisch-skandinavischen Mix gibt es mittlerweile sogar ein Wort: Japandi.

Dieses Wohnzimmer im Wabi-Sabi wirkt durch nur wenige natürliche Farben und Formen puristisch.

Puristisch sieht es in diesem Wohnzimmer im Wabi-Sabi aus. Liebgewonnene Hingucker, wie ein Kunstwerk oder handgefertigte Körbe, dürfen trotzdem nicht fehlen.

8. England – überladener Kolonialstil

Bewusste Stilbrüche und absolute Überladenheit – dafür steht der klassische englische Einrichtungsstil. Uralte Sessel, Chesterfield-Sofas und Sekretär-Kommoden mit unrestaurierten Schrammen aus der Kolonialzeit werden dabei gerne mit modernen Möbelstücken kombiniert.

Ob Tapeten, Teppiche, Vorhänge oder Decken – Mustermix ist in England angesagt. Karos und extravagante Blumenmuster werden bunt zusammengewürfelt, Deckenleuchten durch mehrere Stehlampen ersetzt. Eine Hausbar, oft in Form eines Globus, ist fast schon obligatorisch.

Ein kurioses Detail, das in dem bunten Durcheinander für Ordnung sorgen soll: In englischen Stuben gibt es oft einen Mittelpunkt, zum Beispiel einen Kamin, vor dem symmetrisch zwei Sessel, zwei Vasen und ein Tischchen angeordnet sind.

Ein Bett ist von zwei Stehlampen umrahmt, im Hintergrund sind zwei Ledersessel vor einem Kamin zu sehen; darüber hängen mehrere Geweihe an der Wand.

Der überladene Kolonialstil spielt mit Stilbrüchen – und Mustern, die eigentlich nicht zusammenpassen. Stehlampen, schwere Ledersessel und der hölzerne Sekretär sind wichtige Stilelemente.

Fazit: Eine Weltreise ist ein Lebenstraum, den sich viele Menschen ­– wenn überhaupt ­– nur ein einziges Mal im Leben erfüllen. Mit dem richtigen Einrichtungsstil zieht die Welt jedoch dauerhaft in Ihre vier Wände ein.

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