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Heizung entlüften und Heizkosten sparen: So geht’s

Arne Schätzle

Indem Sie die Heizkörper regelmässig entlüften, sorgen Sie für wohlige Wärme im ganzen Haus und sparen erst noch Energie. Wir verraten Ihnen, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen.

In einem Wohnzimmer steht eine Frau vor der Heizung und blickt auf ihr Smartphone.
© Getty Images

In diesem Artikel

Warum muss ich meine Heizkörper entlüften?

Vielleicht ist es auch bei Ihnen schon vorgekommen: Sie drehen die Heizung auf, der Heizkörper gluckert, wird aber nicht richtig warm. Oft liegt es an der Luft, die in den Heizkreislauf gelangt ist. Zwar arbeitet die Heizungsanlage und das Wasser zirkuliert, aufgrund der Luft wird der Heizkörper aber nicht richtig warm, denn sie macht dem Wasser den Platz streitig – und da Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, wird die Heizung nicht warm.

Genau dieses Problem beseitigt der Entlüftungsprozess. Die Heizung zu entlüften, ist einfach, Sie brauchen dafür keinen Installateur. Mit ein wenig Geschick und einem Entlüftungsschlüssel haben Sie das Problem innerhalb kürzester Zeit selbst beseitigt. Dann haben Sie es in Ihrem Haus wieder gemütlich warm und sparen erst noch Energie.

Was passiert, wenn ich die Heizung nicht entlüfte?

Zum Heizkreislauf gehören neben den Heizkörpern noch Heizkessel, Warmwasserspeicher und Umwälzpumpe. Dieses Heizungssystem ist durch Rohrleitungen verbunden, in denen Wasser die Wärme transportiert. Die Umwälzpumpe hält den Kreislauf in Gang. Insbesondere bei älteren Heizungsanlagen kommt es oft vor, dass Luft in das System gelangt. Aber auch bei neuen Heizungsanlagen tritt dieses Problem auf.

Heizungsanlagen werden mit Warmwasser betrieben, weil es gut leitet, Luft hingegen leitet die Wärme wesentlich schlechter. Gerät Luft in den Heizungskreislauf, verteilt sich das Wasser nur ungleichmässig im Heizkörper. Das beeinträchtigt den Wirkungsgrad der gesamten Anlage, es geht Energie verloren. Ihre Heizungsanlage arbeitet nicht mehr effizient.

Woran erkenne ich, dass ich den Heizkörper entlüften muss?

Gluckern oder Klopfen, Rauschen, Plätschern, ja sogar Jaulen oder Kreischen: Wenn der Heizkörper merkwürdige Geräusche von sich gibt, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass sich Luft im Kreislauf befindet. Zudem wird der Heizkörper nicht richtig warm. Die störende Luft befindet sich immer im oberen Bereich des Heizkörpers. Wenn Sie also feststellen, dass der Heizkörper im oberen Bereich kälter ist als im unteren und der Heizkörper trotz aufgedrehtem Thermostat nur lauwarm wird, ist dies ein weiterer Hinweis dafür, dass Sie die Heizkörper entlüften sollten.

Unter zwei grossen Sprossenfenstern stehen zwei Rippenheizkörper, durch die Fenster blickt man in einen Park.

Egal, ob alter oder neuer Heizkörper, Entlüften sollten Sie immer.

Was benötige ich für die Entlüftung der Heizung?

Zum Entlüften der Heizkörper benötigen Sie nur wenig Werkzeug, allerdings geht es nicht ohne den sogenannten Entlüftungsschlüssel – einen Vierkantschlüssel. Haben Sie keinen Entlüftungsschlüssel im Haus, bekommen Sie ihn in der Regel in jedem Baumarkt. Zudem benötigen Sie ein kleines Gefäss, um das allenfalls entweichende Wasser aufzufangen. Es gibt auch Entlüftungsschlüssel mit integriertem Auffangbehälter.

Das Entlüftungsventil befindet sich meist auf der gegenüberliegenden Seite des Thermostats. Der Entlüftungsschlüssel passt für alle Ventile, es sei denn, in Ihrem Haus ist noch eine sehr alte Heizung installiert. In diesem Fall öffnen Sie das Ventil mit einer Rohrzange.

Anleitung: Heizkörper entlüften Schritt für Schritt

Grundsätzlich können Sie die Heizkörper jederzeit entlüften. Da Ihre Heizung dabei nicht lange ausser Betrieb ist, steht dem Prozedere auch in der kälteren Jahreszeit nichts im Weg. Dennoch werden Sie wahrscheinlich nicht gerade bei zweistelligen Minusgraden zur Tat schreiten. Wenn Sie die Heizkörper entlüften wollen, gehen Sie am besten wie folgt vor:

Schritt 1: Umwälzpumpe abstellen

Als Erstes stellen Sie die Umwälzpumpe ab, diese sitzt direkt am Heizkessel. Nun stoppt die Heizwasserströmung, sodass die Luft nicht mehr im System zirkuliert. Warten Sie 30 bis 60 Minuten, bevor Sie die weiteren Schritte ausführen. So lange dauert es, bis sich die Luft im oberen Teil der Heizkörper sammelt.

Schritt 2: Thermostat aufdrehen

Bevor Sie entlüften, drehen Sie alle Heizkörperthermostate auf die höchste Stufe. Nun erwärmen sich Luft und Wasser im Heizungssystem und dehnen sich aus. So können Sie die Luft später leichter entweichen lassen.

Schritt 3: Entlüftungsventil öffnen

Beginnen Sie mit dem Entlüften im untersten Stockwerk und arbeiten Sie sich dann Stockwerk für Stockwerk nach oben. Meist sitzt das Ablassventil seitlich oben am Heizkörper. Halten Sie am besten einen Lappen bereit, es wird etwas feucht. Mit dem Entlüftungsschlüssel öffnen Sie das Ventil vorsichtig, indem Sie den Entlüftungsschlüssel langsam nach links, also gegen den Uhrzeigersinn drehen. Halten Sie gleichzeitig den Auffangbehälter unter das Ventil. Mit Druck und einem Zischen entweicht nun die Luft aus dem Heizkörper. Drehen Sie das Ventil nicht weiter auf, sondern lassen Sie es in dieser Position. Hier ist Vorsicht geboten, mit der Luft kann heisses Wasser entweichen – deshalb benötigen Sie den Auffangbehälter.

Schritt 4: Entlüftungsventil schliessen

Befindet sich keine Luft mehr im Heizkörper, endet das Zischen und es entweicht nur noch Wasser. Schliessen Sie das Ventil, indem Sie es im Uhrzeigersinn drehen. Gehen Sie zügig vor, denn wenn zu viel Wasser entweicht, müssen Sie es an der Heizungsanlage nachfüllen.

Aus einem Heizkörperventil entweicht Wasser.

Spätestens am Ende des Entlüftungsvorgangs entweicht heisses Wasser über das Heizkörperventil. Halten Sie daher ein Auffanggefäss bereit.

Schritt 5: Umwälzpumpe einschalten

Wenn Sie sich Heizkörper für Heizkörper durch die Stockwerke nach oben gearbeitet haben, können Sie die Umwälzpumpe wieder einschalten, damit das Heizungswasser wieder fliesst.

Schritt 6: Wasserdruck überprüfen

Nun überprüfen Sie im Heizungskeller, ob der Wasserdruck ausreichend ist. Hierzu lesen Sie die Druckanzeige ab, das sogenannte Manometer. Dieses verfügt meist über zwei Zeiger: einen schwarzen Zeiger, der den aktuellen Wasserdruck anzeigt, und einen statischen roten, der die Obergrenze anzeigt. Der Sollbereich ist in der Regel grün markiert. Im Idealfall befindet sich der schwarze Zeiger auf der Skala immer unter dem roten Zeiger und sollte diesen auch nicht überschreiten.

Schritt 7: Wasser nachfüllen

Schalten Sie Ihre Heizung an, bewegt sich der schwarze Zeiger hin zum roten und die Heizkörper werden mit warmem Wasser gefüllt. Wichtig ist, dass der schwarze Zeiger unterhalb des roten stehen bleibt. Sollte die Anzeige nach dem Entlüften der Heizkörper noch zu niedrig sein, müssen Sie Wasser nachfüllen. Denn ist der Wasserdruck im Heizungsbetrieb zu niedrig, wird die Wärme nicht gleichmässig verteilt.

Mehr Komfort: automatisches Entlüftungsventil

Wie Sie sehen, ist das Entlüften der Heizung nicht mit viel Arbeit verbunden. Wenn Sie den Aufwand für das Entlüften der Heizung dennoch reduzieren möchten, sind automatische Entlüftungsventile eine gute Wahl für Sie. Vor allem bei grossen Anlagen mit vielen Heizkörpern spart Ihnen das Zeit.

Ein automatisches Entlüftungsventil erkennt über einen Schwimmer, dass sich Luft im Heizkörper befindet, und öffnet das Ventil, um sie entweichen zu lassen. Kommt der Sensor mit Wasser in Kontakt, schliesst er eigenständig wieder. Sie können die Ventile selber tauschen, der Aufwand ist nicht besonders gross. Günstige Ventile erhalten Sie bereits für rund fünf Franken pro Stück. Alternativ können Sie auch einen Fachbetrieb mit dem Einbau beauftragen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick

Warum muss ich die Heizung entlüften?

Sie müssen Ihre Heizung entlüften, wenn sich Luft im Heizungskreislauf befindet, denn dann funktioniert der Wärmetransport nicht mehr effizient – die Heizung wird nicht mehr richtig warm.

Wie erkenne ich, dass ich meine Heizung entlüften sollte?

Bleibt die Heizung kalt oder gluckert es im Heizkörper, ist wahrscheinlich Luft im Heizungskreislauf und Sie müssen diese entlüften.

Was passiert, wenn ich meine Heizung nicht entlüfte?

Wenn Sie die Heizung nicht entlüften, nimmt der Luftanteil weiter zu, Ihre Heizung heizt immer schlechter und der Raum bleibt kalt.

Wann sollte ich meinen Heizkörper entlüften?

Am besten entlüften Sie die Heizkörper vor Beginn der Heizperiode im Oktober oder November. Gluckert die Heizung während der Heizperiode, entlüften Sie am besten ein weiteres Mal.

Warum muss ich beim Entlüften die Umwälzpumpe ausschalten?

Schalten Sie die Umwälzpumpe aus, wird weder Wasser noch Luft im Heizungskreislauf verteilt. Die Luft sammelt sich oberhalb des Wasserspiegels. So können Sie die Luft über das Heizungsventil leichter entweichen lassen.

Muss der Heizkörper beim Entlüften warm oder kalt sein?

Vor dem Entlüften drehen Sie das Thermostat am Heizkörper auf, damit sich Wasser und Luft ausdehnen und Sie die Luft besser ablassen können.

Was passiert beim Entlüften des Heizkörpers?

Beim Entlüften des Heizkörpers entweicht heisse Luft aus dem Heizkörper und macht Platz für Warmwasser. Ohne diese Luft kann der Wärmekreislauf besser arbeiten und die Heizung effizienter heizen – denn Wasser leitet Wärme sehr viel besser als Luft.

Warum entweicht beim Entlüften auch Wasser?

Mit dem Öffnen des Ventils entweicht Druck aus dem Wasserkreislauf. Da die Luft oberhalb des Wassers liegt, entweicht sie zuerst. Erst wenn alle Luft entwichen ist, drückt sich auch das Wasser hinaus.

Heizkörper entlüften: geringer Aufwand, grosse Wirkung

Luft im Heizkörper verursacht in der Regel nicht nur störende gluckernde Geräusche, sie führt auch zu höheren Kosten, weil der Wasserkreislauf nicht ordnungsgemäss funktioniert. Das Entlüften dagegen ist unkompliziert und schnell erledigt. Mit unserer Anleitung eliminieren Sie die störenden Geräusche, optimieren die Heizleistung und sparen durch das Entlüften auch noch Kosten.

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