Eine Frau bedient ein an der Wand montiertes Tablet. Auf dem Tablet sind ein Regler und einige Buttons zu sehen.
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Bauen und Kaufen

Heizen mit Fernwärme: Funktionsweise, Voraussetzungen und Kosten

Thomas Bott

Bei den meisten Heizungssystemen entsteht die Wärme im eigenen Haus. Dafür kommt es etwa zur Verbrennung von Rohstoffen wie Holz, Öl oder Gas. Auch wer mit Solarenergie heizt, hat die dafür notwendigen Vorrichtungen direkt im und am Haus. Doch es gibt eine grosse Ausnahme: die Fernwärme. Mit ihr beziehen Sie die Wärme von einer grossen Anlage. Das hat einige interessante Vorteile, ist jedoch an gewisse Voraussetzungen gebunden. Diese sind in der Schweiz noch lange nicht in allen Gemeinden erfüllt.

Fernwärme: die Funktionsweise

Kernelemente der Fernwärme sind grosse Erzeugungsanlagen. Wie diese die benötigte Energie erzeugen, ist zum Teil sehr unterschiedlich. Grundsätzlich sind zahlreiche Wärmequellen möglich. So gewinnen sie Wärme etwa aus der Kehrichtverbrennung, der Verbrennung von Holzhackschnitzeln, aus Geothermie, der Abwärme von industriellen Anlagen und vielem mehr. Dabei soll es immer mehr zu einem Einsatz von erneuerbaren Energien kommen. Im Fall einer Kraft-Wärme-Kopplung erzeugen die Anlagen nicht nur Wärme, sondern auch Strom. Diesen speisen sie ins Netz mit ein.

Um die Wärme zu transportieren, kommen bevorzugt isolierte Erdleitungen zum Einsatz. In diesen Fernwärmeleitungen fliesst dann erhitztes Wasser zu einem angeschlossenen Gebäude. Dort steht eine Wärmeübergabestation, die das warme Wasser in die Heizkörper leitet. Bereits abgekühltes Wasser führt das System über eine zweite Fernwärmeleitung zurück zum Erzeuger. Das Fernwärmenetz ist also ein geschlossener Kreislauf zwischen Anlage und Verbraucher.

Voraussetzungen: Das braucht es für Fernwärme

Um Fernwärme nutzen zu können, muss ein entsprechendes Heizkraftwerk in der Nähe sein. Ausserdem ist natürlich ein örtliches Fernwärmenetz notwendig, um das Gebäude anzubinden. Die Leitungen lassen sich dabei nicht selbst verlegen. Der Anbieter muss also zunächst das Fernwärmenetz schaffen. Sie selbst benötigen dann einen Fernwärmeanschluss im Haus und die weiter oben beschriebene Wärmeübergabestation. Ob es Fernwärme an Ihrem Standort gibt, erfahren Sie etwa über die Suchmaske von erneuerbarheizen.ch.

Fernwärme: Das sind die Vor- und Nachteile

Zunächst klingt Fernwärme nach einer vernünftigen Alternative für viele herkömmliche Heizungssysteme. Ist das passende Fernwärmenetz gegeben, kann es das auch sein. Die Vor- und Nachteile im Überblick:

  • Vorteile
  • Nachteile
  • Geringer Platzbedarf beim Verbraucher, weil nur ein Hausanschluss und eine Wärmeübergabestation notwendig sind.
  • Fernwärme eignet sich in erster Linie für dicht bebaute Gebiete. In ländlicheren Gegenden lohnt sich ein Fernwärmenetz meist nicht.
  • Bei einem Wechsel müssen Sie bereits vorhandene Heizkörper meist nicht austauschen.
  • In der Schweiz sind erst rund drei Prozent der Liegenschaften an ein Fernwärmenetz angebunden.
  • Fernwärme lässt sich mit anderen Heizungssystemen wie der Solarthermie kombinieren. Für Verbraucher bedeutet das hohe Flexibilität.
  • Verbraucher sind abhängig vom jeweiligen Anbieter. Ein Wechsel ist kaum bis gar nicht möglich.
  • Die Art der Wärmeerzeugung entwickelt sich stetig weiter. Angeschlossene Liegenschaften profitieren automatisch von Innovationen des Anbieters.
  • Gibt es Probleme mit dem Leitungssystem, betrifft das gleich ein gesamtes Wohngebiet und somit zahlreiche Haushalte.
  • Meist Verbesserung der Ökobilanz einzelner Haushalte durch die Vorteile der kollektiven Energieerzeugung im Vergleich zur individuellen Energieerzeugung. In manchen Fällen steht sogar CO2-neutrale Energie bereit.
  • Kommen Freileitungen zum Einsatz, geht unter Umständen Wärme auf dem Weg verloren. Das beeinflusst die Effizienz negativ.
  • Die Anlieferung per Fernwärmeleitung ist für Verbraucher sicher und sorgenfrei. Sie müssen keine hohen Kosten für die Wartung des Systems einkalkulieren.
  • Im Vergleich zu vielen anderen Heizungssystemen ist der Bezugspreis für Fernwärme keinen grossen Schwankungen ausgesetzt.
Zwei Heizkörper unter zwei Fenstern in kleinen Nischen mit Blick in den Garten.

Wechseln Sie von einem anderen Heizungssystem zur Fernwärme, brauchen Sie die Heizkörper in den meisten Fällen nicht auszutauschen.

Kosten: Damit müssen Sie bei Fernwärme rechnen

Welche Kosten für Sie als Verbraucher am Ende auf der Rechnung stehen, ist stark vom Anbieter und der eigentlichen Erzeugung der Energie abhängig. Die Aufteilung ist in den meisten Fällen jedoch sehr ähnlich: Die Fernwärmeversorgungsunternehmen berechnen einen Grundpreis für die Wartung der Systeme, entstehende Verwaltungskosten und andere feste Ausgaben. Dieser berechnet sich anhand des vertraglich vereinbarten Energiebedarfs. Dazu kommt der eigentliche Arbeitspreis, also die Kosten pro Kilowattstunde (kWh) Energie. Diesen erfahren Sie individuell bei Ihrem Anbieter.

Einmalig kommen ausserdem Kosten für den Anschluss an die Fernwärmeleitungen und die Wärmeübergabestation auf Sie zu. Auch hier ist es kaum möglich, eine allgemeine Aussage zu den Preisen zu machen. Sie selbst müssen sich natürlich um die Heizkörper und die Leitungen im Gebäude kümmern.

Fazit: Fernwärme lohnt sich, wäre da nicht das Problem der Verfügbarkeit

Eine Wärmeversorgung aus der Ferne bietet Kunden viele Vorteile. Sie profitieren als Verbraucher von der Preisstabilität, dem niedrigen Platzbedarf und haben weniger Arbeitsaufwand mit dem Heizsystem. Auch für die Umwelt ist die Fernwärme gut, weil sie meist erneuerbare Energien, Biomasse und das Nebenprodukt Abwärme nutzt. Dem gegenüber steht allerdings das grösste Problem der Fernwärme: die noch sehr geringe Abdeckung in der Schweiz. Drei Prozent der Haushalte des Landes sind nicht viel. Hier muss sich in Zukunft noch einiges bewegen, damit die Fernwärme für Haushalte eine echte Alternative ist.

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