Bauen und Kaufen

Hausanbau: So vergrössern Sie Ihre Wohnfläche

Torben Schröder

Sie haben Nachwuchs bekommen? Sie haben sich selbstständig gemacht und benötigen zusätzliche Bürofläche? Sie wollen Ihren langgehegten Traum vom Wintergarten umsetzen? Oder haben sich einfach im Laufe der Zeit Ihre Ansprüche verändert und Sie empfinden Ihre Räumlichkeiten mittlerweile als zu klein? Das alles sind gute Gründe, Ihre Wohnfläche zu vergrössern. Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, kommen ein Hausanbau und damit ein Zugewinn einiger Quadratmeter in Frage. Wir erklären hier, worauf es ankommt und welche Möglichkeiten Sie haben.

An ein grosses, weisses Wohnhaus ist ein kleineres, schwarzes Gebäude angebaut.
© Getty Images/ James Osmond

In diesem Artikel

Die Planung des Hausanbaus

Ein Hausanbau ist zumindest bei der Konzeption ein ähnlich umfangreiches Projekt wie ein Hausneubau. Besonnenheit, Gründlichkeit und die Hilfe von Experten führen zum gewünschten Ergebnis. Sie sollten sich als Bauherrin oder Bauherr auf jeden Fall über folgende grundsätzliche Dinge im Klaren sein:

  • Der Zweck des Hausanbaus ist definiert. Wenn Sie «einfach nur mal so» anbauen möchten, werden Sie sich verzetteln.
  • Ihr Grundstück verfügt über ausreichend Fläche. Je nachdem, ob Sie in die Länge, in die Breite oder in die Höhe anbauen, muss unter Einhaltung aller Regelungen genügend Platz vorhanden sein. Unter Umständen wird dadurch Ihr Garten kleiner.
  • Die finanzielle Grundlage ist vorhanden. Ein Hausanbau kann sehr teuer werden. Verfügen Sie über genügend Rücklagen? Oder haben Sie die Zusage Ihrer Bank für eine finanzielle Unterstützung erhalten?
  • Sämtliche Genehmigungen sind eingeholt. Ein Hausanbau ist eine bauliche Veränderung und erfordert in der Schweiz eine Baubewilligung.
  • Ein professioneller Architekt leitet den Hausanbau. Ohne die Hilfe von qualifizierten Fachleuten werden Sie schon beim Einreichen des Baugesuchs scheitern.

Im Folgenden gehen wir näher auf ein paar wichtige Faktoren im Zuge der Planungen eines Hausanbaus ein.

Baubewilligung einholen

Man könnte denken, dass ein Haus, dessen Neubau schon einmal genehmigt wurde, keine erneute Baubewilligung benötigt. Das ist jedoch ein Trugschluss, denn die damalige Genehmigung wurde nur für das Haus in der bisherigen Form erteilt. Eine Erweiterung verändert die Immobilie und bedarf einer erneuten Genehmigung.

Auch dieses Projekt muss den Raum- und Bauplanungsgesetzen der Schweiz und den Bauverordnungen der Gemeinde und des Kantons entsprechen. Informieren Sie sich also bei den zuständigen Instanzen und wenden Sie sich frühzeitig an einen Architekten. Dieser wird nicht nur das Hausanbauprojekt leiten und durchführen, sondern er darf auch den Bauantrag einreichen.

Vogelperspektive auf ein im Umbau befindliches Haus.

Ein Hausanbau ist meist ein sehr komplexes und langwieriges Projekt – entsprechend gewissenhaft sollten Sie die Planung angehen.

Architekten wählen

Der Architekt oder die Architektin ist Ihre rechte Hand während Ihres Anbaus und prüft alle baulichen Gegebenheiten, entwickelt entsprechend Ihren Wünschen eine Vorlage für den Anbau und reicht letztendlich auch das Baugesuch bei den Behörden ein. Im Optimalfall kontaktieren Sie denselben Architekten, der auch damals das Haus gebaut hat. Empfehlungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis sind ebenfalls hilfreich. Wenn Sie noch gar keine Idee haben, dann schauen Sie in einer zentralen Datenbank wie jener des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) nach.

Förderung beantragen

Ein Hausanbau ist auch immer eine gute Gelegenheit, weitere Modernisierungs- oder Sanierungsmassnahmen durchzuführen. Bessern Sie zum Beispiel bei der Energieeffizienz nach. Diese Massnahme wird von einigen Institutionen in der Schweiz finanziell bezuschusst. Hier zwei Tipps:

  • Wenn Sie erst einmal wissen möchten, wie es um die Energieeffizienz Ihres Hauses bestimmt ist, dann lassen Sie sie mittels eines Gebäudeenergieausweises der Kantone (GEAK) analysieren. Das Ergebnis ist in die Kategorien A (sehr energieeffizient) bis G (wenig energieeffizient) eingeteilt. Manche Kantone verlangen diesen Ausweis ohnehin im Zuge von Umbauten. Vielerorts wird diese Analyse mit einem Förderbeitrag unterstützt.
  • Eine weitere Anlaufstelle für Fördergelder im Zuge von Sanierungsmassnahmen ist das Gebäudeprogramm. Diese von Bund und Kantonen gemeinschaftlich betriebene Institution setzt sich für die Reduktion des Energieverbrauchs und des CO₂-Ausstosses ein.

Art des Anbaus

In die Länge, in die Breite oder in die Höhe – grundsätzlich stehen Ihnen diese drei Möglichkeiten des Hausanbaus zur Verfügung. Welche Sie wählen, hängt zum einen von der Beschaffenheit Ihres Grundstücks ab, zum anderen auch von den statischen Voraussetzungen des Hauses. Bei einem Anbau werden Wände – sowohl tragende als auch nichttragende – verändert. Im Folgenden stellen wir Ihnen die drei Arten näher vor.

Blick in einen hellen, hohen Raum mit weisser Einrichtung und Glasdach.

Je nach Grundstück und Statik des Hauses können Sie es in die Länge, in die Breite oder auch in die Höhe ausweiten – wie hier mit der mit dem Innenausbau in Form einer neuen Küche.

Verlängerung

Diese Art kommt in Frage, wenn Ihr Grundstück eher schmal, aber dafür recht lang ist. Bei den Anbauarbeiten wird die Frontseite des Hauses beziehungsweise die ursprüngliche Architektur so belassen, wie sie ist. Der grosse Vorteil: Nur auf einer der vier Hausseiten müssen die tragenden Wände bearbeitet beziehungsweise versetzt werden – nämlich auf der hinteren. Verfügt Ihr Haus über einen Keller, kann auch an diesem angebaut werden.

Verbreiterung

Eine recht ungewöhnliche Methode ist die Verbreiterung des Hauses. Zum einen lassen die meisten Grundstücke in einem Einfamilienwohngebiet einen Anbau in die Breite gar nicht zu, da dort ein Nachbargrundstück angrenzt. Zum anderen sind die baulichen Massnahmen sehr aufwendig, zum Beispiel muss das Dach angepasst werden. Weiter ist zu beachten, dass sich die komplette Optik des Hauses von der Frontseite betrachtet verändert.

Aufstockung

Hierbei handelt es sich streng genommen nicht um einen Anbau, sondern um einen Aufbau. Die grösste Herausforderung besteht in der Statik des Hauses. Beim ursprünglichen Bau wurde das obere Stockwerk höchstwahrscheinlich nicht so konzipiert, dass es für eine Aufstockung geeignet ist. Von daher müssen die statischen Voraussetzungen gründlich geprüft werden. Auch die Bebauungsvorschriften müssen eine Aufstockung zulassen. Generell bietet sich diese Massnahme bei Häusern auf engen Grundstücken an.

Massivanbau oder Fertigbau?

Das gängigste Verfahren, ein Haus zu vergrössern, ist der Massivanbau. Er ähnelt vom handwerklichen Vorgehen einem Neubau. So können Sie Ihre ganz individuellen Vorstellungen beim Material und bei der Grösse umsetzen lassen, zum Beispiel als Anbau in Blockbohlenbauweise oder in klassisch gemauerter Art. Der Anbau kann auch ein eigenes Dach bekommen. Neben dem grossen Pluspunkt der Gestaltungsfreiheit bietet ein stabiles Mauerwerk auch Vorteile beim Schall- und Brandschutz sowie bei der Wärmedämmung. Planen Sie für den Massivanbau jedoch sehr viel Zeit ein.

Deutlich schneller und mit geringeren Kosten ist der Anbau mit Raummodulen. Diese vorgefertigten Elemente bestehen zum Beispiel aus Holz oder Leichtbauplatten aus Aluminium. Sie werden in einen Metallrahmen eingefasst und von Fachleuten vor Ort sehr zügig errichtet. Meistens dauert der Anbau nur wenige Tage, da unter anderem die aufwendigen Erdarbeiten entfallen. Wenn notwendig, kann ein Fertigbau genauso schnell wieder abgebaut werden.

Ein Nachteil bei dieser Methode: Sie haben bei der Gestaltung des Anbaus so gut wie keinen Einfluss. Die Module sind hinsichtlich Grundriss, Grösse, Material und Optik vorgegeben. Die Wärme- und Schalldämmung ist wegen der relativ dünnen Wände zudem normalerweise schlechter als bei einem Massivanbau.

Hausanbau mit Holz

Besonders bei uns in der Schweiz ist Holz nach wie vor ein sehr beliebter Baustoff. Auch wenn Sie nicht Besitzer einer urchigen Blockhütte im Grünen sind, sondern einen gemauerten Massivbau in der Stadt bewohnen, kommt eine Erweiterung in Holzbauweise infrage. Aufgrund des relativ geringen Gewichts ist Holz hervorragend mit anderen Materialien kombinierbar und erfüllt zumeist ohne Probleme die statischen Voraussetzungen einer Immobilie. Die Baumassnahmen sind recht günstig und schnell durchzuführen.

Ein Zimmer mit Holzwänden. Durch das grosse Fenster ist eine Bergkulisse zu sehen.

Auch wenn Ihr Haus aus gemauertem Stein errichtet wurde, kann der Anbau aus Holz bestehen.

Ein ungewöhnliches Beispiel für einen Anbau mit Holz zeigt die Lignum – Holzwirtschaft Schweiz. Eine Familie aus Bützberg wollte ihren Wohnraum vergrössern, auf dem relativ engen Grundstück kam jedoch ein klassischer Anbau in die Länge oder in die Breite nicht in Frage. Die Lösung: ein sogenannter Rucksackanbau. Die Architekten dockten an die bestehende Fassade einen «schwebenden» Holzkubus an, der der Familie 50 zusätzliche Quadratmeter Wohnfläche bescherte.

Fazit: nicht umziehen, sondern anbauen

Sie fühlen sich in Ihrem Eigenheim wohl, würden aber trotzdem gern über mehr Wohnfläche verfügen? Dann müssen Sie sich nicht zwingend nach einer neuen Bleibe umsehen. Prüfen Sie, ob Sie nicht einfach an Ihr Haus anbauen können. Ob nach hinten, zur Seite, nach oben oder in Massiv- oder Fertigbauweise – die Optionen sind vielfältig.

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