Gabriela und Reto stehen lächelnd und Arm in Arm vor ihrem Eigenheim am Stadtrand von Winterthur.
© Natascha Vavrina

Bauen und Kaufen

Gabriela und Reto schaffen sich ein buntes Familiennest am Stadtrand

Sira Huwiler-Flamm

Mitten im Grünen und trotzdem im Stadtgebiet von Winterthur haben sich Gabriela und Reto mit ihren drei Kindern einen Familien-Eigenheim-Traum erfüllt – mit bunten DIY-Ideen, nachhaltigem Energiekonzept und ganz viel Platz zum Spielen, Musizieren und Ausprobieren.

Von der Stadt ins Grüne

Seit fast 20 Jahren sind die Kunsttherapeutin und Lehrerin Gabriela (46) und der Masseur und Lehrer Reto (57) ein Paar. Sie lieben es bunt und ungewöhnlich: „Unsere erste gemeinsame Wohnung war ein zu einem Loft umgebauter Hühnerstall mit Atelier-Charakter auf dem Land“, sagt Reto, „gleichzeitig hatten wir eine Stadtwohnung in Zürich mit einer tollen bepflanzten Dachterrasse.“ Doch schon damals träumen die beiden von einem Häuschen im Grünen: „Ein Eigenheim mit grossem Garten, das haben wir uns immer ausgemalt“, so der 57-Jährige.

Doch als junge Eltern von Alea (heute 15) und Silvan (heute 13) bleiben sie aus praktischen Gründen zuerst viele Jahre im alten Dorfkern von Oberwinterthur wohnhaft. „Dort haben wir in einem wunderschönen rund 250 Jahre alten Riegelhaus gelebt“, erinnert sich Gabriela, „das historische Gemäuer haben wir geliebt, das war schon ein Traumhaus, aber eben ohne Land drum herum!“

Als sie 2009 zum dritten Mal Eltern werden – Luano ist heute 11 –, ist beiden klar: „Wir brauchen mehr Platz und wollen endlich ein Familiennest im Grünen – zum Spielen, Toben und zum Entdecken der Natur.“ Sie durchstöbern Kleinanzeigen, finden einen Altbau mit grossem Garten, umgeben von Wald und Wiesen und trotzdem noch im Stadtgebiet von Winterthur. „Das war perfekt, deshalb haben wir sofort zugeschlagen“, sagt Gabriela.

Ein grosses Haus, daneben ist ein Schuppen zu sehen. Rund um das Haus sind Felder, Wiesen und Bäume.

Das Haus der Familie Rüegger steht weit draussen am Stadtrand – quasi mitten in der Natur.

Der Umbau: hell und familientauglich

Im November 2011 gehört das rund 100 Jahre alte Haus ihnen. „Und wir haben sogar eine Hypothek bekommen, die uns jeden Monat weniger kostet und uns für eine längere Zeit Sicherheit bietet“, sagt Reto, „besonders als Familie mit drei Kindern in Ausbildung ist eine stabile Finanzierung über 15 Jahre sehr viel wert. “

Bevor die Familie einzieht, renovieren Gabriela und Reto drei Monate lang und packen dabei selbst kräftig mit an: Urchige Altbauelemente wie hölzerne Fensterrahmen, Türen und eine Massivholztreppe bewahren sie und streichen sie liebevoll an. „Aber die Räume im Erdgeschoss waren eng und düster“, erinnert sich Reto, „deshalb haben wir drei Wände rausgerissen und mit Doppel-T-Trägern stabilisiert, ausserdem einen Durchbruch direkt in den Garten gemacht.“ Nach Abrisshammerlärm, Schweiss und viel Staub kam eine offene, lichtdurchflutete 40-Quadratmeter-Stube mit Wohnküche heraus, die genügend Platz für einen Esstisch, ein Retro-Sofa aus DDR-Zeiten, eine gemütliche Familienkuschelecke und die grosse Instrumentensammlung der Familie bietet. „Hier kann Gabriela am Flügel spielen, Alea Geige üben, Silvan Cello spielen und unser Jüngster, Luano, auf der E-Gitarre Akkorde schmettern“, lacht Reto, „hier ist immer etwas los.“

Eine helle Wohnstube, links ist eine grosse Sofaecke zu sehen, rechts Gabrielas Flügel; im Hintergrund sind grosse Fenster.

Die Wohnstube ist hell und bietet genügend Platz für eine grosse Sofaecke und Gabrielas Flügel.

Eine offene Küche, in der Mitte steht ein Esstisch, links ist die Küchenzeile zu sehen, rechts steht im Hintergrund ein Sofa. Auf der rechten Seite ist eine Terrassentür zu sehen.

Küche und Essbereich sind offen gehalten – in der Ecke steht ein Retro-Sofa aus DDR-Zeiten.

Ein Dachgeschossraum mit Dachschräge: An der Wand steht ein Bett, rechts daneben ein Schreibtisch; darüber ist ein Dachfenster zu sehen.

Auch im oberen Stockwerk ist jetzt alles schön hell – Aleas Zimmer ist dank neuer Fenster lichtdurchflutet.

Im Eltern-Schlafzimmer liegen Gabriela und Reto im Bett; im Vordergrund sitzen ihre drei Kinder in einer Hängematte.

Im Eltern-Schlafzimmer ist Platz für alle fünf Familienmitglieder. Die Eltern liegen im Bett, während es sich die Kinder in einer Hängematte gemütlich machen.

Leben auf der Baustelle: ein Maisonettezimmer für jeden

Im Februar 2012 zieht die Familie in ein noch nicht fertiges Haus: „Dann war erst mal Leben auf der Baustelle angesagt“, erinnert sich Reto und lacht, „aber fertig zu sein, bedeutet Stillstand, das war nie unser Ziel. Wir wollten das Haus Schritt für Schritt nach unseren Bedürfnissen gestalten.“ Und das tun sie: Aus dem Obergeschoss und einem nicht isolierten Estrich werden vier doppelstöckige Schlafzimmer für die drei Kinder und die Eltern. „Jetzt hat jeder sein eigenes kleines Maisonettezimmer“, sagt Reto stolz.

Der Estrich ist isoliert und alle Zimmer wurden mit dreifach verglasten Fenstern ausgestattet. „Alles ist energetisch renoviert und schön hell“, sagt Reto. „Vorher hatte es hier oben ein Fenster nach Osten und eines nach Westen. Endlich hat jeder seinen eigenen gemütlichen Rückzugsort mit Aussicht ins Grüne.“

Zukunft planen: nachhaltig wärmen und renovieren

Schon bei der Renovation des Erdgeschosses spielte der Nachhaltigkeitsgedanke eine wichtige Rolle: „Aus einem Abrisshaus haben wir altes Baumnussparkett gerettet, es selbst abgeschliffen und im grossen Wohnraum verlegt“, sagt Reto, „solche Raritäten wiederzubeleben macht uns Freude!“ Nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch um langfristig Geld zu sparen, investiert die Familie beim Umbau in eine zukunftsfähige Energielösung: „Die alte Ölheizung im Keller haben wir rausgerissen und durch zwölf Photovoltaikpanels, zwei Warmwasserkollektoren auf dem Dach und eine Wärmepumpe ersetzt“, sagt Reto. „Die Anlage versorgt uns mit warmem Nutzwasser und Strom. Nur an kalten Wintertagen beziehen wir zusätzlich Strom für unser Warmwasser.“

Als Eltern sei ihnen beiden sehr wichtig, ihren Kindern einen achtsamen Umgang mit der Umwelt vorzuleben. „Wir sollten die Ressourcen nutzen, die uns die Natur schenkt“, sagt Reto, „deshalb haben wir auch einen Selbstversorgergarten mit über 35 verschiedenen Obst- und Gemüsesorten sowie duftenden Küchenkräutern.“ Auch die Kinder pflegen, giessen und ernten Himbeeren, Bohnen, Birnen und Salat. „Es macht ihnen richtig Spass zu sehen, wie Selbstgesätes wächst und irgendwann erntereif ist“, freut sich Reto. Und auch Hummeln, Bienen, Wildvögel und Igel erfreuen sich an der vielseitigen Blüten- und Früchtepracht.

Die drei Kinder der Familie rennen über die grosse Wiese auf das Haus zu.

Platz zum Toben und Spielen: Die drei Kinder der Familie lieben den Garten und die grosse Wiese ums neue Haus.

Der bunte Familiengarten

„Unser Garten ist im Sommer unser zweites Familienwohnzimmer – zum Leben, Toben und Feiern“, sagt Reto. Auf der grossen Wiese können die Kinder Fussball, Volleyball und Badminton spielen, auf einem Spielturm mit doppelstöckigem Baumhaus klettern oder an einer Seilrutsche durch den Garten sausen. Die Eltern können in einem beheizbaren Badezuber nach getaner Arbeit entspannen. Und alle zusammen grillieren abends gerne an ihrer offenen Feuerstelle.

Und auch im Aussenbereich hat die Familie das eine oder andere Upcycling-DIY-Projekt umgesetzt: „Aus über 120 Wegwerfpaletten und 4000 Schrauben haben wir alle zusammen eine Terrasse gebaut“, so Reto, „in knalligem Meeresblau ist sie der Blickfang unseres Gartens.“ Und nach und nach entsteht noch so viel mehr: „Alea hat zu ihrem Geburtstag mal eine bunte Holzbar gebaut, die jetzt unseren Garten ziert“, sagt Reto. In einer kleinen Werkstatt kann jedes grosse oder kleine Familienmitglied werkeln, tüfteln und eigene DIY-Projekte realisieren.

Die Buben spielen im Garten: Silvan gibt seinem kleinen Bruder Luano auf der Schaukel Schwung; im Hintergrund ist ein Spielturm zu sehen.

Spielturm, Rutsche, Schaukel und Baumhaus – der Garten ist ein wahres Kinderparadies. Silvan gibt seinem kleinen Bruder Luano auf der Schaukel Schwung.

Gemeinsam wohnen, arbeiten und ankommen

„Durch die guten Konditionen unserer Hypothek können wir nach und nach unser Familiennest weiter gestalten und jetzt auch endlich den Schopf zum zweigeschossigen beheizten Atelier ausbauen“, sagt Reto. Denn die Kunsttherapeutin Gabriela soll ihr eigenes kleines, kreatives Reich erhalten. „Ich male grosse Bilder, gestalte Skulpturen, tanze und musiziere“, sagt Gabriela. „Kreativ sein ist für mich sehr meditativ. Ich freue mich schon, wenn die 30 Quadratmeter isoliert, ausgebaut und lichtdurchflutet sind!“ Auch der Rest der Familie wird das Atelier oft als Rückzugsort und für künstlerische Aktivitäten nutzen.

Arbeit und Wohnen rund ums Eigenheim kombinieren kann auch Masseur Reto: „Ich habe ein grosses Zelt blickdicht und im Winter beheizbar zur Massagepraxis umgebaut“, erzählt er. „Beim ersten Besuch sind manche Kunden verwundert – aber sie schätzen die Vogel- und Windgeräusche im Garteniglu und sagen, dass es sich anfühle wie eine Massage am Meer.“

Was für die Familie das grösste Glück am eigenen Haus ist: „Ein Eigenheim ist nie fertig, sondern veränderbar – je nach den Bedürfnissen der aktuellen Lebenslage!“ Was die Zukunft noch bringt, werde sich zeigen. „Wo immer es möglich ist, werden wir nachhaltig planen, zum Beispiel mit weiteren Solarpanels und Erdwärme“, sagt Reto. „Und mit drei heranwachsenden Kindern bleibt es ohne Zweifel bunt, lebendig und dynamisch – das ist auch gut so und das leben wir hier mit Freude und Tatendrang weiter aus.“ Pflegeleichte Tiere, wie etwa Zwerggeissen, könnten irgendwann vielleicht noch mehr Leben in den bunten Garten der Familie bringen.

Als Nächstes lesen

Auf unserer Website verwenden wir Cookies und Analyse Tools um die Nutzerfreundlichkeit auf der Website stetig zu verbessern, damit wir Ihnen einen optimalen Service bieten können und die Werbung für Sie auf unserer Website und Werbepartner zu personalisieren. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Nähere Bestimmungen können Sie unserer Datenschutzerklärung entnehmen.