Bauen und Kaufen

Fenstertypen: Bauarten, Materialien und Verglasungen

Torben Schröder

Wenn Sie sich schon einmal mit dem Kauf von neuen Fenstern für Ihr Haus beschäftigt haben, wissen Sie bereits, wie vielfältig die Auswahl und wie komplex das Thema ist. Für alle Leserinnen und Leser, die noch nicht genau wissen, was sie erwartet, haben wir diesen Artikel erstellt. Er führt Ihnen die verschiedenen Fenstertypen vor Augen – anhand der Bauarten, Öffnungsarten, Materialien und Verglasungen. Zudem zeigen wir Ihnen, welche Funktion Fenster bei der Wärmedämmung übernehmen.

Blick durch ein Fenster mit zwei Flügeln und Holzrahmen.
© Getty Images

In diesem Artikel

Bauarten von Fenstern

Es gibt Fenstertypen, die sich in der Art ihres Einbaus unterscheiden. Diese stellen wir Ihnen hier näher vor.

Einzelfenster

Diese Fensterart ist die gängigste in europäischen Haushalten. Einzelfenster bestehen aus Flügelrahmen und Fensterflügeln und sind fest mit dem Mauerwerk verbunden. Entweder enthält das Einzelfenster nur eine Scheibe oder es sind mehrere Scheiben luftdicht hintereinander eingesetzt.

Doppelfenster

Diese Fensterart enthält zwei separate Einscheibenfenster. Das Innenfenster wird nach innen geöffnet, das Aussenfenster nach aussen. Der entstehende Zwischenraum führt zu einem Plus an Wärmedämmung und Schallschutz.

Verbundfenster

Bei dieser Fensterart handelt es sich um eine Weiterentwicklung des klassischen Doppelfensters. Der Aussen- und der Innenflügel mit jeweils einfacher Verglasung bewegen sich an einem gemeinsamen Drehpunkt – sie sind also miteinander verbunden. Wenn Sie das Fenster öffnen, muss nur einer der beiden Flügel bewegt werden, der andere folgt automatisch.

Öffnungsarten von Fenstern

Den Fenstergriff in eine waagrechte Position bringen, daran ziehen und das Fenster nach innen an einer vertikalen Achse öffnen – diesen Mechanismus kennen Sie. Es gibt aber auch Alternativen, die wir im Folgenden erklären.

  • Feste Verglasung: Dieses Fenster lässt sich überhaupt nicht öffnen und kommt daher meistens nur zu Dekorationszwecken zum Einsatz.
  • Drehfenster: der oben beschriebene Mechanismus. Die Drehachse ist entweder am linken oder am rechten Rand des Flügels angebracht.
  • Kippfenster: ein ähnlicher Mechanismus wie beim Drehfenster, nur dass die Achse horizontal am unteren Rand des Fensters angebracht ist.
  • Klappfenster: gleiches Prinzip wie beim Kippfenster – allerdings ist das Fenster horizontal am oberen Rand fixiert.
  • Dreh-Kipp-Fenster: die gängigste Öffnungsart in privaten Haushalten. Bei waagrecht gestelltem Griff drehen Sie das Fenster nach innen, bei hochkant gestelltem Griff kippt Ihnen der Flügel entgegen.
  • Schiebefenster: Durch das Betätigen des Griffs wird dieses Fenster angehoben oder aus der Führungsschiene geschwenkt – dadurch lässt es sich seitlich verschieben. Schiebefenster kommen bei grossen, bodentiefen Fenstern zum Einsatz. Bei einer zweiten Variante funktioniert der Schiebemechanismus in der Vertikalen.
  • Schwingfenster: Diese Fensterart dreht sich um eine waagrechte Mittelachse, wobei ein Flügel in den Raum hineinragt, der andere hinaus.
  • Wendefenster: Es funktioniert ähnlich wie ein Schwingfenster, nur dass sich die Fensterflügel um eine vertikale Achse drehen.
Blick auf eine grosse Fensterfront eines bewohnten Zimmers.

Fenster haben neben ihrem funktionalen auch einen optischen Aspekt. Hier eine Kombination aus bodentiefem Fenster und einem Dreh-Kipp-Fenster im Holzrahmen.

Material für Fenster

Fensterrahmen sind auf der Aussenseite den klimatischen Bedingungen ausgesetzt – also Nässe, Frost, UV-Strahlen und auch mechanischen Einflüssen wie zum Beispiel bei Sturm umherfliegenden Ästen. Je nach Zimmer herrscht innen eine hohe Luftfeuchtigkeit, zum Beispiel in der Küche und erst recht im Badezimmer. Die Materialbeschaffenheit des Rahmens ist daher ein wichtiger Faktor. Lesen Sie hier mehr zu den Optionen.

Fensterrahmen aus Holz

Als natürlicher Rohstoff ist Holz nicht gerade das robusteste Material. Jedoch kommt es als Wahl für einen Rahmen sehr wohl in Frage. Durch die angenehme Optik ist Holz nach wie vor sehr beliebt – und bei besonders ökologisch denkenden Hausbesitzern geradezu die Pflichtoption.

Damit es den oben genannten Einflüssen möglichst lange standhält, sollten Sie sich für eine geeignete Holzart entscheiden. Als besonders strapazierfähig gelten zum Beispiel Fichte, Kiefer, Lärche, Tanne und Eiche. Sie können auch neue Fenster aus Edelholz wie Ahorn, Erle oder Kirsche wählen. Jedoch altern diese Rahmen schneller und erfordern mehr Pflege. Unabhängig von der Holzart ist das Auftragen von Holzschutz – sowohl innen als auch aussen – unabdingbar.

Fensterrahmen aus Aluminium und Holz

Der Handel hält auch reine Aluminiumfenster für Sie bereit, aber eine besonders spannende Mischung stellt Aluminium und Holz dar. Bei dieser Kombination kommen die technischen Vorteile von Metall und die optischen Vorteile von Holz zum Tragen.

Holz-Alu-Fenster bestehen aus einem tragenden Holzrahmen und einer Aluminiumschale auf der Fassadenseite. Da sich beide Materialien bei Hitze und Kälte unterschiedlich stark ausdehnen, sind sie nicht fest, sondern schwimmend miteinander verbunden. Das bedeutet, dass sie zwar per Dreh-Clip-Halterung ineinander verhakt, jedoch thermisch durch einen Hohlraum voneinander getrennt sind.

So lässt die Aluminiumschale auf der Aussenseite Wind und Wetter abprallen – und Sie erfreuen sich an der warmen Holzoptik auf der Innenseite.

Fensterrahmen aus Kunststoff

Der Klassiker unter den Rahmenmaterialien. Der Preis von Kunststofffenstern ist gering – zudem ist das Material extrem robust gegen äussere Einflüsse und sehr pflegeleicht. Verwitterung und Korrosion spielen keine Rolle; Säure, Abgase und Reinigungsmittel können Kunststoff praktisch nichts anhaben.

Dank der industriellen Fertigung bieten die Hersteller ein grosses Repertoire an Farben und Dekors an. Auch beim Wärme- und Schallschutz weisen Kunststofffenster keine schlechteren Eigenschaften als zum Beispiel Holzfenster auf. Zwei Nachteile sind die etwas kühlere Wohnatmosphäre und die nicht gerade nachhaltige Herstellung.

Nahaufnahme eine Kunststofffensters mit Kunststoffgriff.

Günstig und praktisch: Kunststofffenster mit Kunststoffgriff.

Verglasung

Sie haben sicher schon mal etwas von Einfach-, Zweifach- und Dreifachverglasung gehört. Aber was genau bedeutet das eigentlich? Und welchen Sinn haben Sonnenschutzglas und blickdichtes Glas? Hier klären wir Sie über die verschiedenen Möglichkeiten der Verglasung von Fenstern auf.

Einfachverglasung

Jahrzehntelang wurden Fenster mit nur einer Glasscheibe verbaut. Aus dem einfachen Grund, weil die Hersteller beim Fensterbau keine anderen Techniken kannten. Als diese aber aufkamen und das Thema Energieverbrauch immer mehr in den Vordergrund rückte, wurde klar, dass eine Einfachverglasung nicht mehr zeitgemäss ist. Aus mehreren Gründen.

Das dünne Glas hat zwar einen geringen Preis und lässt viel Licht und Wärme von aussen nach innen durch, aber auch genauso viel Wärme von innen wieder nach aussen. Ihre Heizung muss also viel mehr arbeiten, um das gewünschte Innenraumklima zu halten. Dadurch steigen die Heizkosten unnötig an. Einfach verglaste Fenster bieten zudem einen schlechten Schallschutz und bergen ein grosses Einbruchrisiko, da sie einfacher zu zerstören sind. Bei Neubauten kommt Einfachverglasung heutzutage nicht mehr zum Einsatz.

Isolierverglasung

Diese Konstruktion besteht aus mindestens zwei rund vier Millimeter starken Glasscheiben, die im Abstand von jeweils 8 bis 20 Millimetern durch den sogenannten Randverbund zusammengehalten werden. Die zwischen den Scheiben entstandenen Hohlräume sind meistens mit trockener Luft gefüllt – dieses Prinzip sorgt für einen guten Dämmwert. Werden die Zwischenräume mit Argon oder Krypton gefüllt, vergrössert sich die Dämmwirkung noch einmal, da diese Edelgase Wärme schlechter leiten als Luft.

Wärmeschutzverglasung

Ein neues Fenster mit Wärmeschutzverglasung besteht entweder aus zwei oder aus drei Scheiben. Im ersten Fall auf beiden, im zweiten Fall auf zwei von drei Scheiben sind Metalloxidschichten aufgebracht, die die Wärme zwar von aussen nach innen durchlassen, von innen aber einen reflektierenden Effekt erzeugen. So wird die warme Luft im Raum gehalten. Der Dämmwert bei dieser Verglasung ist noch besser als bei einer Isolierverglasung.

Sonnenschutzglas

Bei dieser Art von Verglasung geht es in erster Linie darum, eine Überhitzung des Zimmers zu verhindern. Hauchdünne Edelmetallschichten, die auf der Innenseite der äussersten Scheibe aufgebracht sind, lassen zwar das Licht wie gewohnt durch, reflektieren aber das nicht sichtbare Infrarotlicht der Sonne und mindern dadurch die Wärmestrahlung.

Blickdichtes Glas

In manchen Räumen wollen wir unsere Privatsphäre bestmöglich wahren. Wenn das betreffende Fenster gegenüber vom Haus des Nachbarn oder zur Strasse hin gerichtet liegt, sollten Sie über den Einbau von blickdichtem Glas nachdenken. Dabei stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten offen.

  • Milchglas erhält durch das Beimischen von speziellen Stoffen beim Schmelzvorgang seine typisch trübe Optik.
  • Die Folie in Verbundsicherheitsglas kann so eingefärbt werden, dass sie keine neugierigen Blicke mehr durchlässt.
  • Eine Variante mit individueller Gestaltungsmöglichkeit bietet Ornamentglas. Bei dessen Produktion werden bewusst geometrische Figuren und Wellen ins Glas eingearbeitet, sodass wir nur noch sehr verschwommen durchblicken können.
Blick auf ein Waschbecken und zwei kleine waagerechte Fenster, durch die man nicht hindurchschauen kann.

Dank der bewusst eingearbeiteten Strukturen in Ornamentglas bewahren wir uns die Privatsphäre im Badezimmer.

Wärmedämmung bei Fenstern

Soeben haben Sie gelesen, dass ein einfach verglastes Fenster eine schlechtere Wärmedämmung bietet als zum Beispiel eine Isolierverglasung mit zwei Scheiben. Die Wärmedämmung bei Fenstern ist physikalisch messbar – und zwar mit dem sogenannten U-Wert, dem Wärmedurchgangskoeffizienten. Er gibt die Anzahl Watt pro Quadratmeter und Kelvin an. Je kleiner der Wert, desto weniger Wärme gelangt durch das Fenster von innen nach aussen. Leistungsstarke Fenster weisen heutzutage einen U-Wert von 1 W/m2K auf. Der Standard nach Minergie-P liegt bei 0,8.

Hier die groben U-Werte der gängigsten Verglasungen im Vergleich.

  • Verglasung
  • U-Wert
  • Einfachverglasung
  • 5–6
  • Isolierverglasung
  • 1–3
  • Wärmeschutzverglasung
  • < 1

Verschiedene Fensterbeispiele

Die Räume in Ihrem Haus und auf Ihrem Grundstück verfolgen unterschiedliche Zwecke und stellen deshalb auch unterschiedliche Anforderungen an die Fenster. Hier geben wir Ihnen Tipps, welcher Fenstertyp passen könnte.

Estrich, Keller, Gartenhaus, Wintergarten

Bei diesen Räumen beziehungsweise Bereichen müssen Sie sich folgende Frage stellen: Sollen sie bewohnt und deshalb auch beheizt werden? Wenn Sie Ihr Gartenhaus nur als Abstellkammer für Geräte und Überwinterungsmöglichkeit für Pflanzen nutzen, dann reichen Fenster mit Einfachverglasung. Wenn Sie es als Rückzugsort für gemütliche Stunden im Winter nutzen möchten, müssen Sie auch hier auf die Wärmedämmung achten. Ein Isolierfenster mit Holzrahmen ist eine gute Wahl.

Badezimmer

Je nachdem, wie das Badezimmerfenster verbaut ist, empfiehlt sich der Einsatz von blickdichtem Glas. Eine Option dabei ist zum Beispiel das sogenannte satinierte Glas. Der undurchsichtige, aber lichtdurchlässige Effekt wird durch eine mechanische oder chemische Behandlung der Glasoberfläche erzeugt.

Wohnzimmer

Im Wohnzimmer wollen wir uns einfach wohlfühlen, nach der Arbeit entspannen, die Sicht nach draussen in unseren Garten geniessen. Bei der Auswahl der Fenster geht es hier weniger um die Funktion als um die Optik. Zudem sollten die Fenster grossflächig sein. Eine Möglichkeit sind sogenannte bodentiefe Fenster. Sie reichen vom Boden bis knapp unter die Decke, schaffen dadurch ein sehr weitläufiges Raumgefühl und lassen viel Licht in das Zimmer. Im Gegenzug sollten Sie sich bewusst sein, dass praktisch kein Sichtschutz vorhanden ist.

Fazit: der richtige Fenstertyp für jeden Zweck

Fenster sind nicht gleich Fenster. Sie unterscheiden sich in der Bauart, bei den Öffnungsarten, beim Material, bei der Verglasung und auch bei der Wärmedämmung. Je nachdem, welchen Raum Sie gerade einrichten wollen, ist der Einbau eines bestimmten Fensters sinnvoll.

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