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Fassade renovieren: So werten Sie Ihr Haus auf

Torben Schröder

Die Fassade ist einerseits das Gesicht und andererseits auch die erste Schutzschicht des Hauses. Deshalb sollte sie immer intakt sein. Durch äussere Einflüsse muss sie jedoch einiges aushalten und verliert im Laufe der Zeit ihre Attraktivität und Funktionalität. Die Farbe blättert ab und es entstehen Risse am Putz. Je nach Defekt ist die Überarbeitung mal mehr, mal weniger aufwendig. Wir klären Sie in diesem Artikel darüber auf, wie Sie als Hausbesitzerin oder Hausbesitzer erkennen, dass etwas gemacht werden muss und welche Massnahmen Sie ergreifen können.

Ein Bauarbeiter kniet auf einem Gerüst und trägt neuen Putz auf einer Hausfassade auf.
© Getty Images

In diesem Artikel

Den Zustand der Fassade prüfen

Was recht gravierend aussieht, bedarf vielleicht nur einer kosmetischen Korrektur. Bevor Sie die grosse Fassadensanierung planen, sollten Sie unbedingt einen Check vornehmen. Ein solcher spart Ihnen unter Umständen viel Geld und Arbeit. Im Folgenden listen wir drei gängige Methoden auf, mit denen Sie den Zustand ganz einfach selbst erfassen können. Spätestens alle fünf bis zehn Jahre sollten Sie diesen Test durchführen – wenn bis dahin keine offensichtlichen Mängel auftreten.

  • Sicht- und Wischtest: Wie sieht die äussere Hülle des Hauses aus? Gibt es Löcher oder Risse? Ist sie von Moos oder Schimmel befallen? Benutzen Sie Ihre Hand und streichen Sie über die Oberfläche. Blättert die Farbe ab? Rieselt der Putz herunter?
  • Klopftest: Ballen Sie Ihre Hand zu einer Faust und klopfen Sie die Oberfläche Zentimeter für Zentimeter ab. Es genügt nur wenig Kraft. Wenn Sie Unterschiede hören, kann das auf einen lockeren Putz hinweisen.
  • Kratz- und Klebebandtest: Kratzen Sie mit einem spitzen Gegenstand über die Oberfläche. Löst sich der Putz, ist er nicht mehr tragfähig. Eine Teststufe weiter geht es mit dem Klebeband. Bedecken Sie die aufgekratzten Stellen mit ein paar Streifen Klebeband und ziehen Sie sie kräftig ab. Auch bei dieser Methode sollte sich nichts von der Wand lösen.

Fassade renovieren oder sanieren?

Zwei Begriffe, die häufig als Synonym verwendet werden, aber dennoch etwas Unterschiedliches beschreiben. Bei einer Renovation geht es in der Regel um die optische Verschönerung eines Raumes oder einer Fläche. Abgenutzte Bauteile werden ausgebessert oder ersetzt. Bei einer Sanierung werden notwendige Baumängel beseitigt. Das kann nur einzelne Stellen, aber auch komplette Gebäude betreffen. Hierbei empfiehlt es sich, eine Fachperson zurate zu ziehen. In diesem Artikel behandeln wir in erster Linie die Fassadenrenovation.

Welche Arten von Fassadenschäden gibt es?

Von einer leichten Farbabblätterung bis zu grossflächigen Abplatzungen am Beton – Schäden an der Fassade können einfach zu renovieren oder aufwendig zu sanieren sein. Hier erläutern wir Ihnen die verschiedenen Formen.

Verschmutzung

Wir kennen das: Man geht spazieren, schaut sich die Häuser auf den Grundstücken an und denkt manchmal «Wie können die ihr Haus nur so verkommen lassen». Bei oberflächlichem Schmutz auf der Fassade handelt es sich nicht um einen Schaden, beheben sollten Sie den optischen Mangel aber trotzdem. Nachdem Sie die Tests durchgeführt und sichergestellt haben, dass die Fassade ansonsten gut in Schuss ist, reicht ein Hochdruckreiniger, um deutliche Besserung herbeizuführen. Im Umkehrschluss können Sie auch erst nach dem Reinigen auf Schäden stossen. Schon deshalb sollten Sie Ihre Hausfassade immer sauber halten.

Ein Mann reinigt mit einem Hochdruckreiniger eine Hausfassade.

Einfach mal testen: Vielleicht reicht schon eine gründliche Reinigung mit dem Hochdruckreiniger, um Ihre Fassade in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Abblättern

Kleinere oder grössere Anstrichteile lösen sich vom Untergrund. Häufig entstehen dabei auch Haarrisse. Die Ursache kann zum Beispiel eine fehlende oder mangelhaft aufgetragene Grundierung, eine zu stark verdünnte Deckschicht oder auch einfach die Witterung sein. Hinter der Farbe kann sich Feuchtigkeit bilden, die sich bei Frost ausdehnt. Diese Makel sind harmlos, solang sie nicht auch die darunterliegenden Schichten betreffen. Sie können im Zuge eines Neuanstrichs einfach behoben werden.

Abplatzungen

Es löst sich der Putz vom darunterliegenden Putzträger. Gründe dafür können Hohlstellen, durch Risse eingedrungenes Wasser und starke Temperaturschwankungen sein. Hierbei handelt es sich nicht mehr um einen Schönheitsfehler – der Schaden sollte so schnell wie möglich behoben werden, sonst weitet er sich unter Umständen auf das Mauerwerk aus.

Rissbildung

Wenn Sie auf der Aussenhülle Ihres Hauses vertikal verlaufende Risse entdecken, sollten sofort die Alarmglocken klingeln. Handelt es sich dabei um einen sogenannten dynamischen Riss, deutet das daraufhin, dass sich Ihr Haus in Bewegung befindet. Diese Risse entstehen an Stellen, wo verschiedene Bauteile oder -stoffe aufeinandertreffen. Sie sind meistens sehr breit und tief und können bei Nichtbehandlung zu massiven strukturellen Schäden führen.

Fassadenschäden beheben: streichen und Putz erneuern

Bei grösseren Abplatzungen, Rissbildungen und strukturellen Mängeln sollten Sie auf jeden Fall eine Fachperson für eine Fassadensanierung zurate ziehen. Entsprechende Ansprechpersonen finden Sie etwa auf houzy.ch.

Streich- und Verputzarbeiten können Sie hingegen im Zuge einer Renovation selbst übernehmen – vielleicht mit der Hilfe von ein paar Freunden oder Verwandten. Im Folgenden geben wir Ihnen einige Tipps mit auf den Weg.

Fassade streichen

Wenn die Reinigung der Fassade nicht ausreicht, der Zustand aber ansonsten passabel ist, kommt ein Neuanstrich in Frage. Wenn Sie sich selbst darum kümmern möchten, sollten Sie auf ein paar Dinge achten:

  • Entfernen Sie Schmutz und abblätternde Teilchen. Helfen Sie gegebenenfalls etwas nach, indem Sie zusätzliche Farbschichten vorsichtig abkratzen.
  • Wenn Sie auf altem Untergrund arbeiten, sollte dieser nicht bröckelig sein. Bessern Sie auf jeden Fall kleine Löcher und Unebenheiten aus.
  • Tragen Sie zunächst eine Grundierung auf, damit die Deckfarbe nicht zu stark aufgesogen wird.
  • Zusammenhängende Flächen streichen Sie in einem Arbeitsschritt. Beginnen Sie bei den Fenstern und in Ecken.
  • Weniger ist mehr – Ihr Farbanstrich darf nicht zu dick sein. Arbeiten Sie lieber nach. Vor dem zweiten Durchgang sollten Sie den Anstrich jedoch einmal komplett trocknen lassen.
  • Achten Sie auf die äusseren Bedingungen: Streichen Sie weder an besonders heissen, noch an kalten oder nassen Tagen.

Hinweis: Achten Sie bei Arbeiten an der Fassade ganz besonders auf Ihre Sicherheit. Haben Sie keine sichere Leiter oder ist Ihre Leiter zu kurz, dann mieten Sie ein Gerüst im Baumarkt.

Der wichtigste Faktor beim Streichen ist natürlich die Farbe. Da Fassadenfarbe jederzeit jeder Witterung ausgesetzt ist, muss sie besonders abriebfest sein. Der Farbton sollte einerseits zum Rest Ihres Hauses, andererseits zum Erscheinungsbild der Umgebung passen. Hier stellen wir Ihnen drei Farbarten näher vor.

  • Silikatfarbe: Um diese Art aufzutragen, benötigen Sie einen mineralischen Untergrund, zum Beispiel Kalk- oder Zementputz. Silikatfarbe ist diffusionsoffen. Das bedeutet, dass sie Luft und Feuchtigkeit kontrolliert aufnehmen und auch wieder abgeben kann. Zudem hat sie eine abweisende Wirkung gegen Algen, Pilze und Schimmel. Hingegen wirkt sie ätzend auf der Haut, ist relativ teuer und die Farbpallette ist vergleichsmässig eingeschränkt.
  • Dispersionsfarbe: Diese Fassadenfarbe hält auf fast allen Untergründen. Ihr pH-Wert ist neutral und damit für die menschliche Haut gut verträglich. Sie gleicht sogar kleine Unebenheiten aus und färbt nicht ab. Die Kosten sind relativ gering. Der Nachteil von Dispersionsfarbe ist, dass sie nur bedingt Schädlingen standhält und nur eingeschränkt diffusionsoffen, also weniger atmungsaktiv ist.
  • Kalkfarbe: Aufgrund ihrer natürlichen Zusammensetzung gilt sie als besonders umweltfreundlich. Alle Komponenten sind biologisch abbaubar. Mit ihrem hohen pH-Wert wirkt sie schimmelhemmend. Der grosse Nachteil ist die Deckkraft. Beim Anstrich sind viele Farbschichten notwendig. Zudem ist sie anfällig für Auswaschungen und Ausbleichen bei hohen Temperaturen.
Nahaufnahme einer Farbrolle, die über eine Hausfassade gestrichen wird. An der Wand ist der Schatten eines Malers zu sehen.

Für den Anstrich einer Hausfassade sind spezielle Farben nötig.

Fassadenputz erneuern

Kleine Risse und Unebenheiten können Sie ohne Weiteres selbst ausbessern. Auch hier geben wir Ihnen ein paar nützliche Hinweise:

  • Meisseln Sie alle hohl klingenden Stellen am Altputz ab. Hier besteht keine feste Verbindung zum Untergrund.
  • Um grosse Flächen oder sogar die komplette Fassade neu zu verputzen, müssen Sie Unebenheiten ausbessern. Hierfür eignet sich Putzmörtel, den Sie mit einem Spachtel auf die entsprechenden Stellen aufbringen.
  • Nicht nur für Deckfarbe, sondern auch für Putz gibt es Grundierungen, sogenannten Tiefengrund. Dieser bietet eine griffige Oberfläche und eine feste Verbindung zum Untergrund.
  • Arbeiten Sie mit einem zweilagigen Putzsystem. Der Unterputz besteht in der Regel aus einem Klebespachtel, der für eine gleichmässig saugende und ebene Oberfläche sorgt. In diesem Klebespachtel sollten Sie zudem noch eine Schicht Armierungsgewebe einarbeiten, dessen Glasfaserstruktur verdichtend wirkt. Der Oberputz hält vor allen Dingen mechanischen Einflüssen stand.

Als Nächstes stellen wir Ihnen verschiedene Putzarten vor.

  • Mineralisch: Dieser Werktrockenmörtel besteht aus hochwertigen mineralischen Rohstoffen wie Kalkstein, Sand, Marmor und Quarz sowie mineralischen Bindemitteln wie Kalk und Zement. Mineralischer Putz hat eine lange Lebensdauer, eine gute Feuchtigkeitsregulierung und ist relativ günstig. Er ist jedoch nicht besonders widerstandsfähig.
  • Kunstharz: auch Dispersionsputz genannt. Seine Vorteile sind die Widerstandsfähigkeit und Wandelbarkeit. Er passt sich sowohl den Oberflächen, auf denen er aufgetragen wird, als auch den klimatischen Gegebenheiten optimal an. Extreme Kälte, grosse Hitze und Feuchtigkeit können ihm so gut wie nichts anhaben. Risse in Kunstharzputz sind nahezu unmöglich. Die nicht vorhandene Diffusionsfähigkeit ist aber auch gleichzeitig ein Nachteil, da das Mauerwerk wenig Luft abbekommt und dadurch die Gefahr für Schimmelbildung erhöht wird.
  • Silikonharz: Silikonharzputz ist eine qualitativ hochwertigere Form von Kunstharzputz. Er ist aufgrund seiner geringen Oberflächenspannung sehr wasserresistent und lässt schädlichen Organismen wie Pilzen, Moos, Algen und Flechten keine Chance. Je mehr Silikone enthalten sind, desto besser ist die Qualität. Im Vergleich mit mineralischem Putz kostet er ungefähr das Doppelte.
  • Silikat: Er besteht aus anorganischen Teilchen, nämlich dem namensgebenden Silikat, und ist der Kompromiss zwischen zwei Putzwelten: diffusionsoffen wie mineralischer Putz und gleichzeitig robust wie Kunstharzprodukte. Meistens enthält Silikatputz einen kleinen Anteil an Dispersionsfarbe, weswegen andere Stoffe an ihm besonders gut haften. Ebenso wie Silikatfarbe benötigt Silikatputz einen mineralischen Untergrund.

Fassadendämmung und Fassadenverkleidung

Je nachdem wie umfangreich die Renovation oder Sanierung Ihrer Fassade ausfällt, lohnt es sich unter Umständen, weitere Arbeiten parallel durchzuführen. Eine Hausfassade ist auch immer ein Faktor, der den energetischen Standard Ihres Hauses bestimmt. Wenn keine oder nur eine unzureichende Wärmedämmung vorhanden ist, haben Sie nun die Chance, nachzubessern.

Für eine optische Aufwertung können Sie die Fassade auch mit einer Verkleidung versehen. Eine urchige Holzoptik, ein robuster Steinmantel, ein edle Metallhaut – in Sachen Material, Farbe und Design stehen Ihnen viele Möglichkeiten offen.

Fazit: wenige Handgriffe für ein gutes Ergebnis

Legen Sie für eine einfache Fassadenrenovation selbst Hand an: Mit einem neuen Farbanstrich oder einem frischen Putz erstrahlt das Äussere Ihres Hauses in neuem Glanz. Wenn Sie strukturelle Schäden am Mauerwerk entdecken, ist möglicherweise eine umfassende Fassadensanierung erforderlich. Wenden Sie sich hierzu an einen Spezialisten.

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