Ein Wohnzimmer mit vielen grünen Topfpflanzen und einer hölzernen Kommode – die Wand ist in einem dunklen Blaugrün gestrichen.
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Farb-Psychologie: Welche Farben tun mir gut?

Sira Huwiler-Flamm

Rot gibt Kraft, dunkles Blau erdet, und Gelb stimmt uns fröhlich – das weiss der Einrichtungsexperte Wolf Dieter Schnurrenberger. Er gibt praxistaugliche Tipps, wie wir die Erkenntnisse der Farbpsychologie nutzen können, um uns rundum wohlzufühlen.

Farbgestaltung: Diesen Einfluss hat sie auf unsere Stimmung

Farben haben erheblichen Einfluss auf unsere Gefühlswelt und sind deshalb zentral bei der Raumplanung», sagt Wolf Dieter Schnurrenberger, der seit über 20 Jahren als Experte für Farbpsychologie und Inneneinrichtung im Kanton Zürich tätig ist. Er berät Menschen und Unternehmen in Einrichtungsfragen und gibt sein Wissen rund um Farbe, Raum und Feng Shui (FRF) seit 2006 in der FRF-Akademie in Wetzikon weiter.

Schnurrenberger weiss: «Farben wirken raumverändernd und beleben Wohnräume.» Dabei lebe jeder tendenziell in seiner eigenen Farbwelt – abhängig von eigenen Erfahrungen mit Farbe und persönlichem Geschmack. Doch egal, ob kräftige Töne oder ruhigere Akzente – es geht stets darum, den Raum samt Möbeln, Böden und Farben in Harmonie zu gestalten. Der Lehre des Feng Shui getreu hat die gesamte Umgebung Einfluss auf den Menschen, weil wir mit ihr in Resonanz stehen.

Für Menschen, die keine besonderen Lieblingsfarben haben und auch eher auf auffällige Farbakzente verzichten wollen, hat der Experte einen Tipp: Damit trotzdem nicht alle Wände eintönig weiss bleiben, empfiehlt der Experte Grau als Abwechslung. Die Farbe steht für Neutralität, Seriosität und Eleganz. «Farbiges Grau», nennt Schnurrenberger das.

Ruhe-Oasen durch Blau-, Grün- und Pastelltöne

Schlafzimmer, Gästezimmer und Badezimmer sollen echte Ruhe-Oasen im Haus sein. Welche Farben sind geeignet? «Ein dunkles Blau vermittelt Ruhe und Tiefe», sagt der Farbexperte. Nicht ohne Grund gibt es für dunkle Blautöne so malerische Bezeichnungen wie Mitternachts- oder Ozeanblau. Das lädt zum Schwelgen, Träumen und Entspannen ein.

Aber auch gedeckte Farben, sanfte Pastelltöne und erdige Grüntöne seien geeignet für Räume, in denen es etwas ruhiger zugehen soll. «Aus der Natur inspirierte Farben erden und beruhigen uns – und vermitteln uns ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrautheit», so Schnurrenberger.

Aber Achtung: Auch das Badezimmer zählt für viele Eigenheimbesitzer/innen als Wellnessoase und Ort der Entspannung. Hier gilt: Besser kein Grün einsetzen. Es erfrischt zwar die Sinne, aber in grünen Räumen wirkt der Teint leicht fahl. Wenn schon Grün, dann sollte ein kräftiger Gelbanteil dabei sein.

Ein Schlafzimmer mit einer Wand in Mitternachtsblau.

Mitternachtsblau an der Wand: Die Farbe, die an die Nacht erinnert, erdet und beruhigt uns – perfekt fürs Schlafzimmer.

Lebendige Wohnräume mit knalligen Tönen schaffen

Ob Küche, Esszimmer oder Wohnstube – Räume, in denen aktiv gelebt, debattiert und kommuniziert wird, vertragen laut Wolf Dieter Schnurrenberger stärkere Töne: «Von Gelb, Orange bis Rot ist alles erlaubt. Gelb wirkt öffnend und fröhlich, während Rot eine kraftvolle, dynamische und kommunikative Wirkung hat.» Weil Gelb und Rot in der Farbpsychologie als kraftspendend und stärkend für das Selbstbewusstsein bekannt sind, eignen sich diese als Akzentfarben auch gut für Büroräume.

Kommen knallige Farben etwa bei einem neuen Möbelstück zum Einsatz, hilft ein Tipp: «Damit etwa das neue peppige Sofa nicht wie ein Fremdkörper oder zu aufdringlich wirkt, sollte man die Farbe im betreffenden Raum immer wieder aufgreifen», rät der Einrichtungsexperte. Das gehe zum Beispiel gut bei den Vorhängen, Teppichen, Kissen oder kleinen Deko-Elementen. Ansonsten sollte man sich in diesem Raum auf neutralere Töne beschränken. Schnurrenbergers Tipp: «Ich empfehle höchstens eine zweite Akzentfarbe, damit das harmonische Bild nicht gestört wird.»

Eine Küche mit knallgelber Wand.

Gelbe Wände sind für belebte Räume wie die Küche gut geeignet – der satte Ton stimmt fröhlich.

Raumwahrnehmung: Optische Illusionen mit Farbe schaffen

Mit Farben erzeugen Sie aber nicht nur Ambiente und Stimmung, sondern schaffen auch optische Illusionen: «Grundsätzlich gilt: Helle Töne und kühle Farben wie Gelb, Grün oder Hellblau lassen Räume grösser erscheinen. Dunkle Farben und warme Töne von Orange bis Rot lassen Wände stattdessen mehr hervortreten und verkleinern den Raum optisch.»

Für die Stirnwand eines langen, schlauchförmigen Flures empfiehlt Schnurrenberger daher einen dunklen Ton, «weil er optisch verkürzt und so die Proportionen ausgleicht.» Und noch einen Trick verrät er: «Streicht man den Sockelbereich eines Zimmers dunkler als den Rest, wird der Raum gegliedert und die Höhe reduziert – man schafft damit eine behagliche Atmosphäre. Niedrige Decken sollten dagegen heller sein als die Wände, dann gewinnt der Raum optisch an Höhe.»

Harmonische Kombinationen von Farbe und Holz

Massivholzmöbel und echte Parkettböden bleiben in der Inneneinrichtung Klassiker mit Haltbarkeit und Charme. Aber passen sie auch zu Farbakzenten an der Wand? Schnurrenberger: «Ja, sehr gut sogar. Holz ist generell mit allen Farben kombinierbar. Besonders harmonisch funktionieren helle Hölzer wie Ahorn, Erle oder Buche in Kombination mit Pastelltönen. Dunkle und stark gemaserte Hölzer wie Nussbaum oder Kirsche passen gut zu kräftigen Farben.»

Im Sinne von Feng Shui richte er sich gerne nach der Natur: «Dort kann man beobachten, welche Farben zusammengehören und gut funktionieren. Helles Buchenholz und hellgrüne Blätter, Kirschholz und rote Kirschen, dunkles Fichtenholz und ein erdiges Grün – das alles funktioniert nicht nur in der Natur, sondern wirkt auch auf den Menschen harmonisch, weil es zusammengehört.»

Total im Trend: Diese Farben sind 2021 angesagt

Gemäss eigener Untersuchungen der FRF-Akademie kann Wolf Dieter Schnurrenberger neben den natürlichen Kombinationen auch Farbmoden ausmachen, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen werden: «Im Trend liegen eher die warmen Farben wie Erd- und Sandtöne, Anthrazit, Violett sowie ein farbiges Grau neben vitalen Akzentfarben wie Karminrot, Orange, Neapelgelb und Silberdistelgrün. Bei den Hölzern dominieren Eiche, Buche, Ahorn und Kirsche.»

Glatter oder rauer Untergrund? Diesen Einfluss hat das auf die Farbwahrnehmung.

Egal, für welche Farben Sie sich entscheiden, wichtig ist es, vorher auch den Untergrund genau anzuschauen. Denn ob die Wand glatt oder strukturiert ist, hat Einfluss auf das Farbergebnis. «Auf strukturierten Wandflächen bricht sich das Licht, wird teils absorbiert und bildet kleine Schattenstellen – die Farben wirken dadurch dunkler», warnt Schnurrenberger. Grosse, ebene und glatte Flächen würden hingegen das Licht reflektieren: «Der gleiche Ton kann deshalb plötzlich viel kräftiger wirken.»

Sein Tipp für Heimwerker: «Vor der Entscheidung für eine Farbe sollten Sie immer eine grössere Farbprobe an Ort und Stelle wirken lassen und erst einmal mehrere Tage bei unterschiedlichen Tageszeiten betrachten. Dann kann die Farbe immer noch etwas aufgehellt oder angepasst werden – je nach Standortwirkung und Geschmack.»

Vater und Sohn malen hochkonzentriert eine Wand an. Der Bub hält einen Pinsel, Papi eine Farbrolle.

Je nach Untergrund und Standort wirken Farben anders. Der Experte empfiehlt Hobby-Heimwerkern, eine grossflächige Farbprobe auf der geplanten Oberfläche zu testen.

Fazit: Was passt zu mir?

Erlaubt ist in der Farbgestaltung vor allem, was gefällt. Wer sich unsicher ist, wählt einen Grauton, wer es knalliger mag, darf auch in die Farbkiste greifen. Aber: Farben haben enormen Einfluss auf unsere Stimmung und Raumwahrnehmung und sollten deshalb mit Bedacht gewählt werden.

Für Menschen, die noch genauer wissen möchten, welche Farben zu ihnen passen, bieten Experten wie Wolf Dieter Schnurrenberger eine farbpsychologische Analyse an. «Dabei berücksichtigen wir vor allem persönliche Lebensgewohnheiten», erklärt er, «die Ergebnisse sind oft verblüffend. Wir haben sogar die Erfahrung gemacht, dass beispielsweise Frühaufsteher oft ein anderes Farbbedürfnis als Langschläfer haben oder lichtempfindliche Menschen ein anderes Bedürfnis als Sonnenanbeter.»

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