Eine Wiese mit violett blühenden Wildkräutern vor hohen Bergen.
© Getty Images / Rosmarie Wirz

Garten

Die 8 besten Tipps: Kräuter pflanzen, trocknen und lagern

Sira Huwiler-Flamm

Einen betörenden Duft nach ätherischen Ölen verströmen der Garten und die Balkonkübel in den warmen Monaten. Wie Rosmarin, Salbei, Oregano und Basilikum üppig blühen und für die kalte Jahreszeit haltbar gemacht werden können, weiss die Aargauer Kräuterexpertin Maja Stürmer.

1. Kräuter anpflanzen: Auf den Standort kommt es an

Seit rund 20 Jahren widmet sich Maja Stürmer aus Mandach AG dem Thema Kräuter. Sie bietet Wildkräuter-Wanderungen und -Kochkurse im Jurapark Aargau an, pflanzt, pflegt und erntet Küchen- und Wildkräuter und verkauft in ihrem Hofladen Maja's Chrüterstübli vom Duftsäckchen über Kräutersalz bis hin zu ätherischen Erkältungssirups alles, was die duftende Welt der Kräuter hergibt.

„Für mich gibt es nichts Schöneres, als an einem Bund frisch gepflückter Kräuter zu riechen“, sagt die 49-Jährige. „Über 2000 Wildkräuter gibt es allein in der Schweiz, dazu noch viele weitere mediterrane Genüsse – da gibt es so viele Düfte und Geschmäcker zu entdecken, dass mir nie langweilig wird“, ergänzt die Expertin. Wilde Arten wie der wilde Majoran, der Dost, der lila blühende Feldthymian und der nach Peterli und Sellerie riechende Geissfuss haben es ihr besonders angetan. „Sie sind pflegeleicht, kommen jedes Jahr und sind ein wahres Geschenk der Natur. Statt sie als Unkraut zu verschreien und auszureissen, kann man sie ruhig mal probieren und stehen lassen“, so Maja Stürmer.

Kräuterexpertin und Biobäuerin Maja Stürmer kniet mit einem Korb vor einem üppigen Kräuterbeet.

Maja Stürmer ist Biobäuerin und Kräuter-Expertin. In Mandach hat sie sich ein duftendes Paradies geschaffen.

Wer selbst Küchenkräuter in seinem Garten anbauen möchte, sollte vor allem auf den Standort und den Boden achten: „Mediterrane Gewächse wie Salbei, Lavendel, Rosmarin und Thymian mögen es sonnig und sandig“, weiss Stürmer. „Wässrigere Pflänzli wie Basilikum, Peterli, Dill und Schnittlauch brauchen es hingegen halbschattig und feucht.“ Pfefferminze wachse fast überall, brauche aber viel Platz, um sich auszubreiten und zu wandern.

Bei für Schnecken anfälligen Kräutern wie Peterli, Basilikum und Dill legt Stürmer Farnblätter, die für Schnecken ungeniessbar sind, um die Pflanzen im Beet. Aber auch das Anpflanzen in Töpfen schütze vor Schnecken: „Am besten gibt man unten Blähton oder Tonscherben hinein – so entsteht keine Staunässe“, rät Maja Stürmer und ergänzt: „Jeden Tag ein bisschen Giessen genügt, damit sich die Kräuter gut entwickeln.“ Mediterrane Kräuter solle man hingegen nur einmal pro Woche mässig giessen.

2. Blühende Kräuter: giftig oder ein Insektentummelplatz?

Wenn Kräuter blühen, entwickeln sie Giftstoffe und werden ungeniessbar – stimmt das? „Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrglaube und eine Frage, die mir oft gestellt wird“, sagt Maja Stürmer. „Manche Kräuter schmecken während oder nach der Blüte anders – aber ungiftig bleiben alle.“

Beim Bärlauch beispielsweise schmecken die Blätter am besten vor der Blüte, die Blüten würden sich für Öl eignen und nach der Blüte seien die Zwiebeln am leckersten. „Pfefferminztee mache ich am liebsten aus Stängeln, Blättern und blühenden Blüten – dann sind die Aromen am intensivsten“, sagt die Expertin.

Die üppigsten Blüten und damit tolle Nahrungsquellen für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge hätten der violett blühende Dost, das knallgelbe Johanniskraut, der weisse Giersch und die dunkel-violett blühenden mediterranen Gewächse Salbei, Lavendel und Rosmarin. „Duft und Anblick sind einmalig – und Sie tun der heimischen Natur etwas Gutes, wenn Sie sich quasi die blühende Wiese auf den Balkon holen“, sagt Maja Stürmer und empfiehlt: „am besten direkt nach der Blüte schneiden, dann wachsen die Kräuter danach üppig weiter.“

Eine Biene sitzt Nektar-schlürfend auf einer violett blühenden Kräuterblüte.

Blühende Kräutersorten sind auch für Insekten wie Bienen und Hummeln ein Genuss.

3. Genuss ernten: So schonen Sie die Pflanze

„Regelmässiges Ernten sorgt dafür, dass die Kräuterpflanzen gedeihen“, sagt Maja Stürmer, „am besten schneidet man mit einer Schere einzelne Äste ab, um die Wurzeln nicht zu beschädigen.“ Wichtig: „Nicht bei Regen oder Frost ernten“, rät die Expertin, „Blätter und Stängel speichern bei feuchtem Wetter viel Flüssigkeit. Bei trockenem Wetter entfalten sich die ätherischen Öle viel besser.“ Mediterrane Gewächse wie Salbei, Rosmarin, Thymian und Lavendel ernte man sogar am besten bei Sonnenschein.

Basilikum, Dill, Peterli und Bohnenkraut werden jedes Jahr neu gesät oder gepflanzt – im Idealfall erst nach den Eisheiligen, also ab Mitte Mai, damit sie nicht erfrieren. Bei mehrjährigen Pflanzen im Beet gilt: „Da mediterrane Kräuter warme Winter gewohnt sind, sollte man diese erst im Frühjahr schneiden – damit sie nicht erfrieren“, rät Maja Stürmer. „Einheimische Sorten wie Dost und Giersch sind hingegen pflegeleicht und unempfindlich.“

4. Gewürzkräuter trocknen: Geduld lohnt sich

Um auch in der kalten Jahreszeit Kräutergenuss aus dem eigenen Garten zu haben, müssen Kräuter haltbar gemacht werden. „Am besten gelingt das, indem man die Kräuter trocknet“, sagt Maja Stürmer. Fehler, die dabei viele machen: zu schnell, zu heiss, zu ungeduldig. „Man kann die Kräuter zwar in der Sonne oder im Backofen bei 80 Grad trocknen, sie verlieren dadurch aber Farbe und ätherische Öle“, weiss die Expertin. „Ich lege die Zweige lieber an heissen Tagen grossflächig auf dem Estrich aus – so bleiben sie aromatisch.“ Wer gerne und oft trocknet, kann das auch mithilfe eines Dörrgeräts oder Trockenautomaten machen. „Das ist in jedem Fall ökologischer als einen Tag lang den Backofen bei 80 Grad laufen zu lassen“, so Maja Stürmer.

Einige Kräuter würden nach dem Trocknen sogar noch intensiver schmecken als frisch: „Das gilt zum Beispiel für Waldmeister, Oregano und Zitronenmelisse“, so Stürmer. Nicht nur Lavendel, sondern auch wasserhaltigere Kräuter wie Pfefferminze könne man zu lockeren Sträussen binden und sie verkehrt herum zum Trocknen aufhängen. „Die ätherischen Öle werden bei vorsichtigem Trocknen behutsam konserviert“, sagt Stürmer. „Aber Achtung: Wenn das Büschel grau und pelzig wird, hat sich ein Pilz eingenistet und es muss in den Abfall. Wenn das Kraut hingegen knuspert, ist es fertig getrocknet.“

Ein Kräuterstrauss hängt verkehrt herum zum Trocknen hinter einem Vorhang in der Sonne.

Locker zu Sträussen gebunden, kann man Kräuter verkehrt herum aufhängen und trocknen – vor aggressivem Sonnenlicht geschützt, erhält man die besten Ergebnisse.

5. Die Lagerung: So bleiben die ätherischen Öle erhalten

Nach dem Trocknen friert sie die Kräuter einen Tag lang ein, um sie langfristig vor Lebensmittelmotten zu schützen. Dann trocknet Maja Stürmer sie noch einmal nach und verstaut dann die zarten Blätter in Baumwollsäckli: „In einem Glas ist die Gefahr zu gross, dass sich Feuchtigkeit und Pilze bilden“, ist sie sicher. Danach verstaut sie die Säckli vor Sonnenlicht geschützt und bei Zimmertemperatur im Küchenschrank.

Portionsweise könne man die Kräuter getrocknet oder frisch auch in Eiswürfelbehältern einfrieren: „So hat man für Pastasaucen, Salate oder Pestos immer in Sekundenschnelle frische Kräuter mit vielen gesunden Inhaltsstoffen parat“, rät Maja Stürmer, die auch Wildkräuter-Kochkurse anbietet.

6. Rezept-Tipps: So gelingen Kräuteressig und -öle

„Sind die Kräuter getrocknet, kann man sie ideal zur Herstellung von aromatischen Essigen oder Ölen verwenden“, schwärmt Maja Stürmer. „Ich liebe es, immer frische Gewürze im Haus zu haben.“

Rezept-Tipp – Kräuteressig: Vier Tassen trockene Kräuter nach Belieben grob hacken und mit einem Liter erwärmtem Weissweinessig übergiessen, dann einen Monat in einer verschlossenen Flasche im Kühlschrank ziehen lassen. Die Kräuter können je nach Geschmack abgesiebt oder in der Flüssigkeit gelassen werden. „Ich liebe zum Beispiel Essig mit Kapuzinerkresse besonders“, verrät Stürmer.

Rezept-Tipp – Kräuteröl: Vier Tassen trockene Kräuter nach Belieben grob hacken und mit einem Liter Öl übergiessen. „Für mediterrane Kräuter verwende ich Olivenöl, für alle anderen Schweizer Rapsöl, weil es länger haltbar ist als Sonnenblumenöl“, sagt Maja Stürmer. Je länger man es bei Raumtemperatur ziehen lässt, desto intensiver ist der Geschmack.

Maja Stürmer bestreicht Brot mit selbstgemachter Kräuterpaste, neben ihr sind frische Kräuter, ein Mörser, Öl und Salz zu sehen.

Genuss pur: Maja Stürmer macht aromatische Kräuter zum Beispiel in Form von Kräuterpaste haltbar – als Brotaufstrich und zum Würzen lecker.

7. Geschenkidee: Kräutersalze und -pasten mit Würzpower

„Extrem einfach und extrem lecker“, so beschreibt Maja Stürmer die Herstellung ihres Bestsellers Kräutersalz. „Dazu mischt man etwa ein Drittel frische Kräuter mit etwa zwei Dritteln Salz – macht man das mit der Küchenmaschine, nimmt das Salz eine herrliche grüne Farbe an.“ Nach etwa einem Monat sind die ätherischen Öle durchgezogen und das Salz kann genossen und auch verschenkt werden. „In hübschen Säckli oder Gläsern macht das als kleines Gastgeschenk oder Mitbringsel etwas her“, weiss die Expertin.

Wer noch mehr Kräuter zum Würzen konservieren möchte, kann auch eine Paste herstellen: Dazu frische Kräuter, wie zum Beispiel Basilikum, mit Salz und Öl mixen, in ein Glas füllen und die fertige Kräuterpaste nach Belieben zum Verfeinern und Würzen von Speisen verwenden. „Ist die oberste Schicht stets mit Öl bedeckt, ist die Paste auch bei Zimmertemperatur ewig haltbar“, so die Expertin. In einem hübschen Gläsli mit Satinband oder Schleife verpackt, ist auch das ein gern gesehenes Geschenk für Freunde und Verwandte.

8. Duftende Deko: Kränze, Stäbe und Sträusschen

Aber Kräuter und Wildkräuter duften und schmecken nicht nur – sie sehen auch toll aus. „Türkränze, Kräuterstäbe und kleine Trockensträussli kann man daraus binden“, rät Maja Stürmer. „Die bringen als Dekoration Landhausflair in die eigenen vier Wände.“

Und mit einem Augenzwinkern verrät sie: „Kräuter haben für viele Menschen auch eine mystische Bedeutung.“ Dem ländlichen Brauchtum nach wirke zum Beispiel die Rose als Dekoration an der Türe harmonisierend, Beifuss biete Schutz vor bösen Mächten, Pfefferminz schaffe Klarheit und Lavendel mache offen für Neues. Und selbst wenn es mit diesem mystischen Brauchtum nicht viel auf sich haben sollte: Gut riechen und aussehen tut es allemal.

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