Hinter mehreren Bäumen brennt ein Haus, von dem nur Reste des Dachstuhls zu sehen sind.
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Bauen und Kaufen

Baulicher Brandschutz für Ihr Einfamilienhaus: Diese Vorschriften müssen Sie beachten

Arne Schätzle

Rund 20 000 Gebäude fangen pro Jahr Feuer, alle 40 Minuten bricht bei uns in der Schweiz gemäss der Statistik der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) ein Wohnungsbrand aus. Wer sein Haus plant und baut, kommt um das Thema baulicher Brandschutz nicht herum.

So ist der bauliche Brandschutz in der Schweiz geregelt

Das eigene Haus bietet Geborgenheit für die ganze Familie, die ihr Zuhause mit Liebe gestaltet und gerne Freunde dorthin einlädt. Diesen Ort wollen wir so gut es geht schützen – und wir müssen es sogar, so bestimmen es die Brandschutzvorschriften.

In der Amtssprache, im Artikel 1 der Brandschutzvorschriften, hört sich das so an: "Die Brandschutzvorschriften bezwecken den Schutz von Personen, Tieren und Sachen vor den Gefahren und Auswirkungen von Bränden und Explosionen. Sie regeln die für diese Zielsetzung erforderlichen Rechtsverbindlichkeiten."

Um den baulichen Brandschutz von Gebäuden kümmern sich in der Schweiz gleich zwei Institutionen: Die Kantone erlassen die massgebenden Gesetze, Vorschriften, Verordnungen, Erlasse, Vollzugsbestimmungen und Richtlinien. Zudem erarbeitet die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen die Brandschutzvorschriften. Als Dachorganisation der 19 Kantonalen Gebäudeversicherungen der Schweiz ist die VKF die Koordinationsstelle für Brandschutz und Elementarschadenprävention.

Tatsächlich sind die Brandschutzbestimmungen kein Thema, das sich einem im Vorbeigehen erschliesst: Die Vorschriften sind nicht gerade leichte Lektüre. Aber keine Sorge, wir leiten Sie durch den Paragraphendschungel, damit Sie gut informiert sind und bestens vorbereitet in die Planungen und Abstimmungen mit Architekten und Bauplanern gehen können.

Federführend bei den baulichen Brandschutzvorschriften: die VKF

Die Brandschutznormen der VKF regeln die spezifischen Anforderungen an den Brandschutz und sind in allen Kantonen rechtlich verbindlich. Zuletzt hat die VKF die Brandschutzregelungen im Jahr 2015 überarbeitet. Die kompletten Richtlinien können Sie auf der Website der VKF einsehen und als PDF-Dokumente herunterladen.

Einfamilienhäuser: nur wenige Brandschutzvorschriften

Die Brandschutzvorschriften orientieren sich immer an der Nutzung und der Grösse des Gebäudes. Das klingt plausibel: Für Einfamilienhäuser gelten andere Brandschutzmassnahmen als in einem Industriebetrieb oder in einem Hotel.

Einfamilienhäuser, egal ob freistehend, angebaut oder ein Reiheneinfamilienhaus, gehören in die Kategorie der «Gebäude mit geringen Abmessungen». Die gute Nachricht für Häuser dieser Klasse lautet: Sie müssen nur wenige Brandschutzanforderungen erfüllen.

So werden an den Feuerwiderstand des Tragwerks sowie an Türen, Treppen und Korridore keine besonderen Anforderungen gestellt. Sie dürfen alle Baustoffe verwenden, die zugelassen sind. Ausgenommen sind lediglich Räume mit einem sogenannten erhöhten Brandrisiko. Das ist in der Regel der Heizungsraum. In den offiziellen Bestimmungen spricht man in diesem Fall von Räumen, «in denen Feuerungsaggregate mit festen Brennstoffen wie Schnitzel- oder Pelletheizungen aufgestellt sind». Diese müssen mindestens mit Baumaterialien nach Feuerwiderstand «EI 30» abgetrennt werden. Was das genau bedeutet, erklären wir im Folgenden.

Ein Einfamilienhaus mit modernem Anbau.

Ob freistehend, mit Anbau oder als Reihenhaus: Einfamilienhäuser gehören in die Kategorie «Gebäude mit geringen Abmessungen», für die nur geringe Brandschutzanforderungen gelten.

Diese Brandschutzvorschriften gelten für Baustoffe

Was bedeuten die genannten Vorschriften nun für Sie als Bauherrin oder Bauherr? Sie dürfen grundsätzlich alle zugelassenen Baustoffe verwenden. Die Baustoffe sind in Brandverhaltensgruppen eingeteilt, die mit «RF» abgekürzt werden – vom französischen «réaction au feu». Massgeblich bei dieser Einteilung sind die Entzündbarkeit, die Flammenausbreitung und die Wärmefreisetzung.

  • Brandverhaltensgruppe
  • Brandbeitrag
  • RF1
  • kein Brandbeitrag (zum Beispiel Glas, Beton, Gips)
  • RF2
  • geringer Brandbeitrag (zum Beispiel Eichenholz, brandschutzbehandelte Stoffe)
  • RF3
  • zulässiger Brandbeitrag (zum Beispiel die meisten anderen Holzarten)
  • RF4
  • unzulässiger Brandbeitrag (zum Beispiel Holzspäne, Karton)

Sie dürfen also beim Hausbau die Materialien mit Brandverhalten RF1 bis RF3 verwenden. Daneben gibt es weitere Klassifizierungen nach Korrosivität, Rauchentwicklung und brennendem Abtropfen oder Abfallen.

Wenn Sie einmal genau nachschauen möchten, welche Baustoffe in welche Kategorie fallen, finden Sie alle von der VKF anerkannten Produkte wie Baustoffe, Bauteile, Feuerungsaggregate und Fachfirmen im schweizerischen Brandschutzregister der VKF.

Brennverhalten von Baustoffen

Neben der Einteilung in RF werden Baustoffe nach ihrem Brennverhalten in die Brennbarkeitsgrade 3 bis 6 eingestuft. Massgebend sind die Zündbarkeit und die Abbrandgeschwindigkeit. Die Brennbarkeit nimmt von der Klassifikation 6 nach Klassifikation 3 zu. Materialien, die besonders leicht entzündbar sind und äusserst rasch abbrennen (Brennbarkeitsgrade 1 und 2), sind nicht als Baustoffe zugelassen und dürfen grundsätzlich nicht verwendet werden. Die Brennbarkeitsgrade 3 bis 6 kennzeichnen das folgende Brennverhalten:

  • Brennbarkeitsgrad
  • Brennverhalten
  • Brennbarkeitsgrad 3
  • Baustoffe, die leicht entzündbar sind und ohne zusätzliche Wärmezufuhr selbstständig und rasch abbrennen
  • Brennbarkeitsgrad 4
  • Baustoffe, die normal entzündbar sind und ohne zusätzliche Wärmezufuhr während längerer Zeit selbstständig weiterbrennen
  • Brennbarkeitsgrad 5
  • Baustoffe, die schwer entzündbar sind und nur bei zusätzlicher Wärmezufuhr langsam weiterbrennen oder verkohlen. Nach dem Verschwinden der Wärmequelle müssen die Flammen nach kurzer Zeit erlöschen und das Nachglimmen muss aufhören.
  • Brennbarkeitsgrad 5 (200 °C)
  • Baustoffe, welche die Anforderungen des Brennbarkeitsgrades 5 auch bei einer erhöhten Umgebungstemperatur von 200 °C erfüllen
  • Brennbarkeitsgrad 6q
  • Baustoffe, die zwar einen geringen Anteil an brennbaren Komponenten aufweisen, aber nicht entzündbar sind und für die Belange der Praxis als nicht brennbar bewertet werden. Für diese Bewertung ist ein spezieller Nachweis erforderlich.
  • Brennbarkeitsgrad 6
  • Baustoffe ohne brennbaren Anteil, die nicht entzündbar sind und auch nicht verkohlen oder veraschen

Neben den Baustoffen sind auch ganze Bauteile (zum Beispiel Stützen, Wände oder Türen) in Kategorien eingeteilt. Ihre sogenannte Feuerwiderstandsdauer wird mit dem Buchstaben R abgekürzt und um eine Zeitangabe in Minuten ergänzt. Mit R60 wird so beispielsweise eine Säule bezeichnet, die im Brandfall mindestens 60 Minuten ihre Tragfähigkeit behält. In der gleichen Art bezeichnet der Buchstabe E die Dichtigkeit gegen Rauch und der Buchstabe I die Isolationsfähigkeit eines Bauteils – beide ebenfalls mit einer Zeitangabe versehen. Die Kennzeichnung eines Bauteils lautet also beispielsweise REI 60-RF1.

Mit diesen drei Angaben wissen Sie nun, wie es um die Brandeigenschaften eines Baustoffes oder eines Bauteils bestellt ist.

Baustoffe: So verbessern Sie den Brandschutz in Ihrem Einfamilienhaus

Sie dürfen also beim Hausbau alle zugelassenen Baustoffe verwenden, dazu zählen selbst Baustoffe, die als «leicht brennbar» gelten. Allerdings können Sie als Bauherrin oder Bauherr die Brandschutzmassnahmen freiwillig erhöhen. So können Sie für alle trennenden Bauteile – Türen, Wände und Decken – Baustoffe mit erhöhtem Feuerwiderstand verwenden, damit sich das Feuer im Brandfall nicht ungehindert ausbreiten kann.

Selbst für Küchen, in denen durch den Herd ein erhöhtes Brandrisiko besteht, gelten keine besonderen Brandschutzanforderungen. Dennoch ist es ratsam, umliegende Wände und Installationen auf einen erhöhten Feuerwiderstand auszulegen. Zudem sind in Wohnhäusern weder Feuerlöscher noch Sprinkleranlagen, Blitzschutz und Brandmeldeanlagen vorgeschrieben. Auch hier können Sie freiwillig zusätzlichen Schutz für sich und Ihre Familie schaffen.

Um einen optimalen Brandschutz sicherzustellen, klären Sie daher am besten mit Ihrem Architekten oder Bauunternehmer bereits im Vorfeld die detaillierten bauphysikalischen Eigenschaften der Baustoffe und der Konstruktionselemente.

Weitere Vorschriften für den baulichen Brandschutz im Einfamilienhaus

Für den baulichen Brandschutz gelten folgende Vorschriften:

1. Brandschutzabstände

Die geforderten Brandschutzabstände sind abhängig von den Baustoffen der äussersten Schichten der Aussenwandkonstruktion. Grundsätzlich gilt: Je nach Brennbarkeitsgrad der Baustoffe erhöht sich der Abstand zum Nachbargebäude. Er beträgt:

  • vier Meter, wenn beide äussersten Schichten aus Baustoffen der Kategorie RF1 bestehen
  • fünf Meter, wenn eine der beiden äussersten Schichten aus brennbaren Baustoffen besteht
  • sechs Meter, wenn beide äusseren Schichten aus brennbaren Baustoffen bestehen

Ist das Nachbargebäude höher als elf Meter oder werden darin gefährliche Stoffe gelagert beziehungsweise verarbeitet, müssen die Brandschutzabstände ebenfalls erhöht werden.

Bei Mehrfamilienhäusern ist jede Wohnung als individueller Brandabschnitt zu betrachten und mit adäquaten Schutzmassnahmen zu versehen.

2. Heizungen, Öfen und Cheminées

Cheminées, Kachelöfen, Speicheröfen oder Schwedenöfen dürfen Sie in allen Räumen aufstellen, sofern sie den jeweiligen Raum beheizen. Zu Dekorations- oder anderen Zwecken dürfen sie allerdings nur in Küchen oder Wohnzimmern stehen. Öl- und Gasheizungen sind hingegen in allen Räumen erlaubt – unabhängig von ihrer Nutzung. Holzschnitzel-, Pellet- oder Stückholzheizungen müssen in einem separaten Raum mit einem Feuerwiderstand von mindestens EI 30 platziert werden. Dieser Raum darf aber auch für andere Zwecke genutzt werden, beispielsweise als Hobbyraum oder Waschküche.

Eine Frau sitzt auf einem braunen Ledersofa; sie ist in eine Decke gewickelt und hält eine Tasse in der Hand. Im Hintergrund ist ein prunkvoller Cheminée zu sehen.

Cheminées, Kachelöfen, Speicheröfen oder Schwedenöfen stellen stets eine potentielle Brandgefahr dar und sind daher nur erlaubt, wenn Sie zum Heizen genutzt werden. Lediglich in Küchen oder Wohnzimmern dürfen Sie zu Dekorationszwecken aufgestellt werden.

3. Abluft in der Küche

Hier gilt: Abluftleitungen von Dunstabzugshauben müssen mit Baustoffen der Kategorie RF1 ausgeführt werden. In dem Rohr der Dunstabzugshaube befindet sich in der Regel eine Brandschutzklappe als Absperrvorrichtung. Diese soll verhindern, dass sich ein Brandherd über die Lüftungsanlage verbreitet.

Wenn eine solche, von der VKF anerkannte Absperrvorrichtung in die Abluftleitungen eingebaut ist, müssen die Leitungen hinter der Absperrvorrichtung mindestens aus Baustoffen der Kategorie RF3 (cr) bestehen. Der Zusatz «(cr)» bezeichnet dabei Baustoffe, die aufgrund ihrer Rauchentwicklung, brennendem Abtropfen oder hoher Korrosivität ein kritisches Verhalten zeigen.

Wird die Abluft über Dunstabzugshauben der Luftaufbereitung zurückgeführt, ist unmittelbar nach der Dunstabzugshaube eine VKF-anerkannte, geeignete Absperrvorrichtung einzubauen.

4. Solaranlagen

Auf Flach- oder Steildächern dürfen Sie Solaranlagen, also Photovoltaikanlagen und Sonnenkollektoren zur Warmwasseraufbereitung, ohne zusätzliche Brandschutzmassnahmen montieren, wenn

  • die äussere Schicht der Solaranlage nicht brennbar ist
  • das Dach den gültigen Brandschutzvorschriften entspricht

Für Solaranlagen, die im Dach integriert sind, gelten die Anforderungen an Bedachungen und Aussenwandkonstruktionen. Ein besonderes Augenmerk sollten Sie hier zudem auf die Verlegung der elektrischen Leitungen legen, um die Brandgefahr zu minimieren. Grundsätzlich müssen elektrische Installationen gemäss Niederspannungsinstallationsnorm (NIN 2015) SN 411000 ausgeführt werden.

5. Brandschutzabstände und Nebenbauten

Bei Einfamilienhäusern bildet beinahe das ganze Haus einen einzigen Brandabschnitt. Auch mit einer Einliegerwohnung gilt es in der Regel nicht als Mehrfamilienhaus, sondern bleibt brandschutztechnisch ein Einfamilienhaus.

Innerhalb eines Grundstücks sind zwischen Nebenbauten, anderen Gebäuden und Anlagen keine Brandschutzabstände vorgeschrieben. Als Nebenbauten gelten eingeschossige Gebäude wie Fahrzeugunterstände, Garagen, Gartenhäuser, Kleintierställe oder Kleinlager.

Gegenüber Gebäuden auf fremden Grundstücken müssen Sie hingegen einen Brandschutzabstand von vier Metern einhalten. Mehrere Nebenbauten sind untereinander von Brandschutzabständen befreit, sofern die zusammenhängende Arealfläche 150 Quadratmeter nicht übersteigt. Werden allerdings zwei Gebäude durch einen Nebenbau verbunden, müssen Sie Brandabschnitte bilden.

6. Qualitätssicherung und Übereinstimmungserklärung Brandschutz

Als Einfamilienhaus gehört Ihr Gebäude in die Qualitätssicherungsstufe 1 (QSS). Der Aufwand für die Qualitätssicherung ist in den meisten Fällen gering. In der Regel übernimmt der Gesamtleiter des Bauvorhabens die Aufgaben des QS-Verantwortlichen Brandschutz.

Eine Übereinstimmungserklärung ist allerdings bei allen Qualitätssicherungsstufen QSS 1 bis QSS 4 notwendig, also auch bei Einfamilienhäusern. Die Erklärung wird vom QS-Verantwortlichen Brandschutz vor Bezug des Gebäudes unterzeichnet und der Brandschutzbehörde und den Eigentümern abgegeben. Mit ihr wird der Brandschutzbehörde und den Eigentümern bestätigt, dass alle nötigen baulichen Brandschutzmassnahmen umgesetzt worden sind, dass die Brandschutzeinrichtungen einwandfrei funktionieren und dass die Instruktion der Nutzer bezüglich Betrieb, Wartung und Unterhalt der Brandschutzeinrichtungen erfolgt ist.

Hier finden Sie eine Vorlage für die Übereinstimmungserklärung.

Tragwerke, Garagen und Fluchtwege: nur geringe Vorschriften

Für die folgenden Bereiche gibt es keine weitreichenden Anforderungen:

  • Tragwerke: An den Feuerwiderstand von Tragwerken werden keine Anforderungen gestellt. Dies gilt auch für Untergeschosse und eine zugehörige Einliegerwohnung.
  • Flucht- und Rettungswege: An Türen, Treppen und Korridore innerhalb eines Einfamilienhauses werden keine Anforderungen gestellt. Lediglich die maximale Länge des Fluchtwegs zu einem Ausgang ins Freie ist mit 35 Metern beziffert.
  • Einstellräume für Motorfahrzeuge: An Garagen oder “Räume zum Einstellen von Motorfahrzeugen”, so der technische Begriff, die innerhalb des Gebäudes liegen oder angebaut sind, werden keine Anforderungen gestellt.

Auch wenn die Vorschriften im Vergleich zu grossen Gebäuden eher überschaubar sind, müssen Sie als Hausbesitzerin oder Hausbesitzer die bestehenden Anforderungen erfüllen und abwägen, welche freiwilligen Massnahmen Sie zusätzlich treffen möchten. Setzen Sie sich rechtzeitig mit Ihrem Architekten oder Bauunternehmer bezüglich des Brandschutzes in Verbindung – mit diesem Überblick haben Sie sofort die Themen parat, über die Sie sich austauschen sollten.

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