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Balkonplatten: Voraussetzungen, Typen, Vorteile

Torben Schröder

Ein nackter Betonuntergrund auf dem Balkon wirkt oft unattraktiv und ist nicht gerade angenehm beim Betreten – besonders barfuss. Balkonplatten werten sowohl die Optik als auch das Wohlgefühl auf. Das Angebot ist sehr gross und vielfältig, von einfachen Holzfliesen bis zu schweren Natursteinplatten. In diesem Artikel geben wir Ihnen Tipps, was Sie bei den einzelnen Materialien beachten sollten.

Eine junge Frau sitzt auf einem Balkon in einem Stuhl, ein Hund liegt daneben.
© Getty Images

In diesem Artikel

Die statischen Voraussetzungen des Balkons prüfen

Das Fundament von Balkonen an typischen Mehrfamilienhäusern bildet in der Regel eine standardisierte Stahl- oder Betonkonstruktion, deren Statik Einschränkungen mit sich bringt und meistens auch nicht verbessert werden kann. Ein Standard-Balkon hat eine Traglast zwischen 300 und 500 Kilogramm. Ein schwerer zusätzlicher Balkonbelag würde die Tragfähigkeit der gesamten Balkonkonstruktion und der Balkonbodenplatte negativ beeinflussen und scheidet in diesem Fall aus.

Bei Einfamilienhäusern, gerade bei einem Neubau, können Sie als Bauherr hinsichtlich der Statik Einfluss nehmen und eine massivere Konstruktion einplanen, die das Verlegen von schweren Balkonplatten zulässt.

Im Folgenden zeigen wir Ihnen Möglichkeiten, wie Sie Ihren Balkonboden optisch ansprechend und angenehm begehbar machen.

Balkonplatten aus Holz: wohnlich und warm

Der Baustoffklassiker schlechthin ist auch eine Option für den Balkon. Ein Holzboden sorgt für ein urchig heimeliges Gefühl, ist vielseitig einsetzbar und passt zu jedem Stil des Hauses beziehungsweise des angrenzenden Zimmers.

Für den Untergrund auf einem Balkon gilt: Je robuster die Holzart, desto besser, denn sie sollte möglichst wetterfest sein. Als optimale Lösungen gelten Hartholzarten wie Eiche oder Esche. Weichere Hölzer wie Kiefer und Douglasie funktionieren ebenfalls, wenn sie ausreichend imprägniert sind. Eine Alternative sind Tropenhölzer wie Mahagoni, Teak oder Bangkirai. Der Vorteil der Hölzer: Sie sind sehr wetter- und pilzresistent.

Die gängigste Form für einen Balkonboden aus Holz sind Fliesen. Mit ihren kompakten Massen passen Holzfliesen im Prinzip auf jede Fläche. Sie bestehen aus Holzquadraten, die auf einer netzartigen Unterkonstruktion aus Kunststoff verschraubt sind. Diese dient als Drainage und lässt Regenwasser problemlos abfliessen.

Ein grosser Vorteil ist, dass Sie die Holzfliesen ohne weitere Vorbereitungen auf einen vorhandenen Betonboden auflegen können. Wenn notwendig, lassen sie sich ebenso rasch auch wieder entfernen, ohne am Untergrund Spuren zu hinterlassen. Aber Achtung: Da das Geflecht aus den letztendlich zusammengesteckten Holzfliesen recht starr ist, darf der Balkonuntergrund vor dem Verlegen keine Unebenheiten aufweisen, um die Fliesen nicht zu beschädigen. Mit Nivelliermasse aus dem Baumarkt schaffen Sie Abhilfe.

Ein Produkt aus dem Handel: Die My-Home-Klick-Fliese trägt den Clou schon im Namen. Dank einem simplen Klicksystem verbinden Sie die 30 x 30 Zentimeter grossen und 2,4 Zentimeter hohen Fliesen aus Akazienholz sehr schnell miteinander. Der Quadratmeterpreis bei Coop Bau+Hobby beträgt 50.45 Franken (Stand: 15. Dezember 2020).

Zwei Kinder sitzen auf einem Balkon und essen Radieschen.

Holzfliesen – sogenannte Klickfliesen – verleihen Ihrem Balkon eine wohnliche Atmosphäre.

Balkonplatten aus WPC: pflegeleicht und langlebig

Wood Polymer Composite – oder kurz WPC – ist ein Verbundmaterial aus 70 bis 80 Prozent Holz und 20 bis 30 Prozent Kunststoff. Es kombiniert die besten Eigenschaften beider Materialien. So ist es typisch für Kunststoff feuchtigkeitsbeständig, robust, rutschfest und splitterfrei. Zudem hält sich der Pflegeaufwand in Grenzen. Die Oberfläche wirkt mit einer Maserung sehr naturbelassen und besitzt eine angenehme Haptik.

Sie erhalten WPC in der Regel als grossflächige Bretter, die im Bootssteg-Look angeordnet werden. Wasserdichte Bahnen aus Bitumen bilden die erste Schicht auf dem Balkonboden. Darauf montieren Sie eine längs ausgerichtete Unterkonstruktion aus Aluminiumschienen und Stelzfüssen. In Querrichtung legen Sie dann die WPC-Dielen aus und befestigen diese.

Ein Produkt aus dem Handel: Eine etwas kompaktere WPC-Variante für den Balkon ist die Klickfliese von Gfellex, die direkt auf dem Untergrund per Stecksystem verlegt wird. Eine dieser 30 x 60 Zentimeter grossen Fliesen besteht aus vier optisch miteinander verbundenen Leisten. Die Kosten betragen 9.70 Franken pro Stück (Stand: 15. Dezember 2020).

Blick auf einen dunkel gefliesten Balkon mit vielen Pflanzen und einem Hochteich.

Optisch wie Holz, haptisch wie Kunststoff: Ein Bodenbelag aus WPC vereint die Vorteile zweier Materialien.

Balkonplatten aus Keramik: robust und wandelbar

Eine oft gehörte Frage: «Was genau ist eigentlich Keramik? Ich kenne das nur aus meinem Badezimmer». Die Antwort: Hierbei handelt es sich um Material, das hauptsächlich aus Ton, Lehm und Wasser besteht. Diese Mischung wird gewaschen, gemahlen, über mehrere Stunden getrocknet und anschliessend in die gewünschte Form gebracht. Der letzte Schritt ist das Brennen bei hohen Temperaturen von mehr als 1000 °C. Durch diesen Prozess ist das fertige Produkt extrem robust und eignet sich bestens als Balkonboden.

Dank der industriellen Herstellung können Keramikplatten beliebige Farben annehmen und viele Strukturen imitieren, zum Beispiel von Naturstein und Holz. Weitere Vorteile: Sie sind rutschfest und pflegeleicht, da sie nur geringe Mengen an Wasser aufnehmen.

Beim Verlegen spielt der Untergrund eine wichtige Rolle. Um spätere Frostschäden zu vermeiden, müssen Sie eine Feuchtigkeitssperre errichten, zum Beispiel in Form eines Dichtanstrichs. Ist Ihr Balkon zu den Seiten hin offen, empfehlen wir einen Regenschutz aus Folie oder Holz. Mit einem Spezialkleber befestigen Sie die Platten auf dem Untergrund. Planen Sie Abstände ein, die Sie später verfugen.

Ein Produkt aus dem Handel: Die Terrassenplatte Payitaht, erhältlich bei Mosafil, ist trotz ihres Namens nicht nur für das Verlegen auf einer Terrasse geeignet. Sie entspricht der sogenannten Feinsteinzeug-Kategorie, einer extrem harten und dadurch noch robusteren Herstellungsform von Keramik. Die graue und glatte Oberfläche verleiht Ihrem Balkon eine schlichte, aber wirkungsvolle Optik. Die Kosten belaufen sich auf 54.06 Franken pro Quadratmeter (Stand: 15. Dezember 2020).

Blick auf einen Balkon. Im Vordergrund stehen ein Tisch und zwei Stühle.

Mit ihrem cleanen Look und einer hohen Robustheit sind Platten aus Keramik der Klassiker auf Balkonen.

Balkonplatten aus Naturstein: schwer, aber wunderschön

Bevor Sie sich für Natursteinplatten entscheiden, muss eine ganz entscheidende Frage beantwortet werden: Hält Ihr Balkon die Last überhaupt aus? Platten aus Stein wiegen je Quadratmeter 80 Kilogramm und mehr. Bei einer Traglast zwischen 300 und 500 Kilogramm beim Standard-Balkon könnte das schwierig werden. Deshalb sollten Sie auf jeden Fall einen Statiker zu Rate ziehen.

Wenn sich herausstellt, dass Ihr Balkon geeignet ist, kommen Sie in den vollen Genuss von Naturstein. Er ist überaus stilvoll, widerstandsfähig und beständig. Mit zunehmender Dauer kann er durch das Ansetzen einer leichten Patina sogar noch attraktiver werden.

Die Auswahl an Natursteinen ist gross. Dunkler Schiefer sorgt für ein ganz edles Ambiente Der Kalkstein Travertin hingegen verleiht Ihrem Balkon ein mediterranes Flair. Granit wirkt durch die Einschlüsse von Mineralien und Quarzen fast schon mystisch.

Das Verlegen von Natursteinplatten ist recht mühselig und aufwendig – überlassen Sie diese Arbeit lieber einem Fachbetrieb.

Ein Produkt aus dem Handel: Ob Rooterberger Sandstein, Onsernone aus dem Tessin oder Andeer aus dem Val Schons – die Schweizer Firma Emilio Stecher aus der Gemeinde Root hat sich auf die Verarbeitung von einheimischem Naturstein spezialisiert. Schauen Sie doch einfach mal auf der Webseite vorbei, ob für Ihren Balkon geeignete Platten dabei sind.

Blick auf einen Balkon mit einem Tisch und drei Stühlen. Auf einer Fensterbank sitzt eine Katze.

Um den Balkon mit Natursteinplatten auszustatten, müssen Sie zunächst die maximale Traglast bestimmen lassen.

Fazit: Balkonplatten sind ästhetisch und praktisch

Niemand läuft gern barfuss auf nacktem Beton. Schaffen Sie sich deshalb einen extra Belag für Ihren Balkonboden an. Das Angebot an Platten ist sehr gross und die unterschiedlichen Materialen bringen verschiedene Vorteile mit sich. Egal ob mit wohnlichem Holz oder geschmackvollem Naturstein – Ihr Balkon erfährt eine optische Aufwertung – Sie werden sich beim Betreten deutlich wohler fühlen.

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