Eine Herkulesstaude ist umgeben von Büschen, Gräsern und einem Baum.
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Das sind Neophyten – und so erkennen Sie sie

Neue Pflanzen», das klingt ja erst einmal harmlos. Und natürlich ist nicht jede dieser Pflanzen eine Bedrohung. So sind wir heute noch dankbar dafür, dass gegen Ende des 16. Jahrhunderts die Kartoffel den Weg aus der Andenregion nach Europa fand.

Aber hoch invasive Pflanzen, die sich schnell vermehren und einheimische Arten verdrängen oder die giftig oder hochgradig allergieauslösend sind, werden in der Schweiz bekämpft. Und genau um diese geht es bei dem Begriff Neophyten.
Noch ist es nicht so, dass private Grundstücke überwacht werden und überprüft wird, ob verbotene Pflanzen entfernt werden. Es gibt aber durchaus Menschen, die dies fordern. Tatsächlich verboten sind der Neukauf und die Einfuhr, was Grenzkontrollen entsprechend kontrolliert wird.

Wenn Sie unsicher sind, ob es sich bei der Pflanze auf Ihrem Grundstück um eine der verbotenen Neophyten handelt, hilft die App PictureThis weiter, die mithilfe eines Fotos Pflanzen bestimmt. Die für Apple iOS und Android angebotene App selber ist gratis, die Gebühren für In-App-Käufe liegen bei zwischen 2 und 55 Franken.

Um herauszufinden, was Sie in Ihrem Garten nicht pflanzen dürfen, konsultieren Sie am besten den Anhang 2 der Freisetzungsverordnung des Bundes. Auf dieser Liste finden Sie elf Pflanzen, die gemäss der Verordnung aus dem Jahr 2008 nicht erlaubt sind. Vier davon sind Gewässerpflanzen:

  • das Nadelkraut
  • der Grosse Wassernabel
  • das Heusenkraut
  • die Wasserpest
An einem Gewässer wächst Heusenkraut.

Das Heusenkraut wird hauptsächlich durch den Menschen verbreitet, zum Beispiel durch das illegale Entsorgen von Pflanzen aus Gartenteichen und Aquarien in der freien Natur.

Die Aufrechte Ambrosie / Beifussblättriges Traubenkraut

Ihre Pollen und ihr Blütenstand können beim Menschen heftige Allergien und Asthma auslösen. Das einjährige Unkraut, das eigentlich in Nordamerika heimisch ist, breitet sich durch verschleppte Erde, aber auch durch Vogelfutter aus. Zwar ist sein Vorkommen in der Schweiz bereits seit dem Ersten Weltkrieg belegt, doch erst seit den 1990er-Jahren ist die Ausbreitung invasiv.

Das Beifussblättrige Traubenkraut mag heisse Sommer – es ist also gut möglich, dass es sich in der Schweiz allem Widerstand zum Trotz langfristig durchsetzen wird. Im frühen Stadium sieht es Kamillenpflanzen ähnlich. Sollten Sie Ambrosia auf Ihrem Grundstück haben, unbedingt vor Mitte Juli (also vor der Blüte) mitsamt Wurzeln ausreissen. Und als vorbeugende Massnahme im Winter kein fertiges Vogelfutter füttern.

Das Bild zeigt die Aufrechte Ambrosie in einer Nahaufnahme.

Die Aufrechte Ambrosie, biologisch Ambrosia artemisiifolia, kann beim Menschen heftige Allergien und Asthma auslösen.

Riesenbärenklau

Der Doldenblütler, der auch Herkulesstaude genannt wird und bis zu drei Meter hoch wird, stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Er bildet Substanzen, die in Kombination mit Sonnenlicht (oder auch mit einer starken Lampe) bei Menschen und Tieren schmerzhafte, schwer heilende Blasen – also eine Art Verbrennung – verursachen, wenn sie damit in Berührung kommen. Der Riesenbärenklau war 2008 die Giftpflanze des Jahres. Wer plant, ihn auszureissen (zeitig im Frühjahr), sollte unbedingt Schutzkleidung inklusive Gesichtsschutz tragen. Grössere Flächen werden zuerst gemäht. Die ausgerissenen Pflanzen müssen verbrannt werden.

Nahaufnahme einer auf einer Wiese wachsenden Riesenbärenklau-Pflanze.

Der Riesenbärenklau (Herkulesstaude) sieht harmlos aus, kann aber beim Menschen schmerzhafte Blasen verursachen.

Drüsiges Springkraut

Die eigentlich wunderschöne, filigrane Pflanze stammt ursprünglich vom indischen Subkontinent und wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa gebracht. Man nannte sie auch Baumorchidee. Die Pflanze hat ein immenses System an unzähligen feinsten Würzelchen.

Problematisch ist, dass sie enorm schnell bis zu zwei Meter in die Höhe wächst und so andere Pflanzen verdrängt. Sie ist in frischem Zustand leicht giftig und wird deshalb in manchen Kulturen als Brechmittel eingesetzt. Die Bachblüte «Impatiens» wird aus Drüsigem Springkraut hergestellt.

Im Kampf gegen das Drüsige Springkraut braucht man vor allem Geduld: Die jungen Pflanzen haben recht flache Wurzeln und lassen sich gut ausreissen. Allerdings muss man das immer und immer wieder und vor allem flächendeckend tun, da erwachsene Pflanzen ihre Samen bis zu sieben Meter weit schleudern und sich so stark in die Breite vermehren.

Nahaufnahme von Drüsigem Springkraut – es sieht aus wie eine filigrane Orchidee.

Das Drüsige Springkraut, die Impatiens glandulifera, wird auch Baumorchidee genannt.

Asiatischer Staudenknöterich

Es gibt drei Arten von Asiatischem Staudenknöterich, von denen der Japanische Staudenknöterich die häufigste ist. Jahrzehntelang wurde das mit dem Rhabarber verwandte Gewächs in Europa als Sichtschutz und als Futter für Wildtiere gepflanzt.

Er wächst dicht und schnell und verdrängt so einheimische Pflanzen. Problematisch sind auch seine kräftigen Wurzeln, die Bauten und Ufersicherungen zerstören können. Da die Wurzeln im Winter absterben, erodiert der Boden dann umso mehr.

Gegen den Staudenknöterich hilft Ausreissen. Ist der Befall stark, muss man den ganzen Boden etwa drei Meter tief ausheben und entsorgen, weil sich die Pflanze aus winzigsten Teilen regenerieren kann. Die Abfälle sollten Sie unbedingt verbrennen.

Nahaufnahme des Asiatischen Staudenknöterich. Er ähnelt blühendem Holunder.

Der Asiatische Staudenknöterich, die Reynoutria sachalinensis, verdrängt nicht nur einheimische Arten, er fördert auch die Bodenerosion.

Essigbaum

Das Sumachgewächs stammt aus dem östlichen Nordamerika und kam Anfang des 17. Jahrhunderts als Zierpflanze nach Europa, weil sich seine Blätter im Herbst so malerisch verfärben und der Baum sehr pflegeleicht ist.

Genau deshalb wird er aber leicht zur Plage. Man sollte ihn also nicht anpflanzen, sondern ihn – auch wenn er schön aussieht – möglichst entfernen, weil er anderen Pflanzen den Lebensraum streitig macht. Er wurzelt zwar flach, aber in einem Umkreis von bis zu fünf Metern.

Wollen Sie Ihren Essigbaum stehen lassen, sollten Sie rundherum eine Wurzelsperre anbringen lassen, damit er sich nicht unkontrolliert verbreitet. Wenn Sie einen Essigbaum loswerden möchten, genügt das Fällen nicht: Es muss das ganze Wurzelwerk im Umkreis von fünf Metern aus dem Boden entfernt werden.

Ein Essigbaum mit feinen Blättern und dunkelroten Blütenstauden.

Der Essigbaum, Rhus typhina, ist ein schöner Baum. Man kann ihn stehen lassen, muss seinem Wurzelwerk aber Einhalt gebieten.

Schmalblättriges Greiskraut

Der Korbblütler stammt aus Südafrika und ist an vielen Orten der Welt invasiv. Er wächst gerne an Wegrändern, auch entlang der Autobahn sieht man die gelben Blüten oft. Die Pflanze richtet mit ihrer durch die Klimaerwärmung zusätzlich begünstigten Verbreitung Schäden an der Biodiversität an, da sie heimische Arten verdrängt und ausserdem giftig ist. Da sie recht resistent gegen alle Arten von Unkrautvernichtern ist, gibt es keine andere Möglichkeit, als sie auszureissen – möglichst früh im Jahr, bevor das Greiskraut zu blühen beginnt.

Die gelben Blüten von Schmalblättrigem Greiskraut.

Das Schmalblättrige Greiskraut trotzt allen Unkrautvernichtern – es muss ausgerissen werden.

Amerikanische Goldrute (inkl. Hybriden)

Da die ursprünglich aus Nordamerika und Kanada stammende Goldrute ausdauernde unterirdische Ausläufer bildet, können im Frühling auf einem einzigen Quadratmeter bis zu 300 neue Pflanzen spriessen. Lange wurde sie als Zierpflanze und auch als Bienenweide verwendet.

Doch die invasive Goldrute raubt durch ihren dichten Bestand anderen Pflanzen Licht und Nährstoffe. Die Bestände lassen sich kontrollieren, indem Sie vor der Blüte im Mai und dann im August noch einmal bodennah mähen. So werden die Pflanzen geschwächt. Kleinere Bestände lassen sich ausreissen. Die Wurzeln müssen in die Kehrichtverbrennung, nicht in die Grünabfuhr.

Amerikanische Goldrute mit dottergelben Blütendolden.

Die Amerikanische Goldrute oder Solidago virgaurea wurde lange als Zierpflanze gesetzt. Durch ihr schnelles Wachstum verdrängt sie aber andere Pflanzen.

Weitere Pflanzen auf der Schwarzen Liste

Wenn Sie noch mehr für die Biodiversität tun möchten: Neben dem offiziellen Anhang 2 der Freisetzungsverordnung gibt es in der Schweiz die sogenannte Schwarze Liste der privatrechtlichen Stiftung Info Flora, auf der im Moment 41 Pflanzen stehen. 16 weitere sind auf der Watch List aufgeführt – was bedeutet, dass man ihre Verbreitung im Auge behalten sollte.

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