An einem kalten Herbstmorgen hängt Nebel über der Wiese. Zwei bunte Vogelhäuschen stehen in einem Garten für Wildvögel bereit.
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Garten

9 Tipps: So wird der Garten zum Vogelparadies

Sira Huwiler-Flamm

Viele Vögel in der Schweiz sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Die gute Nachricht: Jeder Gartenbesitzer und jede Gartenbesitzerin kann dem entgegenwirken. Das fängt beim Aufstellen eines Vogelhäuschens an, hört dort aber noch lange nicht auf. Was Sie tun können, damit die grüne Oase zum Vogelparadies wird, haben wir für Sie zusammengestellt. Ein Experte von BirdLife Schweiz gibt Tipps.

In diesem Artikel

1. Futterhaus und Vogeltränke bereitstellen

Ein kleiner Schritt mit wenig Aufwand, doch in der kalten Jahreszeit eine echte Wohltat für Vögel: ein Futterhaus. Wenn Wiesen und Büsche mit Schnee bedeckt sind, kann die Fütterung durch den Menschen Vogelleben retten. «Achten Sie darauf, dass Sie Wildvogel-Körnermischungen mit einheimischen Körnern verwenden», rät Stefan Bachmann, Pressesprecher von BirdLife Schweiz. «Gängige Mischungen, etwa mit Erdnüssen, können kleinen Vögeln durch die Grösse der Körner und den Fettgehalt sogar schaden.» Sonnenblumen-, Kürbiskerne oder Hanfsamen seien hingegen unbedenklich.

Auch eine Vogeltränke mit ungefrorenem Frischwasser tut den Vögeln gut. Für beides gilt laut Fachmann: «Sauber halten, damit sich eventuelle Krankheitserreger nicht von Tier zu Tier übertragen.» Die Tränke sollte regelmässig von Laub, Algen und Moosen befreit und das Wasser gewechselt werden. Das Fueterhüsli sollte überdacht sein, um das Futter vor Nässe zu schützen. «Wischen Sie es ausserdem regelmässig vor dem Futteraustausch aus», rät der Experte.

Wichtig für das Winterende: Spätestens im März, wenn die Brutzeit beginnt, sollte man fettige Meisenknödel und Vogelringe nicht mehr zur Fütterung anbieten, denn der hohe Fettgehalt schadet den Jungtieren. Salzige Speisen wie übriggebliebene Salzkartoffeln, Speck oder auch Brot sind für Vögel generell tabu.

2. Auf einheimische Pflanzen setzen

Laut BirdLife Schweiz leben in einer grösseren Schweizer Stadt nur noch rund 40 Brutvogelarten – Tendenz abnehmend. Die insektenfressenden Kulturlandvögel haben alleine in den vergangenen 26 Jahren um 60 Prozent abgenommen und viele sind im Mittelland verschwunden. 40 Prozent der in der Schweiz registrierten Vögel sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht. «Die Zahlen sind schockierend», sagt Bachmann. Doch die gute Nachricht: «Jeder Gartenbesitzer kann mit einfachen Mitteln zu mehr Artenvielfalt beitragen.»

Das Wichtigste dabei: einheimische Gewächse pflanzen. «Nur zwei von den 100 häufigsten Vogelarten in der Schweiz können ausschliesslich von Körnern leben», weiss der Experte und ergänzt: «Der Rest braucht Insekten, um sich selbst oder zumindest die Küken zu ernähren.» Insekten seien zudem auf einheimische Gewächse angewiesen – sei es als Futter- oder Schlafplatz. Die Sal-Weide bietet zum Beispiel rund 300 Insektenarten Nahrung, der Schwarzdorn versorgt rund 200 Arten und ein einheimischer Kirschbaum dient Tausenden Tierchen als Restaurant. Exotischere Pflanzen wie Thuja, Kirschlorbeer oder der japanische Kirschbaum sind hingegen für die meisten Tiere in der Schweiz wertlos.

Die schwarze Liste der invasiven Neophyten sollte man bei der Pflanzenwahl besonders beachten, da diese Pflanzen ihre Samen überall verbreiten und die einheimischen Arten stark verdrängen. Ob eine Pflanze, die Sie in der engeren Auswahl für Ihre Gartengestaltung haben, tatsächlich einheimisch ist, können Sie auf der Internetseite des Biodiversität-Fördervereins Floretia nachschauen. Gibt man eine Pflanze und den geplanten Standort an, erhält man alle botanischen Informationen wie Namen und Herkunft. Im Zweifelsfall werden auch Schweizer Alternativen genannt, welche die Artenvielfalt fördern. Handelt es sich um invasive Neophyten, gibt die Seite auch den Hinweis «nicht empfehlenswert».

3. Nisthilfen für den Nestbau schaffen

Jede Vogelart hat einen bevorzugten Ort für den Nestbau: Manche Vögel, wie der Distelfink und der Girlitz, brüten weit oben in Laub- oder Nadelbäumen oder tief in dichten Hecken. Dornensträucher wie Heckenrosen oder Schwarzdorn sind ebenso beliebte Brutplätze wie alte Efeupflanzen, die etwa von Amseln oder Hausrotschwänzen gerne genutzt werden.

Andere Vögel wie zum Beispiel Stare, Meisen oder Trauerschnäpper bauen ihr Nest am liebsten in Baumhöhlen oder Nistkästen. Hier kann der vogelfreundliche Gartenbesitzer die Tiere unterstützen, indem er bereits im Spätherbst Nistkästen für die nächste Brutsaison aufhängt: «Da Meisen weniger gefährdet sind als etwa Stare oder Trauerschnäpper, empfehlen wir, Nistkästen mit grösseren Löchern zu wählen», sagt der Experte von BirdLife Schweiz. Blaumeisen bevorzugen Lochgrössen von 28 Millimeter, Kohlmeisen und Trauerschnäpper 32 Millimeter und gefährdete Arten wie der Star sogar Grössen von 45 bis 50 Millimeter. Es gibt auch Kästen mit zwei ovalen Löchern, etwa für den Gartenrotschwanz.

Ebenfalls bei der Brut unterstützt werden können Gebäudebrüter wie Mauersegler oder Mehlschwalben. «Da sich die Bauweise in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert hat, finden Gebäudebrüter kaum noch Plätze, an denen sie ihre Nester anbringen können», weiss der Experte. «Nisthilfen können unter jedem Dachvorsprung angebracht werden.» Hier gilt aber: vorher genau beobachten, ob in der Nähe überhaupt Mauersegler oder Mehlschwalben herumschwirren. «Weil die Gebäudebrüter sehr standorttreu sind, wird man sie nur schwer von einem neuen Zuhause, das nicht in der Nähe des alten liegt, überzeugen», sagt Bachmann. Im Zweifelsfall weiss der lokale Naturschutzverein, welche Vögel in der jeweiligen Gemeinde vorkommen.

Inmitten einer dichten Efeuhecke sitzt eine Amsel in ihrem Nest und brütet.

Beliebter Nistplatz: Vogelarten wie Amseln brüten gerne in alten Efeuranken.

4. Astschnitt zum richtigen Zeitpunkt machen

Besonders im Herbst juckt es die meisten Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner in den Fingern. Dann gilt es nämlich, Hecken, Büsche und Bäume zurückzuschneiden. Als idealer Zeitpunkt werden in Ratgebern stets der Spätherbst (Oktober oder November) oder das Frühjahr (März oder April) genannt. Der Vogelexperte warnt aber: «Anfang März beginnt die Brutsaison, deshalb sollten Sie bis dahin den Astschnitt abgeschlossen haben.»

Auch die Äste, die im Herbst anfallen, sollten nicht sofort beseitigt werden. Bachmann rät: «Machen Sie einen oder mehrere Asthaufen, die über den Winter liegen bleiben dürfen.» Das bietet Kleintieren wie Insekten in den kalten Monaten nämlichen ein ideales Versteck und eine kuschelige Paarungsstätte. Die Haufen sollten möglichst unberührt bleiben, um die Tiere nicht zu stören.

5. Dem Grundsatz folgen: Weniger ist mehr

«Generell gilt im vogelfreundlichen Garten: Weniger ist mehr», sagt der Vogelexperte. „Verzichten Sie auf einen perfekten Garten, werden Sie mit zufriedenen Wildtieren und Vögeln belohnt.» Generell sollte in einer naturnahen Grünoase nicht zu oft und nicht alles auf einmal zurückgeschnitten werden. Lassen Sie Stauden und Gräser über den Winter stehen, damit sich Insekten und Kleintiere darin verstecken können.

Wer bewusst unterschiedliche einheimische Pflanzen setzt, kann für ein Blüten- und Beerenangebot bis in den Herbst hinein sorgen. Der Rückschnitt und das Rasenmähen sollten stets erst nach der Aussamung erfolgen – damit die Pflanzen überhaupt eine Chance haben, sich zu vermehren.

Mut zur Schmuddelecke ist die Devise: Laub wird nicht weggeblasen, sondern entweder einfach liegen gelassen oder zu grossen Laubhaufen zusammengefegt, die Insekten und Kleintieren ein Plätzchen zum Überwintern bieten. Brennnesseln sind die einzigen Futterpflanzen für die Raupen des Tagpfauenauges und des kleinen Fuchses – den Schmetterlingen zuliebe kann man also auch das vermeintliche Unkraut stehen lassen. Und auch wer Blattläuse entdeckt, sollte nicht zu Pestiziden greifen. Marienkäfer und Vögel kümmern sich darum und erfreuen sich an dem Gaumenschmaus. Sperlinge, Meisen oder Grasmücken haben die kleinen Krabbeltiere ebenfalls zum Fressen gern.

6. Wellnessoasen bereitstellen

Der Herbst ist auch Gartenplanungszeit – und da empfiehlt es sich, gleich auch ein paar Wellnessplätzchen für Vögel einzurichten. Manche Vogelarten, wie etwa Haussperlinge, lieben es, ein Bad im Sand zu nehmen. «So reinigen sie ihr Gefieder und entfernen Parasiten», weiss Stefan Bachmann. Einfach feinen Vogel- oder Quarzsand in einem grossen Topfuntersetzer – natürlich an einen einigermassen vor Katzen sicheren Platz – auf Erdniveau stellen und fertig ist das Sandbad.

Und auch mit einem kleinen Gartenteich oder Weiher tun Sie der Vogelwelt etwas Gutes: An flachen Stellen nehmen Vögel nicht nur gerne ein reinigendes Bad. Weiher bieten neben Amphibien und Wasserpflanzen auch zahlreichen Insektenarten Brut- und Futterstellen. Manche Vogelarten, wie der Grauschnäpper, fangen ihre Futterinsekten direkt in der Luft – eine Wasserstelle bietet ideale Bedingungen für fliegende Insekten.

Ein grosser Schwimmteich in einem Garten ist üppig bewachsen. Eine Fontäne schiesst über das Wasser.

Auch ein Weiher, Teich oder natürlicher Schwimmteich trägt zur Artenvielfalt im Garten bei.

7. Gefahren kennen und vermeiden

Selbst wenn der Hobbygärtner auf tier- und pflanzenschädigende Pestizide und Laubbläser verzichtet, lauern noch ungeahnte Gefahren für Vögel im Garten. Katzen gehören sicher zu den gefürchtetsten. Deshalb gilt es, Nisthilfe, Tränke und Futterhäuschen an für Katzen unerreichbaren Stellen anzubringen. In der Brutsaison statten manche Katzenbesitzer ihre Stubentiger ausserdem mit Glöggli am Halsband aus, um Vögel bei einer herannahenden Katze frühzeitig zu warnen.

Für Bäume gilt: «Man kann auch sogenannte Baummanschetten am Stamm anbringen, die verhindern, dass Katzen oder Marder hinaufklettern können», so Stefan Bachmann. Wer ausreichend Dornenhecken- und -büsche im Garten hat, kann erleichtert aufatmen, denn: Hier sind Nester ideal vor der Nachbarskatze geschützt.

Eine weitere Gefahr sind grosse, spiegelnde Fenster oder komplette Glasfassaden an Häusern, Wintergärten und Sitzplätzen. «Getönte Fenster oder grafische Muster eingestrahlt im Fenster, deren Linien nicht mehr als 12 Zentimeter Abstand haben», sind laut BirdLife ein wirksames Mittel gegen Vogelopfer. Auch Vogelsilhouetten oder Streifen zum Aufkleben in grellen Farben können helfen.

Aber auch Licht kann dem Vogelparadies den Garaus machen. Ständiges Licht durch Strassenlaternen oder Hausbeleuchtung zieht Insekten magisch an. Sie kreisen um die Lichtquelle, bis sie schliesslich erschöpft sterben. Besser sind Lichter mit Bewegungssensoren, die in Richtung Boden geneigt sind und automatisch wieder ausgehen.

8. Kompost offen zugänglich gestalten

Nicht nur praktisch, weil man so Abfallgebühren spart, ist ein Komposthaufen. «Ideal für die Artenvielfalt ist ein offener Komposthaufen», weiss Stefan Bachmann. Sei der Kompost nicht luftdicht abgeschlossen, biete er zahlreichen Kriech- und Krabbeltieren Zuhause und Nahrung – und die Insekten sind auch für Vögel leichter verfügbar.

Besonders im Winter tut man mit einem offenen Komposthaufen der Natur etwas Gutes: Blindschleichen und die Larven des seltenen Rosenkäfers überwintern darin, ausserdem dienen Obst- und Gemüsereste als zusätzliche Futterquellen für Wildtiere.

9. Auch den Balkon nutzen

Aber auch wer keinen grossen Garten, sondern nur einen Balkon zur Verfügung hat, kann zur Artenvielfalt in der Schweiz beitragen. Auch hier gilt: Einheimische Stauden und Blumenmischungen bieten Insekten Nahrung und Rückzugsorte.

Auch Futterhäuschen werden auf Balkonen von vielen Wildvögeln gerne genutzt. «Und sogar Nistkästen sind zu empfehlen», sagt Bachmann. «Aber: Wenn dann tatsächlich die Brut geschlüpft ist, sollte man den Balkon zu dieser Zeit eher meiden – dem Vogelwohl zuliebe.»

Fazit: kleine Tipps, grosse Erfolge

Wer der heimischen Vogelwelt und Artenvielfalt etwas Gutes tun möchte, kann das mit einfachen Mitteln. Und dabei ist egal, ob Sie einen riesigen Garten oder nur einen kleinen Balkon zur Verfügung haben. Einheimische Gewächse und «Mut zum Unperfekten», wie Stefan Bachmann sagt, sind die kleinen Tipps, mit denen Sie die grössten Erfolge erzielen können – und im nächsten Frühling pfeifen und flattern vielleicht schon die ersten Besucher durch Ihren Garten.

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