Auf dem Dach eines Holzgebäudes wachsen verschiedene Grünpflanzen.
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Leben

10 Pflanzen für die Dachbegrünung

Sira Huwiler-Flamm

Grüne Dächer sind nicht nur echte Hingucker in Wohngebieten – sie bieten auch zusätzliche Isolation, verlängern die Haltbarkeit des Daches und sind Lebensräume für Bienen, Insekten und Vögel. Doch für ein pflegeleichtes Gründach gilt es bei der Wahl der Gewächse einiges zu beachten. Diese sollten auf nährstoffarmem Boden gedeihen sowie Wind, Sonne, Frost, Starkregen und Trockenheit trotzen. Welche Moose, Bodendecker und Gräser besonders gut für das Haus-, Carport- oder Garagendach geeignet sind, haben wir für Sie zusammengestellt.

Nahaufnahme verschiedener Sedum-Gewächse.

Die Pflanzengattung Sedum (volkstümlich Fetthenne oder Mauerpfeffer) umfasst 420 verschiedene Arten. Sie alle speichern gut Wasser und überstehen so längere Trockenperioden.

1. Sonnenanbeterin Fetthenne (Sedum)

Für besonders heisse Gegenden ist die Fetthenne ideal, weil sie ein wasserspeicherndes Gewebe hat und deshalb lange Trockenperioden und Frost übersteht. Die Pflanze, die auch Sedum heisst, gibt es in über 400 verschiedenen Arten – die meisten sind Bodendecker. Die von Juni bis August blühende Pracht hat je nach Art verschiedene Farben: Der Scharfe Mauerpfeffer hat beispielsweise sternförmige gelbe Blüten, die Kaukasus-Fetthenne blüht weiss oder in leuchtendem Rosa-Violett. Für Ungeduldige gibt es fertige Sedummatten, die man nach Belieben zurechtschneiden und auslegen kann.

2. Buschige Gräser

Ob Schaf-Schwingel, Silber- oder gewöhnliches Zittergras: Mit Wuchshöhen von 15 bis 40 Zentimetern lockern die buschigen Gräser auch einen Dachgarten optisch auf. Sie sind Trockenheit gewöhnt, pflegeleicht und mehrjährig. Während Silbergras in Gegenden mit zu starkem Frost abstirbt, sind der bläuliche Schaf-Schwingel und das braun-rote Zittergras auch im Winter hübsch anzusehen und frosthart.

3. Nelken als Blütenmeer

Knallige Farben und dazu noch alle Eigenschaften, die eine robuste Dachpflanze braucht, haben verschiedene nelkenartige Stauden: Die Strand-Grasnelke wächst bis zu 50 Zentimeter hoch, stammt eigentlich von den salzigen Meeresküsten der Nord- und Ostsee und kann so Wind, Trockenheit und rauem Wetter gleichermassen trotzen. Sie blüht von Mai bis Oktober in rosa bis purpurnen Teppichen. In vielen Kantonen steht die Heide-Nelke unter Naturschutz – wer sein Dach mit der schönen Einheimischen bepflanzt, hat von Juni bis August Freude an leuchtenden rosa Blüten – und tut nebenbei was für die Artenvielfalt in der Schweiz.

Auf dem Dach eines Hauses wächst grossflächig die Strand-Grasnelke

Für die Dachbegrünung braucht es Pflanzen, die auch unter den besonderen Gegebenheiten gedeihen – so wie die Strand-Grasnelke

4. Moos für wenig Dachlast

Hat ein Statiker oder Bauexperte das Dach inspiziert und kam zu dem Schluss, dass die zulässige Dachlast eine üppige Bepflanzung nicht trägt? Moose sind eine gute Alternative für diesen Fall. Sie isolieren und kühlen weniger gut als andere Pflanzen, wiegen aber im feuchten Zustand meist nur 50 bis 60 Kilogramm pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Bei intensiven Dachbegrünungen – etwa bei Kräutergärten oder Familiengärten, auf denen die ganze Familie gemütlich sitzen kann – muss das Dach Lasten von über 100 Kilogramm pro Quadratmeter tragen können. Moosmatten sind im Fachhandel erhältlich, schnell zurechtgeschnitten und verlegt. Sie bieten vom ersten Tag an einen grünen Blickfang – auch im Winter.

5. Farbtupfer aus der Zwiebel

Ob Tulpen, Krokusse, Narzissen oder Traubenhyazinthen – ihre Zwiebeln brauchen nicht mehr als zehn Zentimeter Pflanzsubstrat, also Erde oder feinen Kies, um zu wachsen. Die Frühlingsfarbtupfer sind oft mehrjährig und können nach Belieben zwischen Gräsern, Moosen und Bodendeckern verteilt werden. Besonders schön sind die ab Februar oder März blühenden Schönheiten auf niedrigen Garagen- oder Carportdächern.

6. Lavendel und Salbei – ein Hauch Mittelmeer

Ab einer Substrathöhe von 15 Zentimetern sind auch mediterrane Gewächse wie herrlich duftende Lavendel- und Salbeisträucher möglich. Weil beide aus dem Mittelmeerraum stammen, sind die violett blühenden Pflanzen echte Sonnenanbeter, die steinige Böden und Trockenheit zu schätzen wissen. Beide Arten gedeihen besser, wenn sie im Herbst oder Frühling kräftig zurückgeschnitten werden. Deshalb sind sie etwas pflegeintensiver als Sedum, Moos und ähnliche Pflanzen. Lavendel wird etwa 25 bis 40 Zentimeter und Salbei sogar bis zu 60 Zentimeter hoch.

7. Bienenfutter für grosse Dächer

Wegen ihres schnellen Wachstums braucht die Zypressen-Wolfsmilch viel Platz. Die alpine Staude ist einheimisch, hat von Juni bis August zitronengelbe Blüten und wird auf dem Kiesbett begrünter Dächer rund 15 Zentimeter hoch. Die robuste Sukkulente mag es trocken, sonnig, steinig und ist bei Bienen und Hummeln sehr beliebt. Ebenfalls für die schnelle Begrünung grosser Dächer geeignet ist das Filzige Hornkraut, das auch Nahrung für Insekten bietet. Das silberblättrige Polster mit weissen Blüten stammt ursprünglich aus Süditalien und mag es deshalb heiss und sonnig.

Zwischen Steinen wächst die zitronengelbe Zypressen-Wolfsmilch.

Blüht auch auf kargen Dächern: die Zypressen-Wolfsmilch. Sie wächst schnell und sieht mit ihren zitronengelben Blüten toll aus.

8. Wildkräuter fürs Gartenhaus

Goldgelbe Färberkamille, weiss-violette Thymianarten und der purpurne wilde Majoran (Dost) blühen nicht nur wunderschön, sondern verströmen auch einen betörenden Duft. Pflanzt man die Kräuter auf dem niedrigen Dach des Gartenhauses oder des Carports an, haben nicht nur Hummeln und Bienen etwas vom wilden Genuss: Mit einer kleinen Leiter kann der Hobbykoch seine Zutaten direkt vom Kräuterdach ernten – das funktioniert übrigens auch problemlos mit Walderdbeeren. Wichtig: Eine Mindesttraglast des Daches von 100 Kilogramm pro Quadratmeter ist Voraussetzung – in der Regel ist dieser Wert beim Hersteller des Gartenhauses beziehungsweise Carports in Erfahrung zu bringen.

9. Vielfalt durch Steingartenpflanzen

Dickblättrige Pflänzchen, kakteenähnliche Gewächse, Blattsukkulenten mit blühenden Stängeln – über 450 verschiedene Steinbrecharten gibt es in den verschiedensten Formen, Grössen und Farben. Die meisten sind robuste Steingartenpflanzen, die anspruchslos gedeihen und damit ideal für die Dachbegrünung geeignet sind. Weil die Vielfalt so gross ist: Am besten in der Gärtnerei vorbeischauen und inspirieren lassen.

Sedum-Pflanzen auf einem Dach

Pflanzen für die Dachbegrünung müssen mit nährstoffarmem Boden ebenso zurechtkommen wie mit Wind, Sonne, Frost, Starkregen und Trockenheit.

10. Alles ist möglich – für Fleissige

Üppige Rosensträucher, Obst- und Gemüsebeete oder sogar ein kompletter Familiengarten auf dem Dach sind möglich. Dann spricht man von einer «intensiven» Dachbegrünung, denn der Arbeitsaufwand ist intensiv. Stauden, Sträucher und Gemüsepflanzen müssen regelmässig gegossen, geschnitten und gedüngt werden. Der Dachgarten schafft Lebensqualität pur, ist aber nur etwas für fleissige Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner. Wer den Aufwand nicht scheut und neu baut, kann den Dachgarten von Beginn an mit einplanen.

Fazit: Vielfalt nach Geschmack

Egal, ob Sie es einfach und günstig haben möchten oder das Dach als üppigen und nützlichen Garten anlegen wollen – die Möglichkeiten sind vielfältig und bieten für jeden Geschmack etwas. Im Gartendetailhandel, im Baumarkt oder an der grössten Gartenmesse der Schweiz, der Giardina (jährlich im März, Messe Zürich), können Sie verschiedene Pflanzen bestaunen und schliesslich Ihre ganz individuelle Wahl treffen.

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