Blick in einen Raum im Designer-Stil. Schlicht mit einem Sessel, Teppich, Bild und Sideboard ausgestattet.
© Wogg / Jean Jacques Ruchti

Einrichten

10 Möbeldesigner und ihre grössten Klassiker

Susanne Loacker

Viele Designobjekte sind noch berühmter als die Menschen, die sie geschaffen haben. Wir stellen Ihnen zehn Klassiker und ihre Schöpfer vor. Übrigens: Fast alle dieser ebenso schönen wie nützlichen Einrichtungsgegenstände sind auch heute noch erwerbbar.

In diesem Artikel

1. Le Corbusier: Chaiselongue LC4

Den Namen Charles-Edouard Jeanneret-Gris kennt kaum jemand. Le Corbusier aber fast jeder. Als Ersterer kam er 1887 in La Chaux-de-Fonds zur Welt, als Letzterer starb er 1965 in Roquebrune-Cap-Martin, Frankreich. Dazwischen liegt ein Leben als Architekt, Stadtplaner, Maler, Bildhauer – und als Möbeldesigner. Sein Pseudonym nahm er mit 33 an, in Anlehnung an den Namen seiner Urgrossmutter. 17 seiner Bauten gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mindestens so bekannt wie diese Gebäude ist seine Chaiselongue, umgangssprachlich oft einfach Corbusier-Liege genannt, die er bereits 1928 entwarf. Berühmtheit erlangte sie, als der Mailänder Möbelhersteller Cassina sie 1965 in Produktion nahm. Die Chaiselongue mit ihrem verstellbaren Stahlrahmen gilt als perfekte Kombination aus geometrischer Schlichtheit und ergonomischem Zweck. Entsprechend viele Kopien gibt es auf dem Markt. Ein Original kostet neu je nach Ausführung (Leder, Fell) zwischen rund 600 und 4500 Franken.

Empfehlung unserer Redaktion

Zur Ergänzung des Artikels hat die Redaktion einen passenden Inhalt von Instagram herausgesucht. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich stimme zu, dass externe Inhalte geladen werden. Damit können personenbezogene Daten an Dritte übermittelt werden. Wir haben keinen Einfluss auf den Umfang der Datenverarbeitung durch Dritte. (Weitere Infos in der Datenschutzerklärung)

2. Eileen Gray: Adjustable Table E 1027

Eigentlich wollte die irische Designerin Eileen Gray (1878–1976) den verstellbaren Beistelltisch gar nicht in Produktion geben: Sie entwarf ihn für sich selbst – fürs Frühstück im Bett. Heute allerdings steht E 1027 (oder eine Kopie davon) häufiger im Wohnzimmer als im Schlafzimmer, und die Verstellfunktion wird eher selten genutzt. Schade eigentlich, denn der flexible kleine Tisch lässt sich an praktisch jedes Bett schieben. Passend zum Charakter der Designerin ist der als Eileen-Gray-Tisch bekannte Kleine recht unaufgeregt: Eileen Gray lebte zurückgezogen und verkaufte zu Lebzeiten nur kleine Stückzahlen ihrer Möbel, obwohl sie in der Fachpresse regelmässig in den höchsten Tönen gelobt wurde. Erst Ende des letzten Jahrhunderts wurde sie weltweit bekannt – nicht zuletzt, weil das Museum of Modern Art in New York den Beistelltisch mit der Glasplatte 1987 in seine Sammlung aufnahm. Ein Original, das an einem transparenten Kleber auf der Glasplatte und einer Prägung mit der Signatur der Designerin im Rahmen erkennbar ist, kostet rund 600 Franken.

Der Beistelltisch E 1027 in einem modern-minimalistisch eingerichteten Raum mit dem Brick Screen rechts im Bild und dem Day Bed in der Mitte – beides ebenfalls von Eileen Grey.

Schlicht und praktikabel ist der E 1027 von Eileen Gray. Heute gilt er als einer der grossen Designklassiker.

3. Robert Adam: Ledersofa Chesterfield

Einen aufrechten Sitz bei grösster Bequemlichkeit: Das wünschte sich der 4. Earl von Chesterfield. Um 1770 soll er den schottischen Möbelbauer Robert Adam damit beauftragt haben, ihm ein Sofa zu bauen, das diese beiden Anforderungen erfüllt. Adam, der als Vater des britischen Klassizismus gilt, hatte lange Zeit antike Monumente in Italien studiert und kombinierte in seinen Entwürfen antike und englische Traditionen. Obwohl es eine ganze Reihe von Chesterfield-Sitzmöbeln mit dem typischen Leder-Rautenmuster gibt, ist das Sofa das berühmteste Erbe von Robert Adam. Allerdings beschrieb der Begriff «Chesterfield» im England des frühen 20. Jahrhunderts jegliche Art von Sofas und ist auch heute weder als Namen noch als Herstellungsverfahren geschützt. Entsprechend variieren die Preise für ein Chesterfield-Sofa stark.

Empfehlung unserer Redaktion

Zur Ergänzung des Artikels hat die Redaktion einen passenden Inhalt von Instagram herausgesucht. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich stimme zu, dass externe Inhalte geladen werden. Damit können personenbezogene Daten an Dritte übermittelt werden. Wir haben keinen Einfluss auf den Umfang der Datenverarbeitung durch Dritte. (Weitere Infos in der Datenschutzerklärung)

4. Hans Coray: Landi-Stuhl

Rund ums untere Zürcher Seebecken fand 1939 die Landesausstellung statt, die im Volksmund «Landi» hiess. Der Romanist und Architekt Hans Coray aus dem Zürcher Oberland war damals 36 und bis dahin vor allem als Maler tätig gewesen. Er nahm dennoch am Wettbewerb teil, für die «Landi» einen leichten, stapelbaren, wetterbeständigen und wenn möglich auch noch schönen Stuhl zu finden. Der leicht anmutende, minimalistische Aluminiumstuhl machte Coray quasi über Nacht zum Vorreiter des Industriedesigns. Das Designmuseum Vitra in Weil am Rhein hat den Stuhl rund 75 Jahre später neu aufgelegt. 2004 ehrte die Schweizerische Post den Landi-Stuhl mit einer 1-Franken-Briefmarke. Das Möbelstück selbst kostet ein wenig mehr, nämlich rund 600 Franken. Für knapp die Hälfte davon ist er als Designobjekt im Massstab 1:6 erhältlich.

Ein Landi-Stuhl im Regen. Durch seine Metallstruktur machen ihm äussere Einflüsse nichts aus.

Der Landi-Stuhl gilt bis heute als Vorreiter des Industriedesigns und inspirierte zahlreiche andere Designer zu Stücken in ähnlichem Stil.

5. Michael Thonet: Bugholzstuhl

In den 1830er-Jahren experimentierte Michael Thonet mit einer damals neuen Technik, dem Biegen von massivem Holz. 1842 holte der Fürst von Metternich den Tischlermeister nach Wien, wo dieser den sogenannten Wiener Kaffeehausstuhl erschuf, der damals den wirtschaftlichen Erfolg seiner Firma begründete und heute eine Design-Ikone ist. Er gilt als Anfangspunkt der Geschichte des modernen Möbels, weil Thonets Biegemethode erstmals die Serienfertigung ermöglichte. Der Stuhl ohne Armlehnen wird noch heute im Familienunternehmen im nordhessischen Frankenberg produziert und kostet je nach Ausführung zwischen 600 und 800 Franken.

Ein klassischer Wiener Kaffeehausstuhl in einem modern gestalteten Raum.

Gebogenes Holz als frisches Design-Highlight geht bis tief in das 17. Jahrhundert zurück. Von seinem Reiz hat der damals entstandene Wiener Kaffeehausstuhl bis heute nichts verloren.

6. Ettore Sottsass: Tahiti

Ziemlich bunt, diese Lampe. Der stilisierte Entenkopf der 1981 entworfenen Lampe Tahiti ist eines der Aushängeschilder der Mailänder Design-Gruppe «Memphis». Die Gruppe widersetzte sich dem Funktionalismus der Möbelbranche und setzte konsequent auf Lust, Farbe und Fantasie. «Memphis»-Objekte haben darum einen hohen Wiedererkennungswert. Der 1917 in Innsbruck geborene Sottsass war Mitbegründer der Gruppe. Auch wenn er kein Fan des Funktionalismus war: Unpraktisch ist die Lampe Tahiti keinesfalls. Der Entenkopf lässt sich drehen, sodass das Licht nach Bedarf ausgerichtet werden kann. Später arbeitete Ettore Sottsass mit Olivetti zusammen und gestaltete den ersten italienischen Computer, «Olivetti Elea». Bekannter als der Computer ist noch heute die rote Schreibmaschine Olivetti Valentine. Sie ist online als Vintage-Modell erhältlich (Preis je nach Zustand). Die Lampe Tahiti finden Sie gebraucht ab etwa 1600 Franken.

Empfehlung unserer Redaktion

Zur Ergänzung des Artikels hat die Redaktion einen passenden Inhalt von Instagram herausgesucht. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich stimme zu, dass externe Inhalte geladen werden. Damit können personenbezogene Daten an Dritte übermittelt werden. Wir haben keinen Einfluss auf den Umfang der Datenverarbeitung durch Dritte. (Weitere Infos in der Datenschutzerklärung)

7. Trix und Robert Haussmann: Wogg 12 Sideboard Stripe

Trix und Robert Haussmann bilden das wohl international bekannteste Schweizer Designerpaar. Geboren 1933 bzw. 1931 studierten beide in Zürich. Er an der Kunstgewerbeschule, sie an der ETH. An der Expo 1964 lernten sich die beiden kennen und wurden ein Paar und Team. Ihr erstes gemeinsames Werk war der Fun Chair. In der Folge designten die beiden, die mit Vorliebe mit optischen Täuschungen und illusionistischen Elementen spielten und deshalb auch den Ruf hatten, ein bisschen exzentrisch zu sein, für grosse Firmen wie Teo Jakob, De Sede oder Wogg. Weil sie sich konsequent weigerten, sich dem Zeitgeist anzupassen, trafen sie nie den ganz breiten Publikumsgeschmack. Die Kunst-Avant-Garde hingegen feierte das Paar. 2013 wurde das gemeinsame Werk von Trix und Robert Haussmann mit dem Grand Prix Design des Bundesamts für Kultur ausgezeichnet. Das Sideboard Wogg 12 Stripe gibt es für rund 10 600 Franken.

Das Sideboard Wogg 12 Stripe im klassischen Schwarz-Weiss-Look auf gelbem Untergrund.

Das Sideboard Wogg 12 Stripe ist ein wunderbarer Beweis dafür, dass besondere Formen auch aus sonst minimalistisch gestalteten Möbeln echte Design-Highlights machen können.

8. Alfredo Häberli: Regalsystem SEC

Alfredo Häberli kam 1964 in Buenos Aires zur Welt und zog 1977 mit seinen Eltern in die Schweiz. Mit 35 Jahren eröffnete er sein eigenes Studio im Zürcher Seefeld und arbeitete für BMW, Georg Jensen, Vitra und Zanotta. Aus einer früheren Zusammenarbeit mit Christophe Marchand stammt das Regalsystem SEC für Alias: Völlig frei von Spielereien baut es auf einer modularen Struktur aus Aluminiumprofilen auf und lässt sich endlos um Komponenten aus Stahl, Acryl und Glas erweitern, die alle in verschiedenen Höhen, Breiten und Tiefen erhältlich sind. Die Preise variieren entsprechend.

The SEC Shelving System in a simple, open design with a simple lamp and a recliner.

Offen gestaltet und hochmodular ist das Regalsystem SEC von Alfredo Häberli. Es bietet somit immer genau das, was der jeweilige Nutzer benötigt.

9. Franco Legler: Basket Chair

Der schweizerisch-italienische Designer Franco Legler war 29, als er 1951 den Basket Chair entwarf – für ein italienisches Restaurant namens The Basket in seinem bergamaskischen Heimatort Locate. Der stapelbare, leichte und doch stabile Rattanstuhl ist sehr bequem. Legler beauftragte lokale Korbflechter und Schlosser mit der Herstellung der ersten 52 Stühle. Der Stuhl wurde rasch international bekannt und 1953 vom Museum of Modern Art mit dem Good Design Award ausgezeichnet. Den Basket Chair können Sie für rund 440 Franken bestellen.

Empfehlung unserer Redaktion

Zur Ergänzung des Artikels hat die Redaktion einen passenden Inhalt von Pinterest herausgesucht. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich stimme zu, dass externe Inhalte geladen werden. Damit können personenbezogene Daten an Dritte übermittelt werden. Wir haben keinen Einfluss auf den Umfang der Datenverarbeitung durch Dritte. (Weitere Infos in der Datenschutzerklärung)

10. Charles und Ray Eames: Elephant

1945 entwarfen Charles und Ray Eames einen Spielzeugelefanten aus Sperrholz. Es wurden nur gerade zwei Prototypen gebaut. Berühmt wurde das US-amerikanische Paar allerdings durch seine Pionierarbeit mit Kunststoff, die es den beiden ermöglichte, Sitzschalen für ihre Stühle preiswert herstellen zu können. 2007, zum 100. Geburtstag von Charles Eames, lancierte Vitra eine limitierte Auflage des Elefanten. Die Nachfrage war so gross, dass das Zwischending zwischen Skulptur, Sitzmöbel und Kinderspielzeug in Serie ging. Er ist sowohl für Kinder als auch für Erwachsene und aus Holz oder Kunststoff erhältlich. Die Preise liegen bei zwischen 200 und 1500 Franken.

Der Sitz-Elefant von Charles und Ray Eames neben einer Garderobe.

Ein auch als Sitz dienender Spielzeugelefant begründete die Karriere von Charles und Ray Eames. Noch heute ist er für Erwachsene und Kinder erhältlich.

Als Nächstes lesen

Auf unserer Website verwenden wir Cookies und Analyse Tools um die Nutzerfreundlichkeit auf der Website stetig zu verbessern, damit wir Ihnen einen optimalen Service bieten können und die Werbung für Sie auf unserer Website und Werbepartner zu personalisieren. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Nähere Bestimmungen können Sie unserer Datenschutzerklärung entnehmen.